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Edeka und Kaiser's Tengelmann
Das Kartellamt liegt falsch

Edeka und Kaiser's Tengelmann: Kartellamt liegt falsch
FOTO: dpa
Meinung | Düsseldorf. Von Georg Winters

Das Kartellamt hat Edeka die Übernahme der rund 450 Filialen des Konkurrenten Kaiser's Tengelmann verboten. Die Behörde hat bei ihrer Entscheidung wichtige Faktoren ausgeblendet.

Es mag brutal klingen, aber das ändert nichts an der Tatsache: Das Bundeskartellamt ist nicht dazu da, Arbeitsplätze bei einem Unternehmen zu sichern.

Insofern durften die Wettbewerbshüter bei ihrer Entscheidung gegen eine Übernahme der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann durch die Edeka keine Rücksicht auf drohende Filialschließungen und Arbeitsplatzverluste bei Tengelmann nehmen. Zumal auch  niemand hätte garantieren können, dass unter dem Dach der Edeka  nicht auch Kaiser's-Jobs gestrichen worden wären. Die Diskussion  darüber, welche Variante mehr Stellen kostet, ist müßig, und sie würde auch keinen Einzelnen darüber hinwegtrösten, der irgendwann seinen Arbeitsplatz verlöre..

Das ist aber nur der eine Aspekt. Die Entscheidung des Kartellamtes, die ohnehin wegen der drohenden Klage von Tengelmann/Edeka noch ein juristisches Nachspiel haben dürfte, mutet bei allem Verständnis für das Bemühen um einen funktionierenden Wettbewerb seltsam an. Die Behörde fürchtete erhebliche Verschlechterung des Wettbewerbs auf "ohnehin stark konzentrierten regionalen Märkten" und argumentiert, niemand fahre zum Einkaufen quer durch die Großstadt.

Das tägliche Leben lehrt aber Anderes, weil es für eine Familie mit mehreren Kindern durchaus lohnenswert sein kann, für einen Großeinkauf zehn oder 15 Kilometer zusätzlich auf sich zu nehmen. Dass Menschen nur in ihrem engeren Umfeld einkaufen, ist eine Mär. Die Wahl des Einkaufsortes ist auch eine Frage des Budgets. Dass das Kartellamt diese Erkenntnis ausgeblendet hat, ist nicht nachvollziehbar.    

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