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Umfrage
Drei Viertel der Mittelständler engagieren sich für Flüchtlinge

Drei Viertel der Mittelständler engagieren sich für Flüchtlinge
Flüchtlinge aus Afghanistan sitzen in Dortmund in der Sprechstunde für Flüchtlinge, organisiert durch das Projekt Ankommen e.V.. FOTO: dpa, mjh fpt
Exklusiv | Berlin. Eine Umfrage unter bundesweit 600 Unternehmen zeigt ein starkes Integrationsinteresse. NRW-Firmen spenden häufiger als andere. Von Birgit Marschall

Drei Viertel der mittelständischen Unternehmen in Deutschland engagieren sich nach eigener Darstellung mit Spenden, Ausbildungs- und Arbeitsplatzangeboten für Flüchtlinge. Dies geht aus einer Befragung von 600 mittelständischen Unternehmen ab 250 Mitarbeitern hervor, die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung zu Jahresbeginn durchgeführt hat.

Aus der Umfrage lassen sich geringe regionale Unterschiede ablesen: Während die Unternehmen im Süden (Bayern und Baden-Württemberg) Flüchtlingen etwas häufiger als Firmen in anderen Regionen Praktikums-, Ausbildungs- und Arbeitsplätze anbieten, setzen Firmen im Westen (Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland) häufiger als anderswo auf Sach- und Geldspenden.

62 Prozent aller Unternehmen bieten Asylbewerbern Praktikumsplätze an

Anders als bei den 30 Dax-Konzernen, deren mangelndes Engagement bei der Flüchtlingsintegration wiederholt kritisiert wurde, ist das Verantwortungsgefühl der größeren Mittelständler für eine gelingende Integration offenbar groß: "Rund die Hälfte der befragten Unternehmen gaben an, Flüchtlinge bei der Arbeitsmarktintegration in geringem bis sehr hohem Maße zu unterstützen", heißt es im entsprechenden IW-Bericht.

62 Prozent aller Unternehmen bieten Asylbewerbern demnach Praktikumsplätze an, wobei dies im Südwesten, wo die Arbeitslosigkeit besonders gering ist, sogar 67,5 Prozent tun. Ausbildungsplätze für junge Flüchtlinge stellen nach ihren eigenen Angaben 48 Prozent der Unternehmen bereit. Auch hier ist die Zahl im Südwesten mit 53 Prozent noch etwas höher. Reguläre Arbeitsplätze für Migranten haben nach der Selbstauskunft bereits 47 Prozent aller befragten Unternehmen eingerichtet. Dabei sind die Zahlen im Westen nur unwesentlich geringer als in Bayern und Baden-Württemberg. Bei den Sachspenden für Asylbewerber liegen die westdeutschen Unternehmen mit einem Anteil von 54 Prozent über dem Bundesschnitt von knapp 50 Prozent.

Auch in Nordrhein-Westfalen gibt es viele Unternehmen, die sich besonders um die Arbeitsintegration der Migranten bemühen. Die Firma Normfest in Velbert etwa, die bundes- und europaweit Kfz-Werkstätten mit Autoelektrik und anderem Zubehör beliefert, hat einen Iraker eingestellt, der in seiner Heimat in einem ähnlichen Unternehmen tätig war und über Berufserfahrung verfügt. Der Mann hilft, wenn es darum geht, arabische Texte zu übersetzen und neue Handelspartner im arabischen Raum zu finden. Allerdings kann Normfest den Mann vorerst nur als Praktikanten beschäftigen. "Solange sein Aufenthaltsstatus ungeklärt ist, ist Weitergehendes leider unmöglich", sagt Personalleiter Reinhard Olbrich. Der Iraker sei ihm von der Arbeitsagentur vermittelt worden. Zudem helfe das Netzwerk "Unternehmen integrieren Flüchtlinge", das von der Bundesregierung gefördert wird.

Auch die Firma Probat in Emmerich, Weltmarktführer für Kaffeeröstmaschinen, macht seit einem halben Jahr gute Erfahrungen mit Flüchtlingen im Betrieb. Allerdings kommen sie auch bei Probat noch nicht über den Praktikantenstatus hinaus, weil bei vielen das Bleiberecht ungeklärt ist. "Wir haben unsere Praktika gekoppelt mit Deutschunterricht, den unsere Mitarbeiter selbst geben. Die Flüchtlinge bringen eine unglaubliche Motivation mit, Neues zu lernen", sagt Marketingchef Jan Molitor.

Quelle: RP
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