Fusionen geplant: Die neue Welt der Landesbanken
VON GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 14.11.2008 - 13:51Düsseldorf (RP). Die Chefs der deutschen Sparkassenverbände haben einen Modellvorschlag beschlossen, der auch die Politik überzeugen soll. Er sieht eine Neuordnung mit drei Gruppen vor, die auf Dauer bundesweit Dienstleistungen für das gesamte Sparkassen-Lager erbringen sollen.
Deutschlands Sparkassen haben auf Forderungen aus der Politik reagiert, sie sollten Vorschläge für die Zukunft der Landesbanken machen. Das Ergebnis ist ein Arbeitspapier, das Heinrich Haasis in Kürze präsentieren soll. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) wird dann eine drei- bis viergeteilte Landesbanken-Landschaft vorstellen: ein großes Institut mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), der Bayern LB und Teilen der WestLB, dazu das seit längerem angedachte Bündnis aus dem zweiten WestLB-Teil, der DekaBank und der Landesbank Hessen-Thüringen sowie eine Nord-Allianz aus NordLB und HSH Nordbank.
Den Zukunftsplan haben die Verbandsvorsteher der Sparkassenverbände beschlossen und in einem Papier dokumentiert, das unserer Redaktion vorliegt. In diesem Papier wird die Neuordnung in drei Etappen geteilt:
Schritt 1 "Die Ausgliederung problembehafteter, nicht rentabler und nicht funktionsnotweniger Aktivitäten". Das heißt zum einen, dass die Landesbanken Risikopapiere in einem vermutlich zweistelligen Milliardenvolumen an den Rettungsfonds Soffin abgeben. Außerdem würden Randaktivitäten verkauft.
Kommentar: Bewegung bei Banken
Von Gregor Winters
So viel Bewegung wie jetzt war noch nie in der deutschen Banken-Landschaft. Und so kann man der Finanzkrise tatsächlich etwas Gutes abgewinnen. Denn sie hat das öffentlich-rechtliche Lager gezwungen, die Konsolidierung zu beschleunigen, die es jahrelang vor sich her geschoben hat. Das Modell der Sparkassen-Präsidenten ist ein veritabler Vorschlag, weil die Zahl der Landesbanken dadurch auf eine erträgliche Zahl schrumpft und gleichzeitig alle Beteiligten ein vorzeigbares Geschäftsmodell hätten. Aber damit ist das Hauen und Stechen vermutlich nicht zu Ende. Denn Standort- und Personalfragen sind bei Fusionen noch nie ohne Reibereien über die Bühne gegangen. Aber diesmal müssen Lösungen her. Anders haben die Landesbanken gar keine Zukunft.
Schritt 2 Die Zusammenfassung der Landesbanken in drei bis vier Blöcke. Ob drei oder vier, hängt davon ab, ob die Deka komplett mit der WestLB und der Helaba zusammengebunden wird oder das Fondsgeschäft der Sparkassen-Tochter aus der DekaBank herausgelöst wird.
Schritt 3 "Funktionelle Neuordnung des Sektors durch Zusammenlegung gleicher/ähnlicher Kompetenzfelder innerhalb der Blöcke". Da wird die Neuordnung inhaltlich mit Leben gefüllt: Der Teil aus WestLB/Helaba/Deka soll das Kapitalmarktgeschäft machen, das Bündnis WestLB/LBBW/Bayern LB unter anderem das Mittelstandsgeschäft, die Projektfinanzierung und das so genannte Transaction Banking, also Bankdienstleistungen aller Art. Die Allianz NordLB/HSH Nordbank wäre nicht nur eine Nord-Achse, sondern auch ein funktionales Bündnis: Die NordLB ist stark in der Flugzeug-, die HSH Nordbank Spezialist in der Schiffsfinanzierung. Die neue Bank könnte "Spezialist für Transport und Logistik" sein. Das würde gut passen, weil beide Banken Verbindungen zu TUI und HapagLloyd haben.
Alle Banken könnten auf Dauer Dienstleistungen für das gesamte Sparkassen-Lager erbringen. Ob aus den drei Blöcken am Ende eine entsteht, also so etwas wie eine "Bank deutscher Länder", gilt in Sparkassen-Kreisen aber noch als offen. Auf jeden Fall ist Eile geboten. "Eine besondere Dringlichkeit zu einer strukturellen Veränderung ist wegen des laufenden Beihilfe-Verfahrens bei der WestLB gegeben", heißt es in dem Beschluss der Sparkassen-Verbandsvorsteher.
Derzeit werde untersucht, welche wirtschaftlich sinnvollen Möglichkeiten bestünden, Aufgaben der Bank auf die DekaBank zu übertragen, in die "funktionale Neuordnung der Landesbanken einzubringen oder andere Lösungen zu finden". Auch Standort-Fragen sind noch längst nicht geklärt. Beim WestLB/Helaba/Deka-Bündnis ist offenbar ein Doppelsitz Düsseldorf/Frankfurt im Gespräch.
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