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Fiat gegen Magna: Die Opel-Brautwerber im Vergleich

VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 05.05.2009 - 13:23

Düsseldorf (RPO). Die Bundesregierung sucht den besten Partner für Opel. Fiat-Chef Sergio Marchionne hat am Montag sein Angebot vorgetragen, nun macht auch der Autozulieferer Magna sein Interesse offiziell. Von beiden Konzernen liegen bereits grobe Konzepte vor. Die Ansätze gehen in völlig unterschiedliche Richtungen.

Bis zum 1. Juni muss eine Entscheidung gefallen sein. An diesem Stichtag läuft das Ultimatum der amerikanischen Regierung an Opel-Mutter General Motors ab. Bis dahin muss ein Sanierungskonzept vorliegen. Aus deutscher Sicht am besten mit einem realistischen Ansatz zur Rettung von Opel.

Immerhin, es gibt zwei ernsthafte Interessenten: den italienischen Autobauer Fiat und den kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna. Beide haben mit der deutschen Bundesregierung gesprochen. Denn neben dem Ok von GM in Detroit ist auch deren Wohlwollen nötig, um Opel wieder auf die Schiene zu bringen. Ohne einen Bürgschaftskredit über einige Milliarden Euro ist der Autobauer voraussichtlich nicht überlebensfähig.

Die Grobkonzepte liegen vor. Noch sind sie nicht auf Herz und Nieren geprüft. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat stets betont, die Pläne akribisch prüfen zu wollen. Doch bereits jetzt lässt sich erkennen: die Bewerbungsschreiben sind verschiedener Natur. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht.

Der Fiat-Ansatz Die Italiener wollen einen Weltkonzern schmieden. Bausteine sind Fiat, Opel und Chrysler. Konzern-Chef Marchionne glaubt, dass nur sechs Autokonzerne weltweit die Wirtschaftskrise überleben werden. Er will darum das Autogeschäft ausweiten. Als Mindestgröße nannte er 5,5 Millionen Fahrzeuge pro Jahr. Fiat kommt derzeit nur auf 2,15 Millionen Fahrzeuge. Aus diesem Grund ist Marchionne an Opel sowie am US-Konzern Chrysler interessiert. Der Manager hat den Ruf eines erfolgreichen Sanierers.

Der Magna-Ansatz Das österreichisch-kanadische Unternehmen ist Zulieferer, kein Produzent von Autos. Immer wieder ist außerdem von Hilfestellung durch russische Partner die Rede. Der Konzern will offenbar die Marke Opel auf neuen Märkten etablieren: Russland und Amerika gehören dazu. Darüberhinaus hält sich das Unternehmen bedeckt.

Das Fiat/Opel-Profil Ein Zusammenschluss von Fiat und Opel werten Kenner als Marktbereinigung. Ein Konkurrent weniger. Außerdem gäbe es sinnvolle Ergänzungen. Opel punktet derzeit mit dem erfolgreichen Vectra-Nachfolger Insignia, Fiats Kleinwagen sind in Zeiten der Krise ein Renner und Chrysler bringt dem Bündnis einige interessante Konzepte für die Elektroautos von morgen. Fiat-Chef marchionne versicherte, die Modelle von Fiat und Opel passten entgegen der Meinung von Kritikern sehr gut zueinander.

Das Magna-Opel-Profil Eine Allianz Magna-Opel würde aller Wahrscheinlichkeit nach Arbeitsplätze und Standorte und Deutschland schonen. Ein Grund mehr, für SPD und Betriebsräte den Interessenten aus Österreich unverhohlen zum Favoriten im Übernahme-Krimi zu machen. Weil Magna als Zulieferer keine Markt-Überlappungen mit Opel aufweist, hoffen Experten und Opelaner, dass die Österreicher Opel auch als neues Herzstück behandeln würden.

Die Bedenken gegen Fiat Neben SPD und Opelanern äußern sich auch viele Fachleute skeptisch. Zu groß sind ihrer Ansicht nach die Überschneidungen im Kleinwagenbereich, zu dünn die Kapitalrücklagen, um noch in Zukunftstechnologien investieren zu können. Auto-Experte Christoph Stürmer weist in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung außerdem auf problematische Effekte hin: Fiat-Käufer würden befürchten, höhere Preise zahlen zu müssen, Opel-Anhänger haderten mit dem schlechten Qualitäts-Image der Italiener.

Die Bedenken gegen Magna Auch der Zulieferer hat Probleme durch die Finanzkrise. Kürzlich schickte er tausende Arbeiter in Österreich in die Kurzarbeit. Außerdem fehlt es ihm an Erfahrung im hart umkämpften Auto-Geschäft. Mit einem Einstieg bei Opel würde Magna den Konkurrenzkampf nur verschärfen.

Bilanz: Der Wettstreit um Opel ist völlig offen. Auch in der Politik scheiden sich die Geister. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier schmeißt sich Magna an die Brust. Der Kontakt soll über Gerhard Schröder und dessen guten Kontakte zur Sozialdemokratie nach Österreich zustandegekommen sein, raunt man. Auf der anderen Seite ist die CDU eher an der Seite von Fiat zu verorten. Guttenbergs Opel-Koordinator Roland Berger sitzt im Aufsichtsrat von Fiat.


 
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