Inflation in Deutschland ist gering: DIW-Experte: Längere Arbeitszeiten unnötig
zuletzt aktualisiert: 14.04.2004 - 08:59München (rpo). Die Forderung nach längeren Arbeitszeiten hält der Konjunktur-Experte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Andreas Cors, für unnötig. "Die Inflation in Deutschland ist denkbar gering. Von Preisdruck auf dem Binnenmarkt kann also nicht die Rede sein", sagte Cors.
Zudem lege auch die Entwicklung der Außenwirtschaft keine drastischen Sparmaßnahmen nahe. Deutschland habe 2003 für rund 750 Milliarden Dollar Waren ausgeführt und sei damit seit Jahren erstmals wieder Exportweltmeister weit vor den USA. "Der Wettbewerbsdruck ist sicherlich hoch. Aber das Kosten-Qualitäts-Verhältnis deutscher Produkte scheint international genügend Absatz zuzulassen", sagte Cors in dem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview.
Niedrige Preise sind aus Sicht des DIW-Experten nicht die einzigen Faktoren für den Absatz von Waren und Dienstleistungen. Auch die Nachfrage müsse stimmen. "Insofern stellen sich positive Effekte der Mehrarbeit nur bei gut laufender Konjunktur ein", sagte Cors. Der Blick müsse wieder stärker auf Innovationen gerichtet werden.
Wenn dennoch über längere Arbeitszeiten diskutiert werde, müsse dabei nach Branchen und Beschäftigungsbereichen differenziert werden. "Am Bau führen mehr Stunden zu mehr Arbeitslosen, in den Entwicklungsabteilungen der IT-Industrie dagegen tendenziell zu mehr Wettbewerbsfähigkeit", sagte der DIW-Experte.
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