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Dieter Kempf als neuer BDI-Chef
IT-Manager wird 2017 Industriepräsident

Dieter Kempf wird neuer BDI-Chef: IT-Manager wird 2017 Industriepräsident
Wechsel beim Bundesverband der Deutschen Industrie (v.l.): Ulrich Grillo schlägt Dieter Kempf als Nachfolger vor. FOTO: dpa, nie jhe
Berlin. Der frühere Bitkom-Chef Dieter Kempf soll Ulrich Grillo an der Spitze des mächtigen Bundesverbandes der Industrie nachfolgen. Der BDI setzt damit einen neuen Schwerpunkt: Die Digitalisierung der Wirtschaft sei eine "Schlüsselfrage". Von Birgit Marschall

Ein "gewisses Bauchpinseln", gab Dieter Kempf offen zu, habe auch eine Rolle dabei gespielt, die Frage mit "Ja" zu beantworten, ob er ab Januar 2017 neuer Präsident des mächtigen Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) werden wolle. Der amtierende BDI-Präsident Ulrich Grillo habe ihn das erste Mal im Spätherbst gefragt, was ihn zunächst "sehr verblüfft" habe, berichtete Kempf gestern bei seiner Vorstellung freimütig. Aber nach einigem Nachdenken und "intensiven" Gesprächen unter anderem mit dem BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber habe er dann gerne zugesagt. Es sei für ihn eine "riesengroße Ehre".

Der 63-jährige IT-Manager und frühere Chef des Bitkom-Verbandes der IT-Wirtschaft soll am 28. November von den BDI-Gremien zum neuen Präsidenten gewählt werden. Der BDI will damit auch einen neuen Schwerpunkt setzen: Kempf ist ein Internet- und Digitalisierungs-Spezialist. Der gebürtige Münchner führte bis zum Frühjahr 20 Jahre lang den Software-Entwickler Datev in Nürnberg. Darin, wie die Wirtschaft in Zukunft die Digitalisierung bewältige - also die fortlaufende Umstellung auf computergestütztes Produzieren und Arbeiten - sehe der BDI eine "Schlüsselfrage", sagte Kempf. Aber auch die Steuerpolitik liege ihm nicht fern, schließlich sei er ausgebildeter Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.

Grillo erklärte, er trete nach zwei Amtszeiten von jeweils zwei Jahren turnusgemäß ab. Es sei üblich, das Amt nach vier Jahren abzugeben und so wolle er es auch halten. Länger als vier Jahre, nämlich sechs Jahre, sei bis auf eine weitere Ausnahme nach dem Krieg nur Hans-Olaf Henkel BDI-Präsident gewesen. "Diesbezüglich ist er auch nicht mein Vorbild", sagte Grillo mit einem kleinen Seitenhieb auf Henkel, der später zu den Mitbegründern der Partei Alternative für Deutschland (AfD) gehörte. Trotzdem kam die Nachricht von der Staffelübergabe gestern überraschend, denn nichts deutete zuvor darauf hin, dass der Duisburger Familienunternehmer und Chef der Grillo-Werke nicht weitermachen würde.

Für Grillo ist nun Kempf als BDI-Präsident der "richtige Mann am richtigen Ort", um Deutschlands Chancen bei der Digitalisierung zu verbessern - ein Thema, von dem der Rohstoff-Spezialist Grillo weniger versteht. Grillo kündigte an, er werde sein Präsidentenamt bis zum Ende dieses Jahres "gerne und unverändert motiviert" ausfüllen.

Der High-Tech-Manager Kempf besitzt nach eigenen Worten kein Parteibuch. "Gerade beim Thema Digitalisierung droht sich die Politik ein klein wenig zu verzetteln", bemängelte er. Beispielsweise gebe es sich überschneidende und unklare Zuständigkeiten, die sich auf mehrere Ministerien verteilten. "Ich glaube, da ist es auch Aufgabe von Spitzenverbänden, insbesondere dem Spitzenverband der deutschen Industrie, ein Stück Orientierung zu geben." Deutschland brauche hier "auf allen Ebenen" noch mehr Dynamik. Für den Ausbau der Netze setzt Kempf nach eigenen Worten auf die Glasfasertechnologie. Das Ziel der Bundesregierung, überall im Land eine Internetgeschwindigkeit von 50 Mbit pro Sekunde zu garantieren, könne "nur ein Etappenziel, kein Endziel" sein.

Es sei nie sein Plan gewesen, mit 63 Jahren in Rente zu gehen, sagte Kempf. Die Datev mit ihren 7000 Mitarbeitern und 880 Millionen Euro Jahresumsatz habe er im Frühjahr auch nur verlassen, weil er nach 25 Vorstandsjahren gedacht habe, nun sei es mal genug. Zudem habe die Datev ihr 50-jähriges Firmenbestehen gefeiert, ein gutes Datum für einen Abschied. Von 2011 bis 2015 war Kempf zudem Präsident des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) und seit 2011 Vizepräsident des BDI.

Er habe eine Zeit lang überlegen müssen, ob er das Amt des BDI-Präsidenten wirklich ausfüllen könne, sagte Kempf. Denn verglichen mit dem Bitkom-Chefposten sei das "noch mal eine Nummer mehr", sagte er mit seiner erfrischenden Offenheit. Im Verband dürfte er damit einen neuen Stil prägen.

Quelle: RP
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