Inflation: Die Ruhe vor dem Sturm?
zuletzt aktualisiert: 10.06.2009 - 10:21Düsseldorf (RPO). Zum ersten Mal seit 22 Jahren sind die Verbraucherpreise in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr nicht gestiegen. Für Verbraucher erst einmal eine gute Nachricht. Vornehmlich bei Benzin und Lebensmittel sparten die Bürger. Experten befürchten indes, dass dieser Trend nicht lange anhält. Die Krise werde schon bald eine deutliche Inflation bringen.
Die Inflationsrate lag im Mai bei 0,0 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Die Entwicklung ist im Wesentlichen auf zwei Gründe zurückzuführen. Im Vergleich zum hohen Preisniveau im Jahr 2008 sanken in den vergangenen Monaten insbesondere die Kosten für Energie und Lebensmittel.
Hierbei sind besonders Molkerei-Produkte zu nennen. Milch wurde 15 Prozent billiger, Quark sogar 24 Prozent. Berücksichtigt man Energie und Lebensmittel nicht im relevanten Warenkorb, hätte die Inflationsrate bei 1,4 Prozent gelegen.
Verbraucher können sich vorerst über diese Entwicklung freuen. Die niedrigen Preise im Supermarkt und an der Tankstelle führen unter anderem dazu, dass die Auswirkungen der derzeitigen Wirtschaftskrise wenig im Alltagsleben der Bevölkerung ankommen. Glaubt man den Warnungen von Wirtschaftsforschern, wird sich dies schnell ändern.
Inflation
Das Wort stammt aus dem Lateinischen und bedeutet ursprünglich "Aufschwellen". Heute versteht man unter Inflation einen merklichen Anstieg der Preise, der maßgeblich durch das Ausweiten der Geldmenge durch Staaten oder Notenbanken bedingt ist. Drucken die Notenbanken mehr Geld – zum Beispiel für neue Schulden – leidet der Tauschwert des Geldes in Bezug zu allen anderen Waren. Das Geld wird weniger wert.
So warnte erst vor wenigen Wochen Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburger Weltwirtschaftsinstitus, vor zweistelligen Inflationsraten, die Deutschland spätestens ab 2010 drohen. Im "Focus" sagte der Experte bereits für die zweite Jahreshälfte 2009 dramatisch steigende Energiekosten voraus.
So sei eine Verdoppelung des Preises für ein Fass Öl sehr wahrscheinlich. Auch Handwerksleistungen und Immobilien würden sich drastisch verteuern. Inflationsraten von fünf bis zehn Prozent seien die Folge. Bereits ab fünf Prozent sprechen Experten von einer "schweren Inflation".
Ein Grund für die dramatischen Befürchtungen sind ausgerechnet die Konjunkturprogramme der Bundesregierung. Die schuldenfinanzierte Ausweitung der Geldmenge gilt als wichtigste Rahmenbedingung für einen Kaufkraftverlust. Einige Anleger setzen schon jetzt auf Inflationsanleihen, um den Verlust zu minimieren.
Inflationsraten im zweistelligen Bereich wären in Deutschland kein Novum. Derartige Zahlen waren weltweit bereits in den 70er und 80er Jahren zu beobachten. Verbraucher und Anleger haben in Zeiten wie diesen wenig zu lachen. Sie leiden massiv unter der Inflation.
Es profitiert lediglich der Staat, der in Zeiten der Inflation höhere Steuereinnahmen verbuchen kann, da die Erlöse der Mehrwertsteuer bei steigenden Preisen ebenfalls anwachsen.
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