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Kurierdienste
Lieferdrohnen gehören in China längst zum Alltag

Drohne bringt Medikamente nach Juist
Drohne bringt Medikamente nach Juist FOTO: dpa, iwa fdt
Shanghai/Seattle. Während Google, Amazon und DHL von Drohnen träumen, die eines Tages Pakete in den USA und Europa direkt vor die Haustür bringen sollen, ist China längst einen Schritt weiter: Der Lieferdienst SF Express zählt in China 500 Auslieferungen pro Tag. Von Cenk Cigdem

Eigentlich sollte nun alles gut sein: Doch nur wenige Tage nachdem die zuständige US-Luftverkehrsbehörde Federal Aviation Administration (FAA) eine vorläufige Genehmigung für Drohnentests erteilte, beschwerte sich Amazon bei einer parlamentarischen Anhörung vehement über das aus seiner Sicht zu langsame und strikte Genehmigungsverfahren für seine Drohnentests. Amazon stellte die flexiblere Regelung europäischer Länder als vorbildhaft dar und legte den Politikern nahe, Druck auf die Flugaufsicht zu machen.

Dabei bietet derzeit ein ganz anderes Land bessere Bedingungen für Drohnentestflüge an. Dem Nachrichtenportal Bloomberg zufolge sind in China Flughöhen und Haftungsfragen nämlich noch nicht geklärt worden. Davon profitiert jetzt vor allem das größte chinesische Kurier- und Lieferunternehmen SF Express. Seit zwei Jahren nun sehen die Anwohner unter anderem der Stadt Dongguang Pakete mit dem Logo des Kurierdienstes über ihre Köpfe hinweg sausen. Möglich ist das im streng kontrollierten Luftraum in China durch gelockerte Regularien für Drohnenflüge, die sich Amazon seit Wochen wünscht. 

Die Regierung erlaubt den Einsatz ziviler Drohnen in gewissen Fällen, etwa für Rettungseinsätze. Anbieter müssen im Vorhinein eine Erlaubnis beantragen. Diese Genehmigung hat SF Express eingeholt und ist über die Testflüge hinaus. Inzwischen gehören die Drohnen fest zum Lieferservice des Unternehmens dazu. Wie chinesische Nachrichtenseiten berichten, liefert das Unternehmen mit den Drohnen pro Tag etwa 500 Pakete im Süden und Osten Chinas aus.

Beliefert wird noch am selben Tag der Bestellung. Jetzt soll SF Express sogar eine Ausdehnung ihres Drohnen-Fuhrparks angekündigt haben, um die Lieferjobs mit ihrem "Octocopter" zu verdoppeln. Die Drohnen-Flotte von SF Express solle künftig um einige tausend Einheiten aufgestockt werden, verrät die Herstellerfirma XAircraft.

Alibaba startet in China Drohnen-Lieferdienst für Tee

Die Drohne kann eine Nutzlast von sechs Kilo tragen, was ausschließlich für kleinere Auslieferungen gedacht ist. Zum Verhältnis: Amazons Lieferdrohne "Prime Air" kann eine Nutzlast von 2,5 Kilo transportieren. Auch deshalb bleibt China wohl der größte Wachstums- und Innovationsmarkt. Der Internetkonzern Alibaba habe im Februar Testflüge in China beantragt und arbeitet dafür mit dem Logistikunternehmen Shanghai YTO Express Logistics zusammen.

In einem dreitägigen Test sollten Privatkunden die Pakete erhalten, die von den Drohnen innerhalb von Peking, Shanghai und Guangzhou ausgeliefert werden. Ausgeliefert werde nur Tee eines bestimmten Händlers. Auf der anderen Seite der Weltkarte macht sich derweil Unmut breit. Zwar dürfen Amazons unbemannte Flugobjekte für Forschungs- und Entwicklungszwecke getestet werden. Allerdings darf das Unternehmen die Drohnen nur bis zu einer Höhe von rund 120 Meter fliegen lassen, zudem nur tagsüber bei guten Sichtbedingungen und immer in Sichtweite des Piloten.

Laut Amazon ist der Prototyp, für den die Genehmigung erst nach über sechs Monaten erteilt wurde, zudem längst veraltet. "Wir testen ihn nicht mehr", sagt Amazons Vizepräsident für Global Policy, Paul Misener. "Wir sind zu fortgeschritteneren Konstruktionen übergegangen, die wir bereits im Ausland testen. Nirgendwo außerhalb der Vereinigten Staaten waren wir gezwungen, mehr als ein oder zwei Monate zu warten, um mit dem Testen zu beginnen.”

Misener erklärte vor dem für Luftfahrtfragen zuständigen Unterausschuss des US-Senats, Amazon habe am Freitag beantragt, ein fortgeschritteneres Drohnensystem zu testen, und hoffe jetzt auf eine schnellere Genehmigung. Die FAA verfüge über angemessene gesetzliche Befugnisse. Sie benötige aber "Schwung”, sonst fielen die Vereinigten Staaten weiter zurück.

(cc)
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