Arcandor: Eick erbt Chefsessel von Middelhoff
zuletzt aktualisiert: 03.12.2008 - 12:05Essen (RPO). Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick wird neuer Vorstandsvorsitzender von Arcandor. Der 54-Jährige übernimmt das Ruder beim ins Schlingern geratenen Essener Handels- und Touristikkonzerns und löst zum 1. März nächsten Jahres den zuletzt immer stärker in die Kritik geratenen Thomas Middelhoff (55) ab. Arcandor gab den überraschenden Führungswechsel am Mittwoch bekannt.
Middelhoff hatte die Führung des damals noch unter KarstadtQuelle firmierenden Konzerns in Mai 2005 für die Dauer der Sanierung übernommen. Zuletzt hatte Middelhoff seinen Job im April 2008 um ein Jahr bis Ende 2009 verlängert. Anschließend wollte er wieder in den Aufsichtsrat zurückkehren und gleichzeitig Chairman der größten und wichtigsten Arcandor-Tochter, dem weltweit zweitgrößten Touristikunternehmen Thomas Cook, bleiben.
In der Arcandor-Mitteilung hieß es, Middelhoff werde im Anschluss an seine befristete Amtsverlängerung wieder außerhalb des Konzerns unternehmerisch tätig sein.
In der Amtszeit von Middelhoff stieg der Kurs der im MDAX notierten KarstadtQuelle/Arcandor-Aktie zunächst bis zum Frühjahr 2007 auf rund 30 Euro, fiel dann aber bis unter zwei Euro. Seit Dienstagabend steigt der Kurs wieder. Bis Mittwochnachmittag kletterte das Papier um gut zehn Prozent auf 2,26 Euro.
Um die Personalie Middelhoff ranken sich schon seit längerem Spekulationen. Zuletzt geriet der Konzern durch Finanzierungsprobleme negativ in die Schlagzeilen.
Middelhoff hatte den Konzern vor knapp drei Jahren kurz vor der Insolvenz übernommen und radikal umgebaut. Er verkaufte die Immobilien, um Verbindlichkeiten zu tilgen, stieß unprofitable Warenhäuser sowie die Versandhandelstochter Neckermann ab und baute mit Thomas Cook die Touristik als drittes Standbein neben dem Warenhausgeschäft (Karstadt) und dem Versandhandel (Primondo) aus.
Zuletzt agierte der Vorstandsvorsitzende jedoch glücklos. So kam eine angedachte Fusion von Karstadt mit einem anderen Partner nie zustande. Stattdessen versuchte er, das schwächelnde Geschäft mit einer tiefgreifenden Umstrukturierung zu beleben.
Middelhoff war zuletzt 2002 beim Medienkonzern Bertelsmann nach vierjähriger erfolgreicher Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender wegen unterschiedlicher strategischer Ansichten vorzeitig ausgeschieden. Von 2003 bis 2005 arbeitete er für eine Londoner Beteiligungsgesellschaft.
Die Telekom hatte am Dienstag mitgeteilt, dass Eick sein Mandat als Finanzvorstand zum 28. Februar 2009 niedergelegt habe, um ab März für ein anderes Unternehmen tätig zu werden. Daraufhin waren bereits Spekulationen aufgekommen, er könne Middelhoff beerben. Vor seiner Tätigkeit bei der Telekom war Eick Finanzvorstand bei Unternehmen wie BMW, der Haniel-Tochter Gehe (heute Celesio) und schließlich bei Haniel selbst.
Der Vorschlag, Eick den Posten des Vorstandsvorsitzenden bei Arcandor zu übertragen, war vom Aufsichtsratsvorsitzenden Friedrich Carl Janssen gekommen, der für die Privatbank Sal. Oppenheim in dem Gremium sitzt. Sal. Oppenheim ist mit 28,6 Prozent an dem Handels- und Touristikkonzern beteiligt und neben Madeleine Schickedanz dessen wichtigste Aktionärin.
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