Conti-Schaeffler-Poker: Dudenhöffer: Contis Übernahme-Pläne nur billige Kosmetik
zuletzt aktualisiert: 20.05.2009 - 16:48Düsseldorf (RPO). Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer hält eine Übernahme des Automobilzulieferers Schaeffler durch Continental für unrealistisch. "Beide Unternehmen sind dafür viel zu hoch verschuldet", sagte der Duisburger Auto-Professor gegeüber unserer Redaktion.
"Es würde überhaupt nichts bringen, die Schulden von der einen in die andere Tasche zu verschieben. Das wäre nur billige und unnütze Kosmetik." Als Rettung für die angeschlagenen Zulieferer brachte Dudenhöffer erneut den Staat ins Spiel. Schon vor fünf Monaten hätte die Regierung Merkel Schaeffler einen Bürgschaft von fünf Milliarden Euro geben können. Alle Voraussetzungen dafür seien erfüllt gewesen, so der Autoexperte.
Dramatische Wende im Poker
Im Übernahmepoker von Continental und Schaeffler hatte sich am Mittwoch eine dramatische Kehrtwende angedeutet: In den Rettungsbemühungen um die beiden hochverschuldeten Autozulieferer könnte nun Conti Schaeffler übernehmen - statt umgekehrt, wie bisher geplant.
Beide Unternehmen teilten am Mittwoch überraschend mit, dass diese Option gemeinsam geprüft werde. Damit bestätigten sie einen Bericht des "Handelsblatts". Über den Plan ist die IG Metall nach Angaben ihres Schaeffler-Betreuers Wolfgang Müller informiert, wie er am Mittwoch der Nachrichtenagentur AP sagte. Die Börse reagierte erfreut auf die Spekulation. Die Aktie von Continental stieg bis zum Mittag auf über 22 Euro und legte damit um über zehn Prozent zu.
Das "Handelsblatt" berichtete zuvor, in den Rettungsbemühungen um die hochverschuldeten Autozulieferer werde von Beratern eine Fusion der Unternehmen unter dem Dach von Conti geprüft. "Die Gewerkschaft wäre einer solchen Lösung nicht abgeneigt", sagte Müller nun. Damit könne die derzeitige Patt-Situation aufgelöst werden. "Aus Arbeitnehmersicht wäre es wichtig, endlich klare Verhältnisse zu schaffen".
Auch ein Schaeffler-Sprecher sagte der AP, die Integration des Unternehmens in Conti sei eine Option, die geprüft werde. Das Ergebnis sei aber offen. Beide Unternehmen prüften gemeinsam die Optionen für eine künftige Zusammenarbeit.
Ursprünglich hatte Schaeffler seit Monaten versucht, den Börsenkonzern zu schlucken. Bereits vor einigen Wochen war berichtet worden, es sei auch eine Gegenübernahme des Familienunternehmens Schaeffler durch die börsennotierte Continental AG im Gespräch.
"Es scheint derzeit das einzige Modell zu sein"
Wie die Zeitung unter Berufung auf Finanz- und Unternehmenskreise schrieb, prüfen Berater von Roland Berger die Schaeffler-Gruppe komplett in den Conti-Konzern zu überführen. "Das ist ein Modell, das funktionieren könnte, und es scheint derzeit das einzige Modell zu sein", zitierte die Zeitung Gläubigerkreise.
Für das Konzept spricht demnach, dass die Banken hoffen, dabei allzu hohe Abschreibungen auf die mit Anteilen von Conti und Schaeffler besicherten Kredite vermeiden zu können. Zudem könnten die Banken bei einer Teilumwandlung ihrer Kredite in Conti-Aktien diese später besser verkaufen, als Anteile an der nicht börsennotierten Schaeffler-Holding.
Auch in der Politik gebe es breite Unterstützung für den Plan, hieß es. Die Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Bayern und Hessen, wo große Werke der beiden Unternehmen stehen, seien eingeweiht. "Das ist das Konzept, das die größte politische Rückendeckung erhalten dürfte", zitierte das Blatt politische Kreise.
Bei Schaeffler droht Stellenabbau
Der Zeitung zufolge steht auch Firmen-Inhaberin Maria-Elisabeth Schaeffler dem Plan wohlwollend gegenüber. Das fränkische Familienunternehmen hatte sich 2008 mit der Übernahme des deutlich größeren Autozulieferers Conti übernommen. Nun drückt das Unternehmen eine angesichts der Wirtschaftskrise nur schwer zu schulternde Schuldenlast in Milliardenhöhe.
Schaeffler will Personalkosten von 250 Millionen Euro einsparen und notfalls 4.500 Stellen streichen. Einsparungen könnten aber auch über Gehaltsverzicht, Arbeitszeitverkürzung, Altersteilzeit und Abfindungsverträge erreicht werden, hatte das Unternehmen mitgeteilt.
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