Europäer verlieren Groß-Auftrag gegen Boeing: EADS entgehen 100 Milliarden Dollar
zuletzt aktualisiert: 25.02.2011 - 17:01Washington/Berlin (RPO). Beim Jahrhundert-Auftrag von 179 Tank-Flugzeugen zieht EADS gegen Boeing den Kürzeren. Europas zweitgrößtem Rüstungskonzern entgehen damit Milliarden und vorerst auch die Möglichkeit, endlich auf dem amerikanischen Rüstungsmarkt Fuß zu fassen. Die deutsche Politik sieht darin eine vergebene Chance für die europäisch-amerikanischen Beziehungen.
Mit Unverständnis hat der europäische Rüstungskonzern EADS auf seine Niederlage in der Ausschreibung gegen den US-amerikanischen Konkurrenten Boeing reagiert. Der einsatzerprobte KC-45-Tanker sei dem amerikanischen Modell überlegen, sagen die EADS-Manager. Gegenüber den Medien nannte ein Sprecher den Boeing-Entwurf einen „Papierflieger“ und warnte den Auftraggeber vor dem „hochriskanten Konzept-Flugzeug“, das bisher nur auf dem Reißbrett existiert.
Bemühungen auf US-Markt
35 Milliarden Dollar (fast 26 Mrd. Euro) hätte der Deal EADS in den kommenden Jahren eingebracht. Mit Folge-Aufträgen und der Wartung wären sogar bis zu 100 Milliarden Dollar vom Pentagon zu erwarten gewesen, schätzen Analysten. Nach all den Querelen um das zivile Großraum-Flugzeug A380 wäre ein solcher Auftrag für die EADS-Bilanzen und das öffentliche Image also mehr als willkommen gewesen. Allerdings ändere die Absage aus den USA auch auf lange Sicht nichts an der „wirtschaftlichen Umlaufbahn“ des Konzerns, betont die Unternehmensspitze.
"Ich hätte lieber gewonnen", sagte dennoch EADS-Chef Lois Gallois. EADS werde im Bereich der Verteidigung und Sicherheit aber "andere Möglichkeiten" finden, um sich auf dem amerikanischen Markt zu entwickeln. "Wir haben Ideen in diesem Bereich, die ich hier nicht ausführen kann", so der Firmenchef, der seine Enttäuschung jedoch nicht verhehlen wollte. Der europäische EADS-Konzern versucht seit Jahrzehnten, sich in dem bislang weitgehend der US-Industrie vorbehaltenen lukrativen Geschäft mit der US-Regierung zu etablieren.
Verschnupft zeigte sich die deutsche Politik."Es bleibt ein bitterer Nachgeschmack, weil nicht ganz klar ist, ob es tatsächlich bei der dritten Ausschreibung ein faires Verfahren gegeben hat", sagte der Luftfahrt-Koordinator der Bundesregierung, Staatssekretär Peter Hintze. Die US-Luftwaffe hatte den Auftrag für 179 neue Tankflugzeuge bereits mehrmals ausgeschrieben, der Vollzug scheiterte jedoch immer wieder an formalen Fehlern und juristischen Streitigkeiten. Und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle hat auch den aktuellen Entschluss noch nicht abgehakt. Er geht davon aus, dass EADS das Verfahren gründlich analysieren wird und möglicherweise über weitere Schritte und Konsequenzen nachdenkt.
Politik machtlos
Die Bundesregierung bedauert die Entscheidung der US Air Force zugunsten einer rein amerikanischen Zusammenarbeit. Es sei eine Möglichkeit verpasst worden, die transatlantische Partnerschaft weiter zu vertiefen, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert. Eine Chance der direkten Einflussnahme sieht die deutsche Politik aber nicht.
Über die Gründe für die Niederlage kann Europas zweitgrößter Rüstungskonzern derzeit nur spekulieren. Nach ersten Informationen aus dem Pentagon habe der Preis eine zentrale Rolle gespielt. Von nationaler Bevorzugung will aber auch die EADS-Konzernspitze nicht sprechen. Schließlich hatte das Unternehmen angekündigt, für den Bau des Tankers 48 000 neue Arbeitsplätze im US-Bundesstaat Alabama schaffen zu wollen. Allerdings hatten in der Vergangenheit US-Politiker immer wieder die Haltung von Boeing kritisiert, ausgerechnet diesen Jahrhundert-Auftrag möglicherweise an ein ausländisches Unternehmen zu vergeben. „Wir sehen der Diskussion mit der US-Luftwaffe über die Motive für den Entschluss mit Interesse entgegen“, so die nüchterne Antwort des Vorsitzenden von EADS North America, Ralph Crosby.
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