Spanischer Bauriese zieht die Schlinge zu: Ein schwarzer Tag für Hochtief
zuletzt aktualisiert: 04.01.2011 - 18:54Essen (RPO). Der spanische Bauriese unter Führung des Real-Madrid-Präsidenten Florentino Perez hat in der Übernahmeschlacht gegen Hochtief einen wichtigen Sieg errungen. In Essen hängen die Flaggen schon auf halbmast. Schon im Mai könnte es zum Showdown kommen.
Nach dem Überspringen der 30-Prozent-Hürde bei Hochtief befindet sich der spanische Baukonzern ACS im Übernahmekampf auf der Zielgeraden. Die Spanier haben damit künftig freie Hand, ihren Anteil an Hochtief beliebig aufzustocken. Schon am 12. Mai auf der Hauptversammlung des größten deutschen Baukonzerns in Essen könnte es zum Showdown kommen: zur Auswechslung zahlreicher ACS-skeptischer Aufsichtsratsmitglieder durch die Spanier und in der Folge zu einer Neubesetzung des Hochtief-Vorstands.
Die Chancen des deutschen Traditionsunternehmens, doch noch seine Unabhängigkeit zu bewahren, sind nach Einschätzung von Aktionärsschützern inzwischen nur noch gering. "Die Schlacht scheint geschlagen", sagt der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler. Der entscheidende Stichtag ist für ihn aber der 12. Mai, an dem in der Essener Grugahalle die Hauptversammlung von Hochtief stattfindet. Dort könnte ACS wirklich die Macht bei Hochtief übernehmen.
Der Hintergrund: Auf deutschen Hauptversammlungen sind meist nur rund 60 Prozent des Aktienkapitals vertreten. Die Spanier könnten sich also schon mit geringen weiteren Zukäufen die Mehrheit auf dem Aktionärstreffen sichern und dann durchgreifen. "Dann wird ACS-Chef Florentino Perez sein wahres Gesicht zeigen. Ob er wie angekündigt nichts ändert, oder ob er durchregiert und den Aufsichtsrat neu besetzt", sagt Tüngler. Und fügt hinzu: "Wer den Aufsichtsrat neu besetzt, besetzt auch den Vorstand neu. Dann würde Dr. Lü gehen." Dr. Lü ist der Spitzname von Hochtief-Chef Herbert Lütkestrattkötter, der bislang den Abwehrkampf von Hochtief leitete und in den vergangenen Jahren das erfolgreiche Wachstum des Essener Konzerns verantwortete.
Keine "Giftpillen" mehr erwartet
Wirksame Hilfe für Hochtief im Abwehrkampf ist nicht in Sicht. "Es gibt nur noch kleine Strohhalme, an die sich Hochtief klammern kann", betont der Experte. So klagen in Spanien Aktionärsschützer gegen die Kapitalerhöhung, mit der ACS die Hochtief-Übernahme finanzieren will. "Hätten sie vor den spanischen Gerichten Erfolg, würde das gesamte Übernahmeszenario platzen", sagt Tüngler.
Die andere verbliebene Hoffnung ist der neue Großaktionär Katar. Von vielen als "weißer Ritter" im Kampf gegen ACS begrüßt, hatte das Emirat vor wenigen Wochen gut neun Prozent an Hochtief übernommen. Doch seitdem ist es still geworden um die Ölmilliardäre. So richtig Sinn mache es für die Katari nicht, erst bei Hochtief einzusteigen und dann der Machtübernahme durch ACS einfach zuzusehen, betont Tüngler. Er spekuliert, ob das Emirat nicht vielleicht doch noch eine Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie erwerben oder gar ACS seinen Anteil abkaufen könnte. Doch räumt er ein, dies seien "eher unwahrscheinliche Szenarien".
Mit neuen "Giftpillen" von Hochtief gegen ACS rechnet Tüngler nicht mehr: "Das Thema ist durch." Schließlich setzt das deutsche Übernahmerecht dem Vorstand im Abwehrkampf enge Grenzen. Hochtief selbst schwieg am Dienstag zu dem Erfolg von ACS. Der Baukonzern verwies lediglich darauf, dass man wegen weiterer Fristen erst Ende Januar mit Sicherheit wissen werde, über wie viele Aktien ACS letztlich verfüge.
In Vereinbarungen mit den Banken hat der Konzern allerdings bereits versucht, Schutzzäune für die Zukunft zu ziehen, um Hochtief auch nach einer Mehrheitsübernahme durch ACS vor einem möglichen Auspressen zu schützen. Dazu wurden Kreditverträge im Volumen von 3,7 Milliarden Euro neu verhandelt. In den neuen Vereinbarungen verpflichtet sich das Hochtief-Management nach eigenen Angaben, keine Verträge mit ACS zu unterzeichnen, die die Kreditwürdigkeit von Hochtief schwächen würden. Dies soll einem Beherrschungsvertrag, aber auch der Ausschüttung von Sonderdividenden an ACS einen Riegel vorschieben. Wird gegen diese Abmachungen verstoßen, steht den Banken ein Sonderkündigungsrecht für ihre Kredite zu.
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