Zahl der Arbeitslosen auf 3,268 Millionen gestiegen: Die Job-Prognosen für 2009 sind dramatisch
zuletzt aktualisiert: 07.01.2009 - 11:07Nürnberg (RPO). Die Wirtschaftskrise hat den Arbeitsmarkt erreicht: Die Zahl der Arbeitslosen stieg im Dezember um 114.000 auf 3,102 Millionen. Und das ist offenbar erst der Anfang. Experten rechnen damit, dass sich die Konjunkturflaute "erst mit einigen Monaten Verzögerung" auf den Arbeitsmarkt auswirken wird. Die Ökonomen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) prognostizieren für 2009 einen Verlust von rund 400.000 Arbeitsplätzen, andere gehen sogar von 800.000 aus.
Bereits im November hatten sich die Auswirkungen der Konjunkturkrise auf den Arbeitsmarkt angekündigt. Die Kurzarbeit nahm in diesem Monat bereits zu, wie die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch in Nürnberg weiter berichtete. Die Nachfrage nach Kurzarbeitergeld habe im November gegenüber Oktober um 107.000 auf 164.000 zugelegt. Verglichen mit dem Vorjahresmonat war dies ein Plus um 125.000. Im Jahresdurchschnitt 2008 ging die Arbeitslosenzahl um 508.000 auf 3,268 Millionen zurück.
Die Bundesagentur geht davon aus, dass sich die Zahl der Kurzarbeiter in den nächsten Monaten kräftig erhöhen wird. Zugleich berichtete sie, dass die Arbeitslosenquote im Dezember um 0,3 Prozentpunkte auf 7,4 Prozent gestiegen sei. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, sagte: "Das Jahr 2008 war eines der besten Jahre für den Arbeitsmarkt. Allerdings zeigen die Dezemberdaten, dass die Wirtschaftskrise den Arbeitsmarkt erreicht hat. Entsprechend gedämpft ist auch unserer Optimismus für das Jahr 2009."
Wachstum der Erwerbstätigkeit abgeschwächt
Zuvor hatte bereits das Statistische Bundesamt in Wiesbaden erklärt, dass sich das Wachstum der Erwerbstätigkeit im November merklich abgeschwächt habe. Die Zahl der erwerbstätigen Personen erhöhte sich zwar um 1,2 Prozent auf 40,83 Millionen. Das war aber die niedrigste Rate seit Dezember 2006. Im Januar 2008 hatte der Zuwachs noch bei 1,7 Prozent gelegen.
Auch der Vormonatsvergleich zeigt die Auswirkungen der schrumpfenden Wirtschaftsleistung in der Bundesrepublik. Im Vergleich zum Oktober nahm die Beschäftigung um 12.000 Personen zu. In den November-Monaten 2005 bis 2007 waren es dagegen im Durchschnitt 53.000.
BDI-Studie sieht Job-Gefahr in erster Linie bei Zeitarbeitern
Auch das Ergebnis einer Erhebung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) bestätigt die aktuelle Tendenz auf dem Arbeitsmarkt. Bislang seien in erster Linie Zeitarbeiter von den Folgen der Wirtschaftskrise betroffen.
Vier von zehn Mittelständlern gaben an, dass sie sich von Zeitarbeitern getrennt haben oder dies planen. Um Lohnkosten zu sparen, werden zudem befristete Verträge bei einigen Firmen nicht verlängert, teilt das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln mit.
Festangestellte müssen sich bislang dagegen weniger Sorgen machen: Der Großteil der industriellen Mittelständler plant laut der Erhebung trotz der Wirtschaftskrise keinen Abbau der Stammbelegschaft. Nur jedes sechste Unternehmen habe bisher feste Stellen abgebaut oder dies vor. 38 Prozent der Betriebe suchen sogar noch nach Fachkräften.
IfW stellt düstere Prognose für 2009
Nach Ansicht des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) sind die Aussichten für 2009 düster. „Die Erwerbstätigkeit dürfte im Durchschnitt des Jahres 2009 um 1 Prozent geringer sein als 2008; dies bedeutet einen Verlust von rund 400.000 Arbeitsplätzen. Im Jahr 2010 gehen nochmals rund 300.000 Arbeitsplätze verloren“, verkündeten die Kieler Ökonomen bereits im Dezember.
Nach 3,3 Millionen Arbeitslosen im Jahr 2008 rechnet das Institut mit 3,7 Millionen im Jahr 2009 und 3,9 Millionen im Jahr 2010. Die Arbeitslosenquote werde bis dann um fast zwei Prozentpunkte auf 9,5 Prozent steigen – in der Rezession Mitte der siebziger Jahre lag der Anstieg noch bei 3,7 Prozentpunkten.
Arbeitszeitkonten und Kurarbeit beschönigen Statistik
"Arbeitszeitkonten und Kurzarbeit beschönigen derzeit die Statistik. Sie zögern den Einbruch zeitlich hinaus", fasst Alexander Koch von UniCredit zusammen. Die Unternehmen bemühten sich, ihre Arbeitskräfte so lange wie möglich zu halten.
Mindestens in den ersten drei Monaten dieses Jahres sollte dieser Puffer-Effekt noch anhalten. Spätestens zur Jahresmitte dürfte die Arbeitslosigkeit dann allerdings dramatisch ansteigen. "Wir sind gerade am Wendepunkt", fasst Ralph Solveen von der Commerzbank in Frankfurt zusammen.
Die noch glimpfliche Entwicklung in der ersten Jahreshälfte 2008 dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass das dicke Ende noch kommen werde. "Ende 2009 werden wir 800.000 Arbeitslose mehr haben als jetzt", ist er sicher.
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