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Nach Rückzug von Piepenburg: Eigner lassen Arcandor im Stich

VON GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 17.07.2009 - 21:55

Essen (RP). Mit seinem Rückzug hat der bisherige Generalbevollmächtigte Horst Piepenburg die Großaktionäre aus dem Hause Sal. Oppenheim unter Druck gesetzt. Die weisen alle Schuld von sich. Lieferanten und Mitarbeiter sind verunsichert.

Wenn die Börse ein verlässlicher Gradmesser für das Vertrauen in ein Unternehmen ist, dann hat Arcandor nach dem Rückzug seines Generalbevollmächtigten Horst Piepenburg noch mehr Vertrauen verloren. Rund vier Prozent hat die Aktie gestern noch einmal an Wert eingebüßt.

Zwischenzeitlich war das Minus noch viel größer. Die Aktie ist gerade mal 46 Cent, der gesamte Konzern nur noch etwas mehr als 120 Millionen Euro wert. Arcandor ist in Not. Das Unternehmen steckt im vorläufigen Insolvenzverfahren, es drücken Bankschulden in dreistelliger Millionenhöhe. Ohne die Mithilfe von Eignern, Gläubigern, Lieferanten und Mitarbeitern droht dem Konzern das Aus.

Bis Ende August zahlt die Bundesagentur für Arbeit das Insolvenzgeld (Gesamtkosten: etwa 300 Millionen Euro). Bis dahin soll ein Fortführungskonzept stehen. In dieser schwierigen Situation gilt Piepenburgs Abgang als schwerer Rückschlag. Der anerkannte Insolvenz-Fachmann ist jetzt nur noch Berater. Sein Rückzug hat nicht nur die Mitarbeiter verunsichert, sondern auch die Lieferanten.

"Die Belegschaft ist verzweifelt"

"Die Belegschaft ist verzweifelt", heißt es aus dem Umfeld der Arcandor-Tochter Karstadt. Gleichzeitig sollen einzelne Karstadt-Lieferanten sauer auf das Warenhaus-Unternehmen sein, weil dies versuche, die Einkaufskonditionen "auf unverschämte Art und Weise" zu drücken. Einige Partner sollen ihre Lieferungen eingestellt haben. Er bedaure die entstandenen Verunsicherungen, erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg. Für den weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens ändere sich aber nichts.

Dass Piepenburg weiterhin beratend in die Sanierungsanstrengungen bei Arcandor einbezogen sei, hätten "maßgebliche Gläubiger" begrüßt, so Görg. Trotzdem ist die Aufregung groß. Entsprechend war der Tag nach Piepenburgs Abgang der Tag der Unschuldsbekundungen.

Sal. Oppenheim als Schuldiger

Der Ex-Generalbevollmächtigte, mit dessen Hilfe Arcandor die Insolvenz in Eigenregie durchlaufen wollte, sieht den "Schwarzen Peter" bei den Großaktionären aus dem Hause Sal. Oppenheim, das die zugesagte Kapitalspritze nicht mehr habe geben wollen. Das Bankhaus selbst erklärte gestern, die Gesellschafter seien "selbstverständlich an einer tragfähigen Lösung zur Sanierung des Unternehmens interessiert". Bis dato liege aber kein Konzept vor.

Vor diesem Hintergrund seien Piepenburgs Vorwürfe nicht nachvollziehbar. Das ist wie mit der Henne und dem Ei. Erst Geld für Arcandor, wenn ein Konzept vorliegt, oder ein Konzept, sobald das Geld zugesagt ist? 100 Millionen Euro an Kapitalerhöhung soll Sal. Oppenheim stellvertretend für alle Aktionäre schon vor dem Insolvenzantrag von Arcandor zugesagt, später dann die Offerte auf 150 Millionen Euro aufgestockt haben.

Davon hätten die Sal. Oppenheim-Gesellschafter jene 24,9 Prozent selbst getragen, die sie auch über eine Industrieholding an Arcandor noch halten, und für den Streubesitz, der nicht mitgemacht hätte, auch Investoren am Kapitalmarkt gesucht.

Aber wie verbindlich die Zusage war, wissen nur die Beteiligten selbst. Und so gibt es jetzt Leute, die behaupten, Horst Piepenburg habe nur einen Sündenbock gesucht, weil er selbst nicht mehr an eine Arcandor-Sanierung glaube. Dass das Unternehmen als Ganzes zu retten ist, so wie es mal geplant war, kann sich wohl ohnehin niemand mehr vorstellen.


 
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