Ex-Managern drohen Klagen in Millionenhöhe: Druck auf frühere Siemens-Spitze nimmt zu
zuletzt aktualisiert: 13.04.2008 - 20:02Frankfurt/Main (RPO). Der Korruptionsskandal bei Siemens ist für die ehemaligen Konzern-Manager noch längst nicht ausgestanden. Mehrere Quellen melden nun, Ex-Unternehmenschef Heinrich von Pierer und weitere Top-Manager hätten schon frühzeitig von den schwarzen Kassen erfahren. Ihnen drohen angeblich Schadensersatz-Klagen in Millionenhöhe.
Vom frühen Wisser der Konzernlenker berichten unabhängig voneinander die "Süddeutsche Zeitung" und das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Ende April wolle der Aufsichtsrat über Schadensersatzforderungen gegen ehemalige Vorstände beraten.
Laut den Berichten soll der ehemalige Justiziar und Anti-Korruptionsbeauftragte des Konzerns, Albrecht Schäfer, Pierer und mehrere seiner Kollegen frühzeitig auf schwarze Kassen hingewiesen haben. Das gehe aus einer internen Notiz Schäfers vom 3. Mai 2004 über Erkenntnisse eines Mailänder Gerichts hervor, der unter anderem auch an Pierer gegangen sei. Bei der Staatsanwaltschaft habe Schäfer zudem ausgesagt, er habe die Konzernspitze bereits Ende 2003 informiert.
Aufsichtsrat und IG-Metall-Funktionär Heinz Hawreliuk sagte der "Süddeutschen Zeitung", bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz müsse der Aufsichtsrat "zwingend tätig werden und Schadensersatz verlangen". Wenn jemand wisse, dass es schwarze Kassen gebe und diese genutzt würden, und dann nicht dagegen vorgehe, "handelt er grob fahrlässig und muss haften". Die nächste Aufsichtsratsitzung findet am 29. April statt.
Siemens habe gegen Ex-Führungskräfte aus der mittleren Ebene bereits Schadensersatzforderungen über jeweils eine Million Euro erhoben, schreibt die Zeitung. Pierer und seine Ex-Kollegen beteuerten aber, sie hätten nichts vom System schwarzer Kassen und Schmiergeldzahlungen gewusst.
Pierers Anwalt habe auf Anfrage der Zeitung erklärt, es sei Schäfers Aufgabe gewesen, für die Einhaltung der Regeln zu sorgen. Schäfer habe seine Aufgaben erfüllt. Es habe davon ausgegangen werden können, es handele "sich um einen einzelnen Vorgang."
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