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dubai palmeninsel 2009
  Foto: Nakheel
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Scheichs bitten Gläubiger um Zahlungsaufschub: Dubais Geldnot schockt die Börsen

zuletzt aktualisiert: 26.11.2009 - 20:44

Dubai (RP). Kaum scheint die Weltwirtschaftskrise überwunden, tauchen am Horizont die nächsten Alarmzeichen auf. Dubai kann seine Schulden nicht bezahlen. Die Börsen reagierten weltweit mit umfangreichen Verkäufen.

Hat die Welt die schwerste Finanzkrise seit 1929 schon überwunden? Bedurfte es dazu wirklich nicht mehr, als die Märkte mit billigem Staatsgeld zu fluten? Wer dem zaghaften Wirtschaftswachstum der vergangenen Wochen und den seit Sommer schon wieder galoppierenden Börsenkursen nicht traut, hat seit Donnerstag ein neues Argument: Dubai.

Der arabische Wüstenstaat, bis jetzt Synonym für ein Wirtschaftswunder wie aus 1001 Nacht, steht vor der Pleite. Die Schuldenprobleme des staatseigenen Konglomerats „Dubai World”, das Umschlagplatz der arabischen Staatsfinanzen ist und zum Beispiel die berühmte Palmeninsel ins Meer zaubern soll, sind den Scheichs über den Turban gewachsen. Am Donnerstag mussten sie ihre Gläubiger um Zahlungsaufschub bis Mitte nächsten Jahres bitten.

Prompt rauschten weltweit die Aktienkurse in den Keller. „Die Börsen haben Angst vor einer neuen Welle der Finanzkrise”, hieß es in Frankfurt. Besonders unter Druck gerieten Finanzwerte und Aktien von Unternehmen mit einem arabischen Anker-Aktionär wie Porsche, VW oder Daimler. „Alles, was in araischer Hand ist, wird jetzt verkauft”, beschrieb ein Händler die Stimmung. Und genau wie vor rund einem Jahr, als die US-Investmentbank Lehman kollabierte und dem Inselstaat Island die Pleite drohte, stiegen die Preise für Staatsanleihen abrupt an. Staatsanleihen gelten wie Gold als krisenfeste Geldanlage.

Das Emirat selbst versuchte zu beruhigen. Der 60 Milliarden Dollar hohe Schuldenturm von „Dubai World”, der drei Viertel der Verbindlichkeiten des Staates ausmacht, habe „keine Auswirkungen auf andere Staatsunternehmen”. Aber der Regierungssprecher musste zugeben, dass in dem Wüstenstaat nach jahrelangem Immobilienboom derzeit alle prestigeträchtigen Bauprojekte gestoppt worden sind. Die Krise ließ die Finanzierungsquellen versiegen. Auch die internationalen Großbanken und Versicherungen bemühten sich um Ruhe an den Märkten.

Die Schweizer Credit Suisse sei in Dubai „nicht substanziell” engagiert, sagte ein Sprecher. Münchener und Hannover Rück sprachen von „vernachlässigbaren Belastungen”. Nach Ausbruch der Weltfinanzkrise vor gut einem Jahr klangen die ersten Einlassungen der Banken und Versicherungen ähnlich. Kurz darauf erwiesen diese Beschwichtigungsversuche sich als das Pfeifen des kleinen Kindes im Walde, mit dem es seine Angst vor dem Wolf zu verscheuchen sucht.

Jahrelang hatte Dubai Volkswirte in aller Welt verblüfft. Auf dem Weg vom Fischerdorf zur Weltmetropole wollten die Scheichs mal eben das Zeitalter der Industrialisierung überspringen. Erste Ölfunde begründeten Mitte der 60-er Jahre den Aufstieg des Wüstenstreifens. Da die Quellen aber in gut zehn Jahren versiegt sein werden, will Dubai seine Volkswirtschaft bis dahin komplett umgekrempelt haben. Staatsziel: vollständige Unabhängigkeit vom Öl bis 2015.

Der Dienstleistungssektor, namentlich Handel, Tourismus und Finanzwesen, wírd in Dubai mithilfe der Petro-Dollars maximal unter Dampf gesetzt: Sie legten lange um 20 Prozent pro Jahr zu und machten 2005 bereits drei Viertel der gesamten Wirtschaftskraft aus. Gut möglich, dass der Kessel platzt. Dubais Pro-Kopf-Verschuldung beträgt 45.000 bis 320.000 Dollar. Die hohe Schwankungsbreite liegt daran, dass über 80 Prozent der Bevölkerung Gastarbeiter und in der kleineren Zahl enthalten sind, in der größeren nicht. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt die Pro-Kopf-Verschuldung 27\x0e500 Dollar.

Quelle: RP/tor

 
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