Wirtschaft schrumpft weiter: Die Rezession ist da
zuletzt aktualisiert: 13.11.2008 - 13:33Wiesbaden (RPO). Jetzt ist es amtlich: Deutschland befindet sich in der Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt ist im dritten Quartal um 0,5 Prozent geschrumpft. Die sich bereits abzeichnende Abwärtsentwicklung für die deutsche Wirtschaft habe sich damit fortgesetzt, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mit. Die Rezession hat Deutschland heftiger erwischt als erwartet.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank zum zweiten Mal in Folge. Nach gängiger Definition ist die deutsche Konjunktur damit in der Rezession. Grund dafür sei vor allem eine starke Zunahme der Importe bei nachlassenden Exporten. Bank-Ökonomen erwarten für das vierte Quartal eine weitere Verschlechterung der Lage.
Die sich bereits abzeichnende Abwärtsentwicklung für die deutsche Wirtschaft habe sich fortgesetzt, teilte das Statistische Bundesamt in seiner Schnellmeldung mit. Ein leichter Anstieg der privaten und öffentlichen Konsumausgaben habe im Vergleich zum Vorquartal für positive Wachstumsimpulse im Inland gesorgt. Bei stark zunehmenden Importen und sich abschwächenden Exporten sei vom Außenbeitrag aber eine negative Wirkung auf die BIP-Entwicklung ausgegangen, erklärte das Bundesamt.
Im zweiten Quartal war das BIP nach berichtigten Zahlen der Statistiker um 0,4 Prozent gesunken. Bisher hatte das Bundesamt minus 0,5 Prozent angegeben. Auch die Zahlen für das erste Quartal wurden korrigiert, von plus 1,3 Prozent auf plus 1,4 Prozent.
Ökonomen: "Das Schlimmste steht noch bevor"
Bank-Ökonomen zeigten sich von den Zahlen überrascht. Der Rückgang des BIP sei "deutlich stärker ausgefallen als allgemein erwartet", sagte Ralph Solveen von der Commerzbank. Alles deute zudem darauf hin, dass sich die Abwärtsbewegung im vierten Quartal noch weiter verstärkt habe.
Die Volkswirte der BayernLB merkten an, dass es sich um den stärksten Einbruch des BIP seit dem zweiten Vierteljahr 1998 handelt. Die Zahlen ließen keinen Zweifel: "Deutschland steckt mitten in der schwersten Rezession seit Jahrzehnten." Nach dem fulminanten Jahresauftakt habe die Wirtschaft eine harte Landung hingelegt.
"Das Schlimmste dürfte uns dabei erst noch bevorstehen", sagte die BayernLB voraus. Sie rechnet für das laufende vierte Quartal 2008 mit einem Rückgang des BIP um 0,75 Prozent bis 1 Prozent. Positive Zuwachsraten erwarten die Bayernbanker erst wieder ab Mitte 2009. Die Commerzbank sagt ein Minus von etwa 0,75 Prozent in den letzten drei Monaten des Jahres voraus und erwartet für das Jahr 2009 insgesamt ein deutliches Schrumpfen der Wirtschaft.
Erste Rezession in Eurozone seit Bestehen erwartet
Auch der Eurozone stehe nach den Daten aus Deutschland die erste Rezession ihres Bestehens bevor, erklärten die Nord/LB-Ökonomen. "Dem globalen Konjunktureinbruch kann sich der Exportweltmeister Deutschland nicht entziehen." Nun gelte es, die Auswirkungen der Rezession in Grenzen zu halten. Die Nord/LB erwartet bald weitere Leitzinssenkungen und fordert ergänzend eine Aufstockung des staatlichen Konjunkturprogramms.
Nach Einschätzung der OECD sind die Aussichten für das kommende Jahr weltweit schlecht. Für die US-Wirtschaft sagte die Organisation einen Wirtschaftsrückgang um 0,9 Prozent voraus, für die Eurozone minus 0,5 Prozent, für Japan minus 0,1 Prozent.
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