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Probleme bei Hühnerhaltung: "Eier werden zu Ostern knapp"

VON ULRIKE WINTER - zuletzt aktualisiert: 25.03.2009 - 07:32

Remscheid (RP). Seit Jahresbeginn verpflichtet eine neue Richtlinie deutsche Hühnerhalter, ihre Käfige deutlich zu vergrößern. Landwirte, die nicht expandieren, können dadurch nur noch halb so viele Hühner halten wie bisher. Andere geben der enormen Umbaukosten wegen ganz auf.

Der Ausbau der Käfige kommt den Landwirten teuer zu stehen.  Foto: ddp, ddp
Der Ausbau der Käfige kommt den Landwirten teuer zu stehen. Foto: ddp, ddp

Auf Karl-Frieder Kottsiepers Hühnerfarm herrscht Ausnahmezustand. In einer "noch nie dagewesenen" Umbauaktion lässt der Landwirt mehrere Zehntausend Legehennenplätze auf doppelte Größe ausbauen. Zum ersten Mal muss der 46-Jährige, dessen Betrieb seit Generationen in Familienhand ist, den gesamten Bestand auf einmal, binnen eines Jahres sanieren. Wie jeder zweite der 195 Hühnerhalter in NRW, die bisher auf Käfighaltung gesetzt hatten, auch. Und wie die meisten von ihnen weiß Kottsieper nicht, ob er es wirtschaftlich verkraften kann, wenn er nun tief in die Tasche greifen muss.

Die Hühnerhalter müssen eine neue Tierschutzrichtlinie umsetzen, die die Wissenschaft noch mindestens drei Jahre lang erforschen wird und die der Handel noch immer nicht unterstützt. In der sogenannten Kleingruppenhaltung, die in Deutschland bis Jahresende die konventionelle Käfighaltung ablösen soll, bekommen die Legehennen deutlich mehr Bewegungsfreiheit.

Was Tierschützer begrüßen, bringt viele Bauern an ihre wirtschaftlichen Grenzen. Etwa 20 Euro kostet der Umbau – pro Hennenplatz. Das macht 200 000 Euro bei einer gängigen Betriebsgröße von 10 000 Hühnern. Wer neu baut, und das müssen die, die künftig noch genauso viele Hühner halten wollen wie bisher, für den wird es pro Hennenplatz doppelt so teuer.

Kaum ein Betrieb stemme den Umbau ohne Fremdkapital, sagt Kottsieper, der Vorsitzender des Geflügelwirtschaftsverbands NRW ist. Und sehr viele kleine Familienbetriebe, die hier die Mehrzahl der Hühnerfarmen ausmachen, würden ganz auf der Strecke bleiben – und schließen. Die Folge: Es kommen immer weniger Eier auf den Markt, für die der Verbraucher und auch industrielle Großkunden immer mehr werden zahlen müssen.

Schon 2008 war die Zahl der Betriebe in NRW um 6,3 Prozent zurückgegangen, die Zahl der Legehennen um vier Prozent gesunken. Im Laufe dieses Jahres, so schätzen Wissenschaftler, wird die Zahl der deutschen Legehennen noch einmal um ein Drittel zurückgehen. "Die Folge ist eine beträchtliche Verknappung von Eiern", sagt Hans-Wilhelm Windhorst von der Uni Vechta, bei der eins der rund zehn deutschen Projekte zur Erforschung der Kleingruppenhaltung angesiedelt ist. "Und diese Knappheit werden wir schon an Ostern zu spüren bekommen." Kottsieper befürchtet, dass der Selbstversorgungsgrad in NRW von zuletzt 26 Prozent auf unter 20 Prozent sinken wird. Nicht nur die enormen Investitionskosten entmutigen Bauern, unter den neuen Auflagen weiterzumachen. Großkunden wie Nudelfirmen zum Beispiel werden verstärkt auf ausländische Hersteller umsteigen. Sie müssen vorerst keine Käfigumrüstungen auf ihre Preise umwälzen – in anderen EU-Ländern wie Polen wird der konventionelle Käfig noch bis Ende 2011 geduldet. Und Händler, bei denen der Privatkunde kauft, etwa Lidl, Kaufland und Aldi, listen die Eier nach und nach aus. Denn obwohl die deutschen Hühnerhalter die europäischen Tierschutzbedingungen mit der Kleingruppenhaltung übererfüllen, bekommen sie dafür keine eigene Kennung. Käfig- und Kleingruppeneier werden gleichermaßen mit der "3" gekennzeichnet.

Viele Bauern setzen deshalb auf Bodenhaltung – obwohl die wenig besser ist als die Kleingruppenhaltung. Trotzdem baut der Landwirt für alle Hennenplätze, die ihm durch die neuen größeren Käfige verloren gehen, nun zusätzliche Bodenhaltungsplätze. Das bedeutet nicht nur enorme Investitionskosten, sondern auch um bis zu 25 Prozent höhere laufende Kosten. Auch die Eier, die er in seinem Hofladen und an regionale Händler verkauft, werden dann um die zwei Cent mehr kosten. Ob seine Rechnung aufgeht, weiß Kottsieper nicht. "Für uns wird es ein anstrengendes Jahr", sagt er.

Quelle: RP

 
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