Manager stirbt mit 83 Jahren: Eberhard von Brauchitsch – der Schattenmann
VON GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 11.09.2010 - 12:26Berlin (RP). Adlige Herkunft, feine Manieren und unternehmerische Fortüne – dennoch wurde der jetzt verstorbene Düsseldorfer Manager zum Synonym schwarzer Kassen in der Bonner Republik.
Eberhard von Brauchitsch gehörte zu den mächtigsten Männern im Deutschland der 70er und 80er Jahre. Er hatte Helmut Kohl in die Wirtschaftskreise eingeführt. Er hatte sich als Manager mit Fortüne im Umbau von Unternehmen einen guten Namen gemacht. Er litt mit Frau und Kindern persönlich unter der RAF-Terrorbedrohung. Und er schickte sich an, oberster Repräsentant der deutschen Industrie zu werden, als er alles verlor – Ansehen, Einfluss und vermeintliche Freunde.
Er wurde stattdessen zum großen dunklen Schatten, der sich über die Bonner Republik legte. Denn "v. B." war die Schlüsselfigur in der Flick-Parteispendenaffäre, über die Minister und Parlamentarier zu Fall kamen und sich als Vorbestrafte wieder aufzurappeln versuchten. Oder gleich in der Versenkung blieben. Für "v. B." war es zwar auch kein alltägliches, aber ein letztlich gewöhnliches Geschäft, als er – zum zweiten Mal in seiner Vita – geschäftsführender Gesellschafter des Düsseldorfer Flick-Konzerns geworden war und sich daran gemacht hatte, das Unternehmen neu aufzustellen.
Tochter bestätigt Freitod
Eberhard von Brauchitsch und seine Frau Helga haben sich das Leben genommen. Dies bestätigte ihre Tochter Bettina dem Magazin "Focus". "Mit fortschreitender Verschlechterung ihres gesundheitlichen Zustandes haben meine Eltern diesen Schritt in Erwägung gezogen und dann zum für sie geeigneten Zeitpunkt diesen Schritt getan", sagte sie. Ihr Vater habe an einem Emphysem in der Lunge gelitten. Ihre Mutter an stark fortgeschrittenem Parkinson.
Fast zwei Milliarden Mark Verkaufserlöse wollte er durch ein Steuerschlupfloch lotsen, das ihm nur der Bundeswirtschaftsminister öffnen konnte. Sein Bemühen war erfolgreich. Doch Jahre später wurden mögliche Zusammenhänge ruchbar. Könnte das Entgegenkommen der Politik mit der "Pflege der politischen Landschaft" zusammengehangen haben, wie es von Brauchitsch nannte und womit er ein geflügeltes Wort der Kohl-Ära geschaffen hatte? Steuerersparnisse in dreistelliger Millionenhöhe als Gegenleistung für jahrelange "Landschaftspflege" mit fünf- und sechsstelligen Summen?
Kein Unrechtsbewußtsein
Von Brauchitsch war bis zu seinem Tod von keinem Unrechtsbewusstsein geplagt. Der forsch, bestimmend und durchsetzungsstark auftretende Zwei-Meter-Mann mit gepflegter Erscheinung und feinen Manieren entstammte einer schlesischen Adelsfamilie, die ihren Stammbaum bis zum Deutschen Ritterorden zurückverfolgte. Er empfand "preußisch" in Form von Pflicht- und Verantwortungsgefühl. Ihm kam nie in den Sinn, dass er sich ins Zwielicht wagte, als er die "Landschaftspflege" in Bonn intensivierte – und darüber auch Buch führte.
Dabei bediente er das billige Klischee der dicken Geldbündel, die unauffällig in unscheinbaren Briefumschlägen den Besitzer wechselten und in den Taschen der Parteien und parteinahen Stiftungen landeten. "Wg. Kohl 50.000" notierte er intern, "wg. Dr. Friderichs 75.000" oder "wg. F.J.S. 250.000", wobei das "wg." ("wegen") eben nicht schlüssig Zweck und Empfänger dokumentierte. Auch diese Notizen führten im spektakulären Flick-Prozess tatsächlich zu Geld- und Bewährungsstrafen gegen ihn sowie die Bundesminister Lambsdorff und Friderichs, aber mangels Beweisen ging es am Ende nicht um Bestechung, sondern um Steuerhinterziehung.
Weil Manager und Politiker ihn im Regen hatten stehen lassen, zog er sich verletzt von allen Ämtern zurück. Nach der Wiedervereinigung juckte es ihn, noch einmal beim Leuna-Chemiekonzern seine Manager- und Sanierer-Qualitäten zu zeigen. Danach beschränkte er sich auf Berater-Tätigkeiten. Er unterschied sich von vielen Promis in einem Punkt, der auch mit seinem Charakter zu tun haben könnte: Er lebte zwar in Zürich, Monte Carlo und im Salzburger Land. Seine Steuern zahlte er aber – in Deutschland.
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