Heute Gläubigerversammlung: Droht Karstadt das Aus?
zuletzt aktualisiert: 02.09.2010 - 07:51Hamburg (RPO). Der Insolvenzverwalter des Kaufhaus-Konzerns Karstadt, Klaus Hubert Görg, bereitet offenbar das Ende des Unternehmens vor. Sollte auf der Gläubigerversammlung des Vermieter-Konsortiums Highstreet am Donnerstag keine Einigung erreicht werden, will Görg den Karstadt-Gläubigern am Abend sein Liquidationsszenario vorstellen.
Das berichtet die "Financial Times Deutschland". Die entsprechende Präsentation sei mit der Einladung an die Ausschussmitglieder versandt worden. Demnach sollen Sport- und Premiumhäuser bis Jahresende verkauft und alle anderen Filialen bis Ende Februar 2011 geräumt werden.
Innerhalb des Vermieter-Konsortiums gibt es dem Bericht zufolge zwei Hürden für die Zustimmung. Beide beträfen die sogenannten Mezzanine-Kapitalgeber. Sie haben eine Mischung aus Eigen- und Fremdkapital eingelegt und deshalb weder Sicherheiten noch Stimmrechte, erhalten dafür aber höhere Zinsen. Zudem hat jeder von ihnen ein Vetorecht, falls etwa die Zinsen gekürzt würden.
Daher habe der italienische Kaufhausunternehmer Maurizio Borletti dem Bericht zufolge damit begonnen, gezielt Mezzanine-Geldgeber anzusprechen, um sie zum Verkauf ihrer Kredite an ihn zu bewegen. "Bislang war noch niemand zum Verkauf bereit", habe es in Finanzkreisen geheißen. Borletti hatte erst vor wenigen Wochen seine inzwischen nachgebesserte Offerte für Karstadt eingereicht, war damit aber bei Görg abgeblitzt.
Görgs Sprecher versicherte erneut, dass der Vollzug des Verkaufs an den Investor Nicolas Berggruen weiter das Ziel sei. "Die Szenarien, die in den Schubladen liegen, sollen dort möglichst auch bleiben", sagte er.
Nach Ansicht der Dienstleitungsgewerkschaft Verdi stehen die Vermieter hingegen unmittelbar vor einer Einigung mit Berggruen. "Wir sind optimistisch, dass die Abstimmung in London so abläuft, wie sich die Beschäftigten das erhoffen", sagte Verdi-Vize Margret Mönig-Raane dem "Tagesspiegel".
Am Freitag will das Amtsgericht Essen darüber entscheiden, ob alle Bedingungen des Insolvenzplans erfüllt sind. Karstadt betreibt rund 120 Filialen mit etwa 25.000 Beschäftigten.
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