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Milliardendeal
US-Firma Diebold will Wincor Nixdorf übernehmen

Diebold will Wincor Nixdorf übernehmen
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Paderborn. In der Geldautomaten- und Kassensystemhersteller-Branche bahnt sich ein Milliardendeal an: Wincor Nixdorf steht vor einer Übernahme durch ein US-Unternehmen.

Die Nummern zwei und drei unter den weltgrößten Geldautomaten-Herstellern stehen vor einem Zusammenschluss. Der US-Konzern Diebold bietet 1,73 Milliarden Euro in bar und Aktien für den ähnlich großen deutschen Rivalen Wincor Nixdorf, wie beide Unternehmen am Samstag mitteilten. Bereits vor drei Wochen seien die finanziellen Bedingungen der Fusion vereinbart worden, unter Dach und Fach sei sie aber noch nicht, betonten der Paderborner Konzern und sein Konkurrent aus dem Bundesstaat Ohio. Derzeit prüfe Diebold noch die Bücher von Wincor Nixdorf. Mit der Übernahme könnten die US-Amerikaner zum Branchenführer NCR aufschließen. Diebold ist an der New Yorker Börse umgerechnet 1,9 Milliarden Euro wert.

Die Branche leidet unter den Sparmaßnahmen der Banken und Filialschließungen. Viele Unternehmen versuchen deshalb, den Sprung zum Software- und Dienstleistungs-Anbieter zu schaffen. Bei Wincor liegt der Anteil dieser Geschäftsbereiche bereits bei 60 Prozent. Noch im Juni, als es erste Berichte über eine Übernahme von Wincor durch Diebold gab, hatte Wincor-Chef Eckard Heidloff das Ansinnen der Amerikaner zurückgewiesen. Er halte es für einen Irrweg. "Ich persönlich glaube an die Eigenständigkeit von Wincor Nixdorf", hatte Heidloff damals gesagt. Dabei hatte der westfälische Konzern schon im Frühjahr Investmentbanker gebeten, verschiedene Möglichkeiten für seine Zukunft auszuloten.

Den Sinneswandel führte bei Heidloff offenbar ein konkretes Angebot herbei: Diebold bietet den Wincor-Aktionären je Aktie 52,50 Euro. Das sind 35 Prozent mehr, als ihre Anteilsscheine zum Schlusskurs am Freitag wert waren. Der überwiegende Teil davon solle in bar bezahlt werden, sagten zwei mit den Plänen vertraute Personen, der Rest in Diebold-Aktien. Wie der fusionierte Konzern heißen soll und welche Rolle Heidloff darin spielen wird, steht offenbar noch nicht fest.

Das Unternehmen war seit der Finanzkrise nicht mehr richtig auf die Beine gekommen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014/15 (per Ende September) hatte Wincor Nixdorf zuletzt mit einen Umsatzrückgang um drei bis fünf Prozent gerechnet. 2013/14 waren es knapp 2,5 Milliarden Euro. Heidloff hatte ein Sanierungsprogramm aufgelegt, das die Unabhängigkeit sichern sollte, aber zunächst 80 Millionen Euro kosten soll. Der operative Gewinn (Ebita) sollte daher 2014/15 auf 20 Millionen Euro schrumpfen. Wincor Nixdorf beschäftigt 9000 Mitarbeiter, 1100 Stellen sollen in den nächsten drei Jahren abgebaut werden.

Diebold ist mit 16.000 Beschäftigten weit größer, bietet aber nicht nur Geldautomaten, sondern etwa auch Scanner-Kassen für Supermärkte an. In Europa spielt Diebold allerdings kaum eine Rolle, hier ist dafür Wincor besonders stark vertreten.

Diebold war 1859 als Hersteller von Banksafes gegründet worden. Wincor Nixdorf war 1999 von Siemens abgespalten worden, führt aber den Namen des Paderborner Computer-Pioniers Heinz Nixdorf weiter, dessen Unternehmen in Siemens aufgegangen war. Auch Marktführer NCR steht möglicherweise vor einem Verkauf. Der 1879 als Hersteller von Registrierkassen gegründete Konzern ist Insidern zufolge ins Fadenkreuz von Finanzinvestoren wie Blackstone geraten. Allerdings stocken die Gespräche seit Monaten. NCR steht unter Druck von aktivistischen Aktionären.

(felt/REU)
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