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Übernahme durch Edeka
Kaiser's - harter Kampf mit Kartellamt

Edeka und Kaiser's Tengelmann - harter Kampf mit dem Kartellamt
Edeka und Kaiser's - als Duo schädlich für den Wettbewerb? FOTO: dpa
Düsseldorf. Die Behörde hat den Kauf der Tengelmann-Supermärkte durch Edeka noch nicht genehmigt. Im April läuft die Frist ab. Die Haltung der Kartellwächter löst bei manchen Unverständnis aus. Edeka und Tengelmann machen Zugeständnisse. Von Georg Winters

Wenn man sich den deutschen Lebensmittel-Einzelhandel anschaut, kann man wahrlich nicht behaupten, dass die Discounter für den Wettbewerb eine untergeordnete Rolle spielten. In der jüngsten Umsatzstatistik der "Lebensmittelzeitung" steht die Schwarz-Gruppe, zu der beispielsweise Lidl gehört, auf Platz drei, Aldi als größter deutscher Discounter auf Rang fünf, und die Marktführer Edeka und Rewe haben mit Netto und Penny selbst Discounter im Konzern, die nicht gerade unwesentliche Umsatzbeiträge für die jeweilige Gruppe liefern.

Das Bundeskartellamt hat zur Rolle von Aldi und Co. aber offenbar seine eigene Sicht. Nach ihrer Einschätzung spielen die Discounter angeblich bei der Preissetzung im Lebensmittelhandel eher eine untergeordnete Rolle. Diese Einschätzung hat Auswirkungen auf die geplante Übernahme der Supermärkte von Kaiser's Tengelmann durch Branchenführer Edeka. Die Hamburger wollen die 451 Märkte von Tengelmann kaufen, aber die Wettbewerbshüter haben dem geplanten Deal bisher nicht zugestimmt. Sie begründen ihr Veto offiziell damit, dass die Marktmacht von Edeka noch stärker würde. Kartellamts-Präsident Andreas Mundt hatte im Februar betont, nach den Ermittlungen seiner Behörde drohe durch den Zusammenschluss eine weitere Marktkonzentration vor allem in Berlin und München.

Mundt mag die Haltung der Behörde verkünden, aber er entscheidet nicht. Das tun die Beschlussabteilungen, und die zuständige bleibt bisher hart. Dem Vernehmen nach argumentieren die Wettbewerbshüter unter anderem damit, dass Discounter bei der Preisbildung eine schwächere Rolle spielten, Verbraucher vorwiegend in einem Markt einkaufen wollten und das Online-Angebot für den Gesamtmarkt kaum eine Rolle spiele. All das führe dazu, dass die Position von Edeka bei einer Übernahme der Kaiser's-Märkte noch stärker würde.

In Handelskreisen erzeugt diese Haltung der Bonner Behörde Unverständnis. Die Erfahrung zeige, dass Kunden sehr wohl in mehreren Märkten einkauften und dass auch Discounter relevant für die Preissetzung im Handel seien, heißt es. Auch der Fachhandel - zum Beispiel Bäcker und Metzger - werde bei der Analyse komplett ausgeklammert. Das Kartellamt argumentiere an der Realität vorbei, sagen Experten.

Weder das Amt noch die beteiligten Konzerne wollen sich derzeit zu dem Thema äußern. Am 7. April läuft die Frist ab, bis zu der die Kartellwächter eine Entscheidung getroffen haben müssen. Stimmen sie zu, kann der Deal über die Bühne gehen. Mittlerweile haben sich Edeka und Tengelmann ein zweites Mal seit der Anmeldung des Übernahme-Vorhabens bewegt. Sie bieten dem Vernehmen nach an, ein Viertel der 451 Kaiser's-Märkte an einen oder mehrere andere Wettbewerber zu verkaufen. Konkurrent Rewe hat jedoch bereits erklärt, man habe kein Interesse an Filialen, die an Wettbewerber abgegeben werden müssten. Können sie das Amt nicht überzeugen, bliebe als letzte Waffe nur noch eine Klage vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf.

Bei Kaiser's herrscht Unruhe. Ohne ein Ja vom Kartellamt droht dem traditionsreichen Unternehmen die Zerschlagung. Wettbewerber könnten womöglich ihre Fühler nur nach einzelnen Häusern ausstrecken. Tengelmann will die Kaiser's-Märkte verkaufen, weil es sich nicht mehr in der Lage sieht, die Kette profitabel zu betreiben.

Angesichts der Bedenken des Kartellamts gegen die Edeka-Pläne zum Kauf der Supermarktkette hatten schon der Edeka-Rivale Rewe und Kaufland ihr Interesse an den Kaiser's-Filialen erklärt. Rewe hatte versichert, man würde im Falle einer Übernahme "alle Arbeitsplätze bei Kaiser's Tengelmann sichern" -so die seinerzeitige Formulierung von Rewe-Chef Alain Caparros. Aber auch eine vollständige Übernahme durch die Kölner könnte auf Bedenken der Wettbewerbshüter stoßen. Zumindest könnten sie nach Einschätzung von Branchenkennern nicht alle Niederlassungen übernehmen.

Quelle: RP
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