Metro kauft 85 Filialen: Einzelhandelsriese Wal-Mart gibt in Deutschland auf
zuletzt aktualisiert: 28.07.2006 - 14:54Düsseldorf (rpo). Der größte Einzelhandelskonzern der Welt muss in Deutschland eine herbe Schlappe hinnehmen: Wal-Mart verkauft seine 85 deutschen Filialen an den Konkurrenten Metro aus Düsseldorf. Damit beendet Wal-Mart nach acht Jahren das Kapitel Deutschland.
Über den Preis für die 85 Filialen wurde nichts bekannt. Von dem Verkauf sind 11.000 Wal-Mart-Mitarbeiter betroffen. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet Arbeitsplatzverluste. Wal-Mart hatte sich in Deutschland wegen seiner Arbeitsbedingungen heftige Kritik der Gewerkschaften zugezogen und war deswegen auch wiederholt vor Gericht verurteilt worden.
Der stellvertretende Wal-Mart-Vorsitzende Michael Duke begründete die Trennung vom Deutschland-Geschäft mit schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Damit sei es dem Konzern mit Sitz in Bentonville im US-Bundesstaat Arkansas nur schwer möglich, die "angestrebte Größe und angestrebten Ergebnisse zu erzielen". Informierten Kreisen zufolge schrieb Wal-Mart in Deutschland in den vergangenen Jahren massive Verluste. Nach Angaben von Metro erzielten die 85 Wal-Mart-Warenhäuser 2005 in Deutschland einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro.
Die Metro-Gruppe, zu der neben Real-Warenhäusern auch Extra-Supermärkte sowie die Elektronikketten Media Markt und Saturn gehören, will mit dem Kauf ihre Schlagkraft in Deutschland deutlich stärken. Metro hofft dabei nach Angaben von Konzernchef Hans-Joachim Körber auf deutliche Einsparungen. Über den Verkaufspreis und finanzielle Details der Transaktion vereinbarten die beiden Konzerne Stillschweigen. Die Übernahme muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden.
Mit der Übernahme durch Metro sei eine Marktbereinigung zu befürchten, sagte Verdi-Sprecher Günter Isemeyer in Berlin. "Das bedeutet einen Verlust von Arbeitsplätzen." Verdi hat nach seinen Angaben bereits Gespräche mit Metro und Wal-Mart über die Folgen für die Beschäftigten aufgenommen. Auch die Betriebsräte seien von dem Kauf überrascht worden, sagte Isemeyer.
Markteintritt 1997
Isemeyer sagte weiter, Wal-Mart sei mit seinem Versuch einer "Amerikanisierung" der deutschen Arbeitsbedingungen gescheitert. Zuletzt hatte das Landesarbeitsgericht Düsseldorf eine "Ethikrichtlinie" für verfassungswidrig erklärt, mit der Wal-Mart seinen Mitarbeitern Beziehungen am Arbeitsplatz verbieten wollte. Auch in den USA hatte der Konzern wegen Arbeitsrecht-Verstößen wiederholt Ärger mit der Justiz.
Wal-Mart (Eigenwerbung: "Die Preise bleiben unten. Immer!") war Ende 1997 auf den deutschen Markt gekommen. Zunächst übernahm der Konzern 21 Selbstbedienungs-Warenhäuser von Wertkauf, ein Jahr später folgte die Übernahme von 74 Interspar-Warenhäusern. Der Handelsriese hat weltweit rund 6600 Läden und beschäftigt 1,8 Millionen Menschen. Künftig will sich der Konzern verstärkt anderen Märkten widmen. Wal-Mart ist derzeit in 14 Ländern außerhalb der USA tätig.
Metro erwirbt bei 19 Wal-Mart-Standorten auch die Immobilien, in den anderen Fällen werden die Märkte gemietet. Metro erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 55,7 Milliarden Euro und beschäftigt rund 250.000 Mitarbeiter in 30 Ländern.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport,
Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder,
Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.

