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Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko: Ein Amerikaner soll BP retten

VON SARA HUSSEIN UND ALEXEI MARKATSEV - zuletzt aktualisiert: 27.07.2010 - 08:37

London/Washington (RP). Der Krisenmanager Robert Dudley soll den Ölkonzern führen und das Desaster am Golf von Mexiko beenden. Das hat das Unternehmen am Dienstagmorgen bekanntgegeben. Der scheidende BP-Chef Tony Hayward fällt weich: Er soll zum Abschied 14 Millionen Euro erhalten. Dabei macht das Unternehmen einen zweistelligen Milliardenverlust.

Seit 30 Jahren ist Robert Dudley im Ölgeschäft und hat schon viel erlebt. Er wurde aus Russland ausgewiesen, arbeitete in Angola und bohrte im Chinesischen Meer nach Öl. Doch seine schwerste Aufgabe steht dem gebürtigen US-Bürger noch bevor: Wenn Tony Hayward im Oktober als BP-Chef zurücktritt, wird Dudley neuer Chef des strauchelnden Energieriesen. Damit wird auch erstmals ein Amerikaner den britischen Konzern führen. Am Montagabend kam das BP-Direktorium in London zusammen, um über die Personalie zu beraten. Am Dienstagmorgen wurde die Entscheidung bekannt gegeben.

Bereits Mitte Juni hatte Dudley das Krisenmanagement im Golf von Mexiko von Tony Hayward übernommen. Der war zuvor Zielscheibe spöttischer Witze in US-Late-Night-Shows geworden, weil er kein Einfühlungsvermögen gegenüber den Bewohnern der Küstenstaaten zeigte, die von der Umweltkatastrophe betroffen sind. Mit seiner eher emotionalen Art verkörpert Dudley das Gegenteil des in den USA als arrogant empfundenen Hayward. Der Brite hatte nach Ausbruch der Ölpest die Folgen der Katastrophe heruntergespielt und geklagt, er wolle "sein altes Leben wiederhaben".

Robert Dudley, in New York geboren, wuchs in Mississippi auf – einem der von der schlimmsten Ölkatastrophe in der US-amerikanischen Geschichte besonders betroffenen Bundesstaaten. "Ich wurde beim Schwimmen und Fischen an der Küste groß", sagte Dudley im Juni nach dem Besuch ölverschmutzter Strände im Bundestaat Louisiana. "Was ich gesehen habe, war schmerzhaft, emotional und schockierend."

Nach seiner Schulzeit studierte Dudley zunächst in Illinois chemische Verfahrenstechnik, machte anschließend seinen Abschluss in Betriebswirtschaft in Arizona und Texas. Im Jahr 1979 begann er seine Karriere im Ölgeschäft beim US-Konzern Amoco, der sich im Jahr 1998 mit BP zusammenschloss. Nur kurz nach seinem Berufsstart zog es Dudley ins Ausland. Sechs Jahre arbeitete er an einem Tiefsee-Bohrprojekt im Südchinesischen Meer. In den 90er Jahren zog es ihn weiter nach Moskau. Im Jahr 2003 übernahm Dudley die Leitung des britisch-russischen Unternehmens TNK-BP. Nach heftigen Auseinandersetzungen zwischen BP und den russischen Aktionären musste er das Land verlassen. Gleichwohl gilt der verheiratete Vater zweier Kinder als äußerst geschickt bei Verhandlungen.

Dudley ist der Hoffnungsträger, nachdem Hayward in der schlimmsten Ölkatastrophe aller Zeiten versagt hat. Der 52-jährige Manager hatte seine Karriere an der BP-Spitze einst als Mann mit dem "laserscharfen Blick für die Sicherheit" begonnen. Drei Monate nach dem Untergang der Bohrplattform im Golf von Mexiko beendet er sie als "Kapitän Ahnungslos", so die britische Tageszeitung "Daily Mail". Hayward fällt weich: Er soll seine Pensionsansprüche behalten und Aktienbezugsrechte bekommen. Insgesamt hat sein Abschiedspaket einen Wert von umgerechnet 14 Millionen Euro, wie die britische Zeitung "Times" berichtet. Eine Summe, die seine Gegner zornig macht. Angeblich wechselt er ausgerechnet zu TNK-BP, Dudleys früherem Arbeitgeber.

Die BP-Aktionäre jubeln über den bevorstehenden Abgang: Die Aktie legte gestern knapp drei Prozent zu. Der Börsenwert ist seit dem Untergang einer Ölbohr-Plattform um 40 Prozent eingebrochen. Das Unternehmen hat am Dienstag einen zweistelligen Milliardenverlust ausgewiesen. Der Verlust vor Bestandswertveränderungen habe sich im zweiten Quartal auf 16,97 Milliarden Dollar belaufen, teilte BP am Dienstag mit. In dem Ergebnis sei eine Vorsteuerbelastungen in Höhe von 32,2 Milliarden Dollar im Zusammenhang mit dem Ölleck enthalten. Analysten hatten mit 13 Milliarden Dollar Verlust gerechnet.

Quelle: RP

 
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