Minus 49 Prozent: Dramatischer Auftragseinbruch im Maschinenbau
zuletzt aktualisiert: 01.04.2009 - 15:03Frankfurt/Main (RPO). Mit dem heftigsten Auftragsrückgang seit mehr als 50 Jahren hat sich die Talfahrt im deutschen Maschinenbau dramatisch verschärft. Die Bestellungen brachen im Februar um 49 Prozent ein.
"Es war der stärkste Rückgang seit Beginn der Order-Aufzeichnungen 1958", sagte VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann am Mittwoch der AP. Für das Gesamtjahr senkte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau seine Prognose deutlich. Er rechnet nun mit einem Produktionsminus von 10 bis 20 Prozent, das wäre der deutlichste Rückgang seit 1950.
Zuletzt hatte der Verband einen Rückgang von 7 Prozent vorausgesagt. "Natürlich ist die Tatsache, dass wir unsere Prognose bereits nach sechs Wochen wieder zurücknehmen müssen, auch für uns extrem unbefriedigend. Doch der dramatische Rückgang von Auftragseingang und auch Umsatz lässt uns keine andere Wahl", erklärte VDMA- Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse.
Im Januar waren die Bestellungen aus dem In- und Ausland gegenüber dem Vorjahr bereits um 42 Prozent zurückgegangen, im Dezember 2008 um 40 Prozent und im November um 30 Prozent. Im Februar sank das Bestellvolumen aus dem Inland um 45 Prozent, die Auslandsnachfrage gab mit minus 50 Prozent noch stärker nach. Der Umsatz der Branche sackte laut Wortmann im Januar und Februar insgesamt um 19 Prozent ab. Ähnlich dürfte sich die Produktion entwickelt haben.
Kollektiver Einbruch von Auftragseingang und Umsatz
Der nahezu kollektive Einbruch von Auftragseingang und Umsatz im Maschinenbau und bei seinen Kunden zeige, dass das entscheidende Problem das Thema Finanzierung und Liquidität sei, sagte Hesse weiter. "Da nach wie vor unklar ist, ob und wann die Investoren wieder Vertrauen finden, haben wir uns zudem entschlossen, mit einer Bandbreite zu arbeiten", erklärte Hesse mit Blick auf die Produktionsprognose. Dies ermögliche es auch, die unterschiedlichen Entwicklungen in den einzelnen Teilbranchen des Maschinenbaus stärker zu berücksichtigen. Zugleich fordert der Verband Änderungen an der Unternehmenssteuerreform 2008, um die Branche zu entlasten.
Für dieses Jahr rechnet der VDMA nach wie vor mit dem Abbau von 25.000 Stellen in der Kernbelegschaft der Branche. Derzeit versuchten die Unternehmen, die Flaute mit Kurzarbeit zu überstehen. "Die Zahl der Beschäftigten in Kurzarbeit geht inzwischen in Richtung 100.000", sagte der Konjunkturexperte.
Alle Bereiche des Maschinenbaus im Minus
Alle Bereiche des Maschinenbaus lagen laut Wortmann in den vergangenen drei Monaten im Minus. Besonders schlecht war der Auftragseingang für Holzbearbeitungsmaschinen, Gießereimaschinen, Hütten- und Walzwerkseinrichtungen.
Hoffnung könnte Wortmann zufolge für die Zeit ab Mai bestehen. Bis April 2008 hatten die Maschinenbauer Rekorde bei den Auftragseingängen erzielt, entsprechend groß fällt das Minus derzeit aus. Ab Mai läuft dieser statistische Effekt wegen geringerer Zuwächse im Vorjahr aus. Zudem leeren derzeit viele Kunden ihre Lager. "Diese Entwicklung dürfte spätestens bis Sommer auslaufen", sagte Wortmann.
In dem von kurzfristigen Schwankungen weniger beeinflussten Dreimonatsvergleich Dezember 2008 bis Februar 2009 brachen die Aufträge insgesamt um 44 Prozent im Vorjahresvergleich ein. Bei den Inlandsaufträgen verbuchte die Branche ein Minus von 38 Prozent und bei den Auslandsaufträgen ein Minus von 46 Prozent.
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