Bayer in den USA unter Druck: Dunkle Wolken über dem Pillen-Geschäft
zuletzt aktualisiert: 07.12.2011 - 17:01Für Bayer könnten im Geschäft mit Antibaby-Pillen in den USA bald noch härtere Zeiten anbrechen. Nicht nur drücken die Generikakonkurrenz und tausende Klagen dort auf die Nachfrage nach Bayer-Verhütungsmitteln. Angesichts jüngster Studien, wonach Präparate wie Yasmin oder Yaz bei Frauen zu einem höheren Thrombose-Risiko führen könnten, nimmt nun die US-Gesundheitsbehörde FDA die Mittel genauer unter die Lupe.
Am Donnerstag widmet sich ein Experten-Gremium der FDA den Pillen. Dabei geht es auch um die Frage, ob und wie die Einnahmevorschriften für die Verhütungsmittel verschärft werden sollten. Für das zukünftige Geschäft mit den Antibaby-Pillen in den USA gilt die Empfehlung des Expertengremiums als richtungsweisend.
Im Blickpunkt stehen dabei Studien, die ältere Verhütungsmittel mit solchen vergleichen, die wie die Bayer-Präparate den Wirkstoff Drospirenon enthalten. Ein Test der FDA fand beispielsweise heraus, dass sich vor allem Frauen unter 35 bei Einnahme von Yasmin einem höheren Risiko für gefährliche Venenthrombosen aussetzen. Bei der FDA wird die Datenlage bislang allerdings als eher unklar eingestuft, was eine mögliche Verbindung von Präparaten wie Yasmin und Yaz mit einer höheren Thrombose-Gefahr angeht. Aber ausgeschlossen werden könne ein solcher Zusammenhang nicht und dies könne neue Anwendungsvorschriften erforderlich machen.
So jedenfalls urteilte ein am Dienstag veröffentlichter Bericht der Behörde im Vorfeld der Expertentagung. Bayer selbst verweist in den Unterlagen darauf, dass seine Verhütungsmittel den Frauen mehr Vorteile als Risiken brächten, wenn sie gemäß den Anwendungsbestimmungen eingenommen werden.
Verschreibungen sinken
Die meisten Antibaby-Pillen kombinieren die Hormone Estrogen und Progestin. Auch sie können mit einem höheren Thrombose-Risiko verknüpft sein, insbesondere mit zunehmendem Alter. Ob mit Drospirenon das Risiko steigt, ist auch deshalb so schwer einzuschätzen, weil das Auftreten von Thrombosen noch durch andere Faktoren beeinflusst wird - etwa durch das Rauchen. Auch die Familiengeschichte der Frau und andere Gesundheitsprobleme spielen eine Rolle. Verbraucherschützer argumentieren allerdings schon lange dafür, entsprechende Präparate sollten vom Markt genommen werden. Thrombosen seien zwar selten. "Wenn aber sichere Optionen verfügbar sind, können wir das nicht weiter geschehen lassen", sagt etwa Cynthia Pearson, Direktorin der Verbraucherschutz-Organisation National Womens Health Network.
Die Pille Yaz, eine niedriger dosierte Version von Yasmin, ist in den USA weiterhin eines der meistverkauften Kontrazeptiva. Im vergangenen Jahr erlöste Bayer mit dem Präparat nach Daten von IMS Health Bayer 374 Millionen Dollar. Im Jahr davor war es den Daten zufolge allerdings noch etwa doppelt so viel.
Generika-Konkurrenz hatte dem US-Geschäft stark zugesetzt. Auch bei den Verschreibungen sank die Zahl binnen Jahresfrist laut IMS um mehr als die Hälfte auf fünf Millionen. Mit der gesamten Yasmin-Produktfamilie, zu der neben Yaz noch Yasminelle gehört, erwirtschaftete Bayer weltweit im vergangenen Jahr 1,1 Milliarden Euro Umsatz. Das war ein Rückgang von 13,1 Prozent binnen Jahresfrist. Die Antibaby-Pillen des Konzerns waren damit aber immer noch die zweitumsatzstärkste Produktgruppe im Pharmageschäft.
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