Dachverband feiert 125. Geburtstag: Die Sparkassen feiern sich selbst
VON GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 16.06.2009 - 20:38Düsseldorf (RP). Der Dachverband DSGV begeht heute seinen 125. Geburtstag. Die Institute gelten vielen als Hort der Stabilität. Sorgen gibt es trotzdem: Die Diskussion um die Zukunft der Landesbanken drängt das Jubiläum in den Hintergrund.
Es wird die Stunde der großen Reden und großen Erinnerungen. Ein Moment wie geschaffen dafür, auf eigene Erfolge zu verweisen und darauf, wie unentbehrlich man selbst für die deutsche Wirtschaft sei. Genau das wird heute beim Festakt passieren, der zum 125. Geburtstag des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) in Berlin stattfindet.
Während die Sparkassen sich in der Hauptstadt selbst feiern, wird das Jubiläum des Dachverbandes überlagert von aktuellen Diskussionen – vor allem von denen um die "Bad Banks" für die deutschen Landesbanken und um die Rolle der Sparkassen als Garantiegeber für WestLB und Co.
Nordrhein-Westfalen im Blickpunkt
Dabei sind vor allem die Institute in Nordrhein-Westfalen in den Blickpunkt geraten, weil sie sich zunächst neuen Milliardengarantien für die WestLB verweigerten und dann doch zustimmten. Die einen sagen, die Sparkassenverbände im Rheinland und in Westfalen-Lippe hätten dies unter dem Druck der Finanzaufsicht Bafin getan (die soll vor allem den westfälischen-Sparkassen-Präsidenten Rolf Gerlach unter Druck gesetzt haben). Sparkassen-Vertreter selbst reden von einem Deal mit der Bundesregierung bei der Bad-Bank-Lösung für die Landesbanken.
So oder so sind die Zeiten unruhig für einen Verband, dessen Mitglieder für viele doch so etwas wie der Hort der Stabilität in der Finanzkrise sind. "Die Sparkassen sind gerade in der Krise extrem wichtig, weil sie in der Region der wichtigste Rückhalt für mittelständische Unternehmen sind", sagt der Erlanger Bankprofessor Wolfgang Gerke und ergänzt: "Dagegen hat manche Landesbank sich selbst überflüssig gemacht." Andererseits wären die Sorgen vieler Sparkassen vermutlich auch größer, wenn sie nach dem internationalen Standard IFRS bilanzieren müssten. Und die Pleite der US-Investmentbank Lehman ist auch an den Sparkassen nicht spurlos vorbeigegangen.
"Wenn's um Geld geht – Sparkasse"
Das alles dürfte bei vielen Verbrauchern indes nicht ankommen. Gerkes Lobeshymne passt ins öffentliche Bild und weckt bei der breiten Masse der Bevölkerung vermutlich Erinnerungen – an das erste Sparschwein zum Weltspartag vielleicht und unvergessene Werbesprüche wie "Wenn's um Geld geht – Sparkasse". Und bei einigen auch an berühmte Sparkassen-Präsidenten wie Ludwig Poullain (früherer WestLB-Chef) und den heutigen Bundespräsidenten Horst Köhler (1993 bis 1998), der heute zu den Rednern beim Festakt gehören wird.
Erinnerungen an Poullains Amtszeit mögen daher auch einen Anflug von Nostalgie haben. In Wirklichkeit wollte der damalige Präsident (1967 bis 1972) schon vor 40 Jahren eine Zeitenwende einläuten. Poullain sah den immer schärferen Wettbewerb mit Privat- und Volksbanken am Horizont heraufziehen, er forderte schon damals die Abschaffung von Staatshaftung, die erst mehr als 30 Jahre später Wirklichkeit wurde, und er wollte die Sparkassen "aus den Klauen der Politik befreien".
Befreiung von der Politik bleibt Wunschdenken
Letzteres ist allerdings Wunschdenken geblieben. Stadt- und Kreissparkassen sind über die Verwaltungsräte maßgeblich durch die Politik beeinflusst, und der Streit um die Landesbanken ist auch zum politischen Dauerthema geworden – zwischen Sparkassen und Landesregierungen, zwischen Union und SPD, zwischen nationalen Interessenvertretern und der EU-Kommission in Brüssel.
Das alles spielt heute beim Festakt eine untergeordnete Rolle. Danach werden die wichtigen Protagonisten aber wieder rasch in die aktuelle Diskussion einsteigen. Zu groß ist die Angst in Sachen Landesbanken-Hilfe: "Wir können keine Belastungen zulassen, die die Sparkassen kaputt machen" sagte der CDU-Abgeordnete Otto Bernhardt der "Welt am Sonntag". Bei solchen Perspektiven könnte einem die Lust am Feiern auch vergehen.
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