Arbeitslosenzahlen: "Eine kleine Sensation"
zuletzt aktualisiert: 30.07.2009 - 11:46Berlin (RPO). Die Arbeitslosigkeit ist im Juni wie von Experten erwartet gestiegen. Allerdings deutlich weniger als befürchtet. Experten hatten mit einem Anstieg um etwa 100.000 auf 3,5 Millionen gerechnet. Die Bundesagentur für Arbeit meldete am Donnerstag hingegen die Zahl von 52.000 Arbeitslosen mehr. Arbeitsminister Olaf Scholz spricht von einer "kleinen Sensation".
Die Zahlen Im Vergleich zum Juni nahm die Zahl der Menschen ohne Job um 52.000 auf 3,462 Millionen zu, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mitteilte. Die Quote stieg damit um 0,1 Punkte auf 8,2 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren im Juli 252.000 Menschen mehr arbeitslos gemeldet.Ohne die im Mai erfolgte Änderung der Arbeitslosenstatistik hätte der Anstieg 82.000 betragen. Seit Mai werden Arbeitslose, die die BA zur Vermittlung an Bildungsträger oder private Vermittler übergibt, nicht mehr als arbeitslos gezählt. Das senkt die Arbeitslosigkeit derzeit künstlich um 20 000.
Die Gründe "Die Rezession der deutschen Wirtschaft hinterlässt auch im Juli Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Außerdem gab es die üblichen jahreszeitlichen Belastungen durch die Sommerpause", erklärte der Vorstandsvorsitzende der BA, Frank-Jürgen Weise. Insgesamt seien die bisherigen Auswirkungen des Abschwungs aber vergleichsweise moderat. Vor allem die starke Nutzung der Kurzarbeit stabilisiere den Arbeitsmarkt.
Der Arbeitsminister Verglichen mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage seien die Daten für Juli bemerkenswert, sagte Olaf Scholz (SPD) am Donnerstag am Rande der SPD-Klausur in Potsdam. "Es ist gut, dass Deutschland ein Sozialstaat ist. Deshalb ist die Arbeitslosigkeit immer noch geringer als in vielen anderen Ländern." Die stabile Lage am Arbeitsmarkt sei nur deshalb möglich, weil die Regierung eine sehr aktive Arbeitsmarktpolitik betreibe und die Kurzarbeit fördere. Ohne diese Maßnahmen wären hunderttausende Menschen zusätzlich arbeitslos, sagte Scholz.
Der CDU-Generalsekretär Für Ronald Pofalla haben die Maßnahmen der Bundesregierung den Arbeitsmarkt stabilisiert. "Dennoch dauert die Krise an und ist trotz erster positiver Signale noch nicht überstanden", erklärte Pofalla am Donnerstag in Berlin zu den jüngsten Arbeitslosenzahlen. "Es gibt keinen Grund, sich zurückzulehnen." Das besondere Augenmerk liege jetzt weiter auf einer effektiven Arbeitsmarktpolitik, sagte Pofalla. Nur so könnten Jobsuchende schnell und erfolgreich vermittelt werden.
Die Aussichten Ab Herbst wird die Lage ernst. Bei vielen Unternehmen läuft die Kurzarbeit aus. Die meisten von ihnen hatten im Frühjahr Kurzarbeit beantragt – und zwar für sechs bis acht Monate. Zuletzt zahlte die BA für 1,1 Millionen Kurzarbeiter. Hinzu kommt, dass im Winter witterungsbedingt die Arbeitslosigkeit stets um 300.000 steigt. Experten rechnen mit über vier Millionen Arbeitslosen.
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