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Interview mit Deutschland-Chef Thorsten Dirks: E-Plus senkt erneut die Preise

zuletzt aktualisiert: 28.04.2008 - 19:35

E-Plus-Chef Thorsten Dirks spricht im Interview mit unserer Redaktion über die neue Rolle der Mobilfunkanbieter, künftige Preiskämpfe im Zukunftsfeld des mobilen Internet und den Plänen der E-Plus-Gruppe, sich gegen die Konkurrenz zu rüsten.

Vor genau 15 Jahren startete die grüne Marke E-Plus mit aggressiver Preispolitik und setzte die Mobilfunkriesen erfolgreich unter Druck. Doch ist eine derartige Strategie jetzt noch zukunftsfähig?

Thorsten Dirks: Ja, denn wir haben mit unseren Aktivitäten den Mobilfunkmarkt aufgerüttelt, den Wettbewerb zu deutlichen Preissenkungen gebracht und mit Innovationen wie SMS oder zielgruppenspezifischen Preissystemen das Telefonieren für Kunden attraktiver gemacht. Künftig kommt es neben günstigen Preisen auch darauf an, dem Kunden weitere, einfach bedienbare Services auf entsprechenden Endgeräten anzubieten, die ihn seine Flatrate auch nutzen lassen. Insbesondere beim mobilen Internet.

Zudem hat sich E-Plus für einen radikalen Strategiewechsel entschieden.

Dirks: Ja, unsere Mehrmarkenstrategie war eine wichtige und richtige Entscheidung. Wir reihen uns nicht mehr in die Reihe und Vorgehensweise unserer Wettbewerber. Preispolitik, gezielte Marken für bestimmte Kundengruppen oder auch Aufforderungen des Regulieres sind Dinge, die wir bewusst anders machen und auf die wir anders reagieren. Kunden können mit sehr spezifischen Angeboten profitieren.

Gestern ist mit Freenet der neue drittgrößte Mobilfunkanbieter entstanden ­ gemessen an der Kundenzahl von 19 Millionen. Fürchten Sie diese neue Konkurrenz?

Dirks: Nein. Natürlich entsteht ein großer Mitbewerber am Markt, aber das ist im Rahmen der fortschreitenden Konsolidierung der Serviceprovider zu erwarten gewesen. Aber: Wenn sich zwei Kranke ins Bett legen, wird daraus noch lange kein Gesunder. Zudem muss das Unternehmen festlegen, wie es künftig sein Geld verdienen will. Dass Freenet uns an Kundenzahlen überholt hat, ist mir völlig egal. Wir sind seit mehr als zwei Jahren der einzige Mobilfunkanbieter in Deutschland, der bei Umsatz und und Profitabilität wächst ­ das ist das Entscheidende.

Wie wollen Sie denn in Zukunft diese Profitabilität halten? Schließlich ist die Preisentwicklung eine endliche.

Dirks: Wir setzen auf Zukäufe und Kooperationen und wollen unsere Vertriebskanäle stärken. Wir legen den Fokus dabei auf eigene Shops und nicht mehr so stark auf Händler, die neben E-Plus auch Konkurrenzprodukte verkaufen. Weil dadurch auch die Händlerprovisionen wegfallen, sind für uns die Kosten für die Neukundengewinnung massiv gesunken. Auch im Ausland wollen wir unsere Position stärken und nach dem Einstieg in Spanien in diesem Jahr noch mindestens in einem weiteren westeuropäischen Land aktiv werden.

Ist das herkömmliche Handygeschäft bald tot?

Dirks: Unser Geschäftsmodell wird sich grundlegend ändern. In drei bis fünf Jahren wird ein Netzbetreiber breitbandige mobile Anschlüsse zur Verfügung stellen. Mit diesem Anschluss kann sich der Nutzer dann entscheiden, was er möchte. Sei es Telefnieren, Daten herunterladen, Videos ansehen, Mails bearbeiten oder andere Services nutzen, die Netzbetreiber dem Kunden anbieten.

Welche Angebote wollen Sie entwickeln?

Dirks: In jedem Fall sehr personalisierte Angebote, die dem Nutzer unterwegs ermöglichen, genau das abzurufen, was seinen Bedürfnissen entspricht. Bei angepassten Suchfragen etwa bekommen Nutzer auf ihre Profil abgestimmte Treffer ­ trotz des gleichen Suchbegriffs. Zudem sind weitere E-Plus-Servicemarken denkbar, etwa für den Bereich Video.

Setzen Sie dabei auch auf Kooperationen ­ etwa mit Google oder Microsoft, die ja ebenfalls in Ihr Geschäftsfeld drängen?

Dirks: Ja, derzeit verhandeln wir über mögliche Formen der Zusammenarbeit, denn wir können als Netzbetreiber nicht jeden Inhalt oder Service selbst entwickeln. Denkbar wäre eine Zusammenarbeit über Umsatzbeteiligungen.

Wird es im Zukunftsmarkt Datenverkehr auch wieder einen Preiskampf wie bei den Telefonpreisen geben?

Dirks: Ja, und wir werden ihn treiben. Aber es kommt letztlich auf eine sinnvolle Kombination günstiger Tarife und Services an. Wir wollen es mit Service-Marken auch schaffen, Nutzer anderer Mobilfunknetze zu überzeugen, zumindest die Services zu nutzen, wenn sie sich schon nicht für einen Anschluss bei uns entscheiden wollen.

Wohin werden die Preise purzeln?

Dirks: Vor den Sommerferien werden wir die Preise für mobilen Datenverkehr im Ausland senken und in zehn europäischen Ländern in ausgewählten Netzen 50 Cent pro Megabyte anbieten. Damit sind wir die günstigsten. Denn in diesem Feld gibt es für viele Handynutzer immer noch den Preisschock nach dem Urlaub.

Silke Fredrich führte das Interview.


 
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