Commerzbank, ifo, DIW, IMK und RWI: Die Konjunkturprognosen werden immer düsterer
zuletzt aktualisiert: 23.03.2009 - 15:32Berlin (RPO). Erneut werden die Konjunkturprognosen für die deutsche Wirtschaft nach unten korrigiert. Zunächst erklärte die Commerzbank am Montag, sie erwarte für 2009 einen Einbruch um bis zu sieben Prozent. Weitere Institute folgten mit düsteren Prognosen.
Die Commerzbank legte die bislang pessimistischste Prognose für Deutschland vor. "Unsere Modelle signalisieren uns ein Minus zwischen sechs und sieben Prozent", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer der Tageszeitung "Die Welt". Bislang rechnete die Commerzbank mit einem Einbruch der Wirtschaftskraft um drei und vier Prozent.
Der Commerzbank folgte am Montag das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und hat seine Prognose nochmals deutlich gesenkt. Die Berliner Experten rechnen jetzt mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um vier bis fünf Prozent, wie Konjunkturforscher Stefan Kooths mitteilte. Der schlechte Start ins neue Jahr und die aktuelle Entwicklung ließen keine anderen Schlüsse zu, sagte er.
Auch das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat seine Prognose kräftig gesenkt und erwartet einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4,3 Prozent. Im kommenden Jahr werde es wohl wieder leicht um 0,5 Prozent aufwärts gehen, erklärten die Konjunkturexperten am Montag in Essen. Damit sei die Finanzkrise stärker auf Deutschland durchgeschlagen als auf die meisten übrigen Länder des Euro-Raums. Trotz steigender Kurzarbeit werde für 2009 ein Anstieg der Arbeitslosenzahl um 1,1 Millionen erwartet.
Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) rechnet mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 5 Prozent, wie am Montag mitgeteilt wurde. Damit reduzieren sie ihre Erwartungen gegenüber der Januarprognose um 2,6 Prozentpunkte. Im kommenden Jahr werde die deutsche Wirtschaft mit einem minimalen Zuwachs von 0,2 Prozent praktisch stagnieren, hieß es.
Das ifo-Institut rechnet nicht mit einem schnellen Ende der Rezession in Deutschland. Die Wirtschaftsleistung werde 2009 definitiv um mehr als 4 Prozent zurückgehen, sagte ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen. Auch für 2010 seien die Experten des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts "relativ pessimistisch". Für 2009 rechnen die Forscher nach Angaben von Carstensen im Jahresverlauf mit einer Million mehr Arbeitslosen.
Der Bundesverband deutscher Banken teilte am Montag mit, er sehe sich gezwungen, seine BIP-Prognose für 2009 zu überarbeiten. Bislang erwarten die Experten eine Schrumpfung um rund 3,5 Prozent.
Der von der Commerzbank prognostizierte Rückgang des Wirtschaftswachstums um bis zu sieben Prozent ist nach Ansicht des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) nicht auszuschließen. IWH-Konjunkturexperte Axel Lindner sagte am Montag, derzeit sei vieles denkbar, also sei es nicht ausgeschlossen, dass die Vorhersage der Commerzbank zuträfe.
Lindner hält aber dennoch an der Prognose seines Hauses fest: Das IWH in Halle hatte zuletzt ein Minus von 4,8 Prozent für das laufende Jahr und einen Rückgang von 0,2 Prozent für das Jahr 2010 vorher gesagt. Der derzeit scharfe Schrumpfungsprozess der Wirtschaft werde sich im Jahresverlauf verlangsamen, meinte Lindner.
Commerzbank: Quartal schwächer als erwartet
Die Commerzbank erklärte, Grund für die deutliche Korrektur ihrer Prognose sei vor allem das schwächer als erwartet verlaufende erste Quartal. "Die Wirtschaft dürfte gegenüber dem vierten Quartal 2008 nicht, wie wir ursprünglich unterstellt haben, um 1,5 Prozent, sondern um schätzungsweise 3,5 Prozent geschrumpft sein." Dies liege vor allem an den zurückgegangenen Auftragseingängen.
"Sie sind von Dezember auf Januar um acht Prozent gefallen. Das ist gewaltig", sagte Krämer. Die niedrigeren Auftragseingänge bedeuteten auch weniger Produktion in den Folgemonaten. "Wenn die Auftragseingänge so wegbrechen, strahlt das zumindest auf das zweite Quartal aus", sagte Krämer.
Statt mit einer Stabilisierung rechnet der Volkswirt deshalb mit einem weiteren Einbruch der Wirtschaft zwischen April und Juni um ein Prozent. Erst ab Herbst des Jahres werde die Wirtschaft aufhören zu schrumpfen, glaubt Krämer. "Wir erwarten allerdings nur eine blutleere Aufwärtsbewegung."
In den USA und vielen europäischen Ländern würden die Immobilienpreise bis weit in das kommende Jahr fallen. "Das drückt dort den Konsum und belastet unsere Exporte", sagte Krämer. Für Ende 2009 rechnet die Commerzbank mit knapp über vier Millionen Arbeitslosen, Ende 2010 werde die Zahl auf rund 4,75 Millionen steigen.
Krämer wehrte sich gegen den Vorwurf, dass sich die Bank mit den neuen Negativzahlen öffentlichkeitswirksam zur Schau stellen will. "Ich schaue mir nur die Zahlen an. Das Ergebnis ist, dass sie schlechter sind als gedacht - Punkt", sagte Krämer.
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