Industrie-Aufträge legen deutlich zu: "Die Rezession ist zu Ende"
zuletzt aktualisiert: 06.08.2009 - 17:40Berlin (RPO). Die wirtschaftliche Lage in Deutschland bessert sich zunehmend: Im Juni hat die Industrie den stärksten Auftragszuwachs seit zwei Jahren verzeichnet. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sieht einen "breiter werdenden Hoffnungsschimmer". Analysten jubeln: "Die Rezession ist zu Ende".
Die deutsche Industrie ist wegen ihrer Exportausrichtung von der Wirtschaftskrise besonders betroffen. Auftragsrückgänge im zweistelligen Prozentbereich sind keine Seltenheit. Das Schlimmste scheint nun allerdings überstanden zu sein. Die Bestellungen legten im Juni um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat zu, wie das Wirtschaftsministerium am Donnerstag mitteilte. Das war bereits der vierte Anstieg in Folge.
Guttenberg sieht Ende der Rezession
Die deutsche Wirtschaft habe im gesamten zweiten Quartal "ihr Niveau behauptet", sagte Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) am Donnerstag in Berlin. Zuvor war sie ein Jahr in Folge von Quartal zu Quartal geschrumpft - im ersten Quartal mit 3,8 Prozent so stark wie noch nie.
Für die zweite Jahreshälfte erwartet Guttenberg wieder Wachstum. "Vor allem das anhaltende Plus bei den Bestellungen spricht dafür, dass die deutschen Unternehmen auch in der zweiten Jahreshälfte ihre Produktion weiter steigern können." sagte der Minister. Die Industrie hatte im Juni den vierten Monat in Folge mehr Aufträge erhalten. "Der wiederholte und stärker werdende Anstieg der Auftragseingänge ist ein breiter werdender Hoffnungsschimmer", sagte Guttenberg.
Er warnte aber auch vor übertriebener Euphorie. "Viele - vor allem auch kleine und mittlere Betriebe - müssen nach wie vor existenzgefährdende Auftragseinbrüche durchstehen", sagte Guttenberg. Auch sei die Gefahr eines erneuten Rückschlags nicht gebannt. Bei steigender Arbeitslosigkeit könne der private Konsum unter die Räder kommen.
Wirtschaftsexperten hatten schlechtere Ergebnisse erwartet
Wirtschaftsexperten hatten einen deutlich schlechteren Wert erwartet. Um so größer ist nun der Jubel. Commerzbank-Analyst Jörg Krämer zeigte sich optimitisch: "Die Rezession ist zu Ende. Wir werden ein starkes drittes Quartal sehen. Wir erwarten im zweiten Halbjahr ein kräftiges Wirtschaftswachstum - ein Plus von 0,8 Prozent ist möglich. Mehr Aufträge heute bedeuten mehr Produktion morgen."
Der Auftragseingang der Industrie gilt als Frühindikator für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Vor allem die anziehende weltweite Konjunktur macht sich in den deutschen Auftragsbüchern bemerkbar. "Treiber ist die Wiederbelebung der Weltwirtschaft", sagte Alexander Koch von Unicredit. Hier sorgen auch die Konjunkturpakete der einzelnen Staaten Wirkung.
Bewährungsprobe Arbeitslosigkeit
Allerdings steht der deutschen Wirtschaft noch eine Bewährungsprobe bevor. Wenn die Maßnahmen der Kurzarbeit auslaufen, könnte es zu großen Entlassungswellen kommen. Die führenden Wirtschaftsinstitute rechnen damit, dass die Marke von fünf Millionen Arbeitslosen geknackt werden wird. "Je stärker die Nachfrage steigt, desto wahrscheinlicher ist, dass das Schlimmste am Arbeitsmarkt vermieden werden kann", sagte Koch. Allerdings werde sich ein Anstieg der Arbeitslosigkeit nicht vermeiden lassen.
Auch Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank bewertet den gestiegenen Auftragseingang positiv, schränkt jedoch ein: "Das ist ein weiteres Zeichen der Stabilisierung. Von einem sich selbst tragenden Aufschwung sind wir aber noch weit entfernt."
Unterhaltungselektronik trotzt der Krise
Positive Zahlen in der Krise meldeten auch die Produzenten von Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräten. Von Januar bis Mai stieg der Umsatz mit klassischen Unterhaltungselektronik-Produkten um 3,3 Prozent (rund 100 Millionen Euro). Bei Haushaltsgroßgeräten betrug das Plus 8,6 Prozent, wie der Vizepräsident des Verbandes ZVEI, Hans-Joachim Kamp, in Berlin auf der IFA-Auftaktpressekonferenz sagte.
Für beide Bereiche prognostizierte er für das Gesamtjahr 2009 Wachstum. Er führte die positiven Ergebnisse auf attraktive und innovative Produkte zurück. Darüber hinaus sei die Kauflust der Deutschen trotz Krise ungebremst. Die jährlichen Ausgaben für Technik pro Haushalt seien kontinuierlich gestiegen von 1.024 Euro im Jahr 2006 auf 1.064 Euro im Jahr 2008.
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