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Deutsche Konjunktur: DIW gibt keine Prognose für 2010 ab

zuletzt aktualisiert: 15.04.2009 - 12:30

Berlin (RPO). Die konjunkturellen Unsicherheiten in der Bundesrepublik haben das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung dazu veranlasst, 2010 auf eine Prognose über eine konkrete Wachstumsrate zu verzichten.

Der konjunkturelle Wendepunkt sei schwer auszumachen. Eine leichte Belebung im kommenden Jahr ist aus DIW-Sicht aber ein realistisches Szenario. "Am ehesten ist von einer sehr schwachen und langsamen Erholung auszugehen," sagte DIW-Chef Klaus Zimmermann. Voraussetzung für eine konjunkturelle Stabilisierung sei eine Rückkehr des Vertrauens in die Finanzmärkte.

Für die Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in diesem Jahr hat das DIW seine Prognose kräftig reduziert. Das Berliner Institut rechnet nun für 2009 mit einem BIP-Rückgang um 4,9 Prozent, nachdem bislang eine Schrumpfung um 1,1 Prozent prognostiziert worden war, wie aus der am Mittwoch veröffentlichten DIW-Frühjahrsprognose hervorgeht. Allerdings sei zum Jahresende 2009 eine wirtschaftliche Stabilisierung zu erwarten.

Zimmermann zeichnete die aktuelle Lage in düsteren Farben. "Der Welthandel ist im freien Fall. Ein Boden ist nicht in Sicht", sagte der Wirtschaftsexperte. Weltweit hätten viele Firmen ihre Investitionspläne zusammengestrichen, was den Exportweltmeister Deutschland besonders treffe. Laut der DIW-Prognose dürften die deutschen Ausfuhren 2009 um knapp 13 Prozent unter dem Vorjahresniveau bleiben.

Das allmähliche Ende der Talfahrt wird aus Sicht der DIW-Forscher auch von den weltweiten Konjunkturprogrammen eingeleitet. "Vor allem sprechen aber die niedrigen Rohstoffpreise und die dadurch sinkende Inflation für eine graduelle Erholung der Weltwirtschaft", sagte Zimmermann.

Der scharfe Abschwung und die teuren Konjunkturprogramme schlagen voll auf die Staatsfinanzen durch, wie Zimmermann vorrechnete. Die öffentlichen Haushalte müssten sich in beispielloser Weise verschulden. Das Gesamtdefizit der öffentlichen Haushalte wird den DIW-Berechnungen zufolge - bei großer Unsicherheit - im nächsten Jahr auf weit über 100 Milliarden Euro steigen, nach knapp 80 Milliarden in diesem Jahr und einem nahezu ausgeglichenen Haushalt 2008. Entschieden wandte sich Zimmermann deshalb auch gegen ein Konjunkturpaket III zum jetzigen Zeitpunkt, weil es noch mehr neue Schulden auftürmen würde.

Zur Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt erklärten die Forscher, dass viele Unternehmen ihre Fachkräfte derzeit noch im Betrieb halten - in der Hoffnung auf ein baldiges Ende der Krise. Auch die massiv gestiegene Kurzarbeit kaschiere die tatsächliche Unterbeschäftigung in vielen Wirtschaftszweigen. Doch warnte Zimmermann: "Es besteht das Risiko, dass aus Kurzarbeit echte Arbeitslosigkeit wird, wenn die Unternehmen im Sommer keine Besserung der Lage erwarten."

Scharfe Kritik übte Zimmermann an der vereinbarten Aufstockung der Abwrackprämie für Schrottautos. "Die Mehrheit der Bürger versteht sehr wohl, dass hier mit Subventionen ein wirtschaftlich und ökologisch schädlicher Hüttenzauber entfacht wird, für den die Steuerzahler auch noch sehr lange zahlen müssen." Doch werde jeder Euro für den "Verschrottungswahnsinn" schon nach der Bundestagswahl für Erzieher, Turnhallen und Nachwuchswissenschaftler fehlen.

Quelle: DDP

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