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Interview mit dem Arcandor-Chef: Eick: Sanierung nicht ohne Einschnitte

zuletzt aktualisiert: 22.07.2009 - 07:08

Düsseldorf (RP). Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick will die Handelshäuser Quelle und Karstadt enger zusammenführen. Er erhofft sich neues Kapital von externen Investoren und der wohl doch nicht ganz so armen Madeleine Schickedanz. Und er erklärt im Interview mit unserer Redaktion seine persönliche Gehaltsstrategie.

Arcandor-Chef Eick sieht schweren Zeiten entgegen. Eine Garantie für die Arbeitsplätze des Konzerns gäbe es nicht.  Foto: AP, AP
Arcandor-Chef Eick sieht schweren Zeiten entgegen. Eine Garantie für die Arbeitsplätze des Konzerns gäbe es nicht. Foto: AP, AP

Herr Eick, warum wechselten Sie vom extrem sicheren Job als Finanzchef der Telekom zur Krisenfirma Arcandor?

Eick: Schauen Sie, ich war zehn Jahre bei der Telekom. Ich habe da extrem viel erlebt inklusive mehrerer Börsengänge und dem Abbau der zeitweise extrem hohen Schuldenlast. In dieser Situation war es für mich als nun 55-jähriger eine hochinteressante Herausforderung, diesen großen Konzern mit mehr als 80.0000 Mitarbeitern und mehreren wertvollen Tochterunternehmen wie Thomas Cook, Quelle und Karstadt leiten zu dürfen.

Erstaunlicherweise ließen Sie sich Ihr Gehalt von jährlich rund zwei Millinen Euro vom Großaktionär Sal. Oppenheim absichern.

Eick: Als gelernter Finanzer bin ich alles andere als ein Abenteurer, ja vielleicht sogar etwas risikoavers. Da mein Vertrag in Bonn noch vier Jahre lief, habe ich darum gebeten, mir eine ähnliche Sicherheit auch für die neue Aufgabe zuzusichern.

Info
Karl-Gerhard Eick
Eick wurde am 14. Februar 1954 in Ulm geboren und studierte Betriebswirtschaftslehre in Augsburg. Der begeisterte Jogger lebt in Köln, ist verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn. Entspannung findet Eick beim Klavierspiel und klassischer Musik. Er ist Mitglied im Verwaltungsrat von Bayern München und feiert gerne in Lederhose auf dem Oktoberfest. Der Manager Nach der Promotion ging er sechs Jahre zu BMW nach München. Er kam dann nach Stationen bei WMF, Carl-Zeiss und Gehe zur Haniel-Gruppe in Duisburg. In dieser Zeit wohnte er in Düsseldorf. Im Februar 2000 begann er als Finanzvorstand der Deutschen Telekom in Bonn und wurde 2004 auch ihr stellvertretender Vorstandschef. Eick ist seit Jahren Mitglied des Aufsichtsrates der Deutschen Bank.

Sie haben erklärt, dass Sie aus Solidarität mit den Arcandor-Mitarbeitern, die aktuell nur Insolvenzgeld von maximal 5400 Euro im Monat bekommen, auf Ihr Gehalt verzichten.

Eick: Ich möchte das nicht überbewerten und halte es fast für eine Selbstverständlichkeit. In diesen Monaten lasse ich meine Zahlungsansprüche schlicht ruhen. Für Arcandor und die Mitarbeiter zählt alleine, ob wir es nun schaffen, trotz der alles andere als leichten Situation einen Weg nach vorne zu finden. Ob ich meine Vergütung dann von Arcandor oder Sal. Oppenheim bekomme, klären wir später - es gibt wahrlich andere Prioritäten.

Wie geht es weiter?

Eick: Meine Idee einer wertschöpfenden Konstitution des Arcandor Konzerns beruht auf Synergieeffekten der stärker integrierten Handelssfirmen Karstadt und Quelle,beispielsweise bei Einkauf oder IT. Das werde ich in den kommenden Wochen mit möglichen Investoren diskutieren und ­ sofern es Interessenten dafür gibt­ in einem detaillierten Sanierungsplan ausarbeiten.

Klingt vertraut. Mit einem ähnlichen Konzept wurden doch schon vor Jahren von Wolfgang Urban der Konzern Karstadt-Quelle gegründet.

Eick: Die internen Synergieeffekte durch mehrere Handelskanäle hin zum Kunden, aber eine stärker integrierten Organisation nach innen wurden bei Arcandor nie wirklich realisiert. Stattdessen konzentrierte sich das Management in der Vergangenheit darauf, die verschiedenen Arcandor-Säulen jeweils für sich fit zu machen für mögliche Fusionen oder einen getrennten Verkauf.

Ihr Konzept klingt nach Radikalumbau und Entlassungen.

Eick: Spätestens mit dem Insolvenzantrag ist allen klar, dass Arcandor oder die Nachfolgeunternehmen sicherlich nicht ohne Einschnitte auskommen werden.. Aber gemeinsam haben die Handelsbereiche nach meiner Überzeugung eine gute Überlebenschance.

Thomas Cook kommt in der neuen Arcandor nicht mehr vor?

Eick: Der vorläufige Insolvenzverwalter, Dr. Klaus Hubert Görg, verfügt jetzt über die Vermögenswerte von Arcandor. Die Aktien von Thomas Cook sind schon vor längerer Zeit an Banken verpfändet worden. Sie entscheiden über das weitere Vorgehen. Thomas Cook ist eine fantastische Firma! In guten Zeiten könnten die Arcandor-Anteile bis zu 1,5 Milliarden Euro bringen.

Ohne frisches Kapital können Sie sich Ihre neue Arcandor abschminken.

Eick: Ich rede erstens mit einer Handvoll möglicher neuer Investoren im In- und Ausland über eine Beteiligung. Auch Private-Equity-Unternehmen gehören dazu. Zweitens hat Sal. Oppenheim als Hauptinvestor zugesagt, sich einer Kapitalerhöhung nicht zu verweigern, wenn es ein überzeugendes Rettungskonzept gibt. Auch darum versuchen wir unsere Strategie genauer durchzurechnen. Drittens müssten andere Partner und Lieferanten Zugeständnisse machen, die wir auch bereits vor Insolvenzanmeldung für signifikante Beiträge gewonnen hatten. Zum Beispiel könnten sich die Inhaber der Immobilien, in denen die 90 Karstadt-Häuser untergebracht sind, überlegen, ob sie niedrigere Mieten akzeptieren und als Gegenleistung möglicherweise einen Anteil an der neuen Firma erwerben.

Nachdem Großaktionärin Schickedanz am Wochende Ihre persönliche Verarmung schilderte, ist von Ihr wohl kein Geld zu erwarten.

Eick: Warten wir es ab. Für alle Gesellschafter stellt sich doch die Frage, durch welche eigenen Sanierungsbeiträge sie welche Werte erhalten können. Tatsache ist, dassder Anteil von Frau Schickedanz an Arcandor dramatisch an Wert verloren hat und dass sie dem Unternehmen mehrfach mit hohen Beträgen und Bürgschaften finanziell zur Seite stand. Für diese Loyalität zum Unternehmen ihrer Eltern gebührt ihr großer Dank. Frau Schickedanz und ihre Familie waren vor zwei Monaten bereit, sich an einer Kapitalerhöhung von Arcandor zu beteiligen. Es wäre eine wichtige Geste, nach Vorlage des neuen Konzeptes sehr ernsthaft prüfen, dieses ebenfalls zu unterstützen.

Müssen die Banken auf Kredite verzichten?

Eick: Es gehört zum Kern jedes Insolvenzverfahrens, dass die Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.

Die Insolvenz als Chance?

Eick: Das kann man so sehen. Die Insolvenz war immer ein Weg, den ich nicht ausgeschlossen habe, gerade weil sie eine Chance zum Schuldenabbau ist. Darum hatte ich sie auch schon früh als "Plan B" vorbereitet.

Nachdem Ihr interner Insolvenzbeauftragter Horst Piepenburg vergangene Woche zurücktrat, scheint es aber keine Chance mehr auf ein Insolvenzverfahren in sogenannter Eigenverwaltung zu geben. Stehen Sie trotzdem weiter für den Vorstandsvorsitz zur Verfügung, falls Herr Görg ab August auch als regulärer Insolvenzverwalter das Kommando übernimmt?

Eick: Schon jetzt segnet Herr Dr. Görg alle Entscheidungen ab, wenn sie das Vermögen des Unternehmens betreffen. Ich fühle mich verpflichtet, möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern, das habe ich den Mitarbeitern versprochen. Sofern ich dem Unternehmen auch in einer neuen Phase helfen kann, werde ich das tun.

Das Gespräch mit dem Arcandor-Chef führten Antje Höning, Reinhard Kowalewsky, Maximilian Plück, Horst Thoren und Georg Winters.

Quelle: asl/fb

 
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