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Transnet-Chef wird Arbeitsdirektor: Empörung über Gewerkschafter in Bahnvorstand

VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 08.05.2008 - 21:26

Berlin (RP). Der bisherige Transnet-Chef Norbert Hansen wird Arbeitsdirektor bei der Deutschen Bahn. Ein bemerkenswerter Vorgang. Koalitionspolitiker von Union und SPD kritisierten den Wechsel als "schamlos".

Im Streit um die Teil-Privatisierung der Deutschen Bahn hatte sich das SPD-Mitglied Norbert Hansen massiv für einen Börsengang eingesetzt und sich damit gegen die Mehrheit der Gewerkschaften gestellt.

In der letzten Arbeitsgruppensitzung der SPD sorgte Hansen mit dem Vorschlag, die Teil-Privatisierung der Verkehrs- und Logistiksparte zu 24,9 Prozent über einen Tarifvertrag abzusichern, für den Durchbruch zwischen SPD-Linken und dem Reformflügel. Die Einigung in der SPD war die Grundlage für den Kompromiss in der Koalition.

Schon zum 1. Juni will Hansen sein Amt als Arbeitsdirektor antreten. Der rasche Wechsel stößt in der SPD auf Kritik. „Das ist schamlos und moralisch äußerst fragwürdig”, sagte der SPD-Linke und Privatisierungsgegner Hermann Scheer unserer Redaktion. „Das erinnert mich an Otto Wiesheu, der im Koalitionsvertrag 2005 die Bahn-Privatisierung als Ziel durchsetzte und kurze Zeit später in den Bahnvorstand wechselte”, so Scheer.

Hansen habe eine Schlüsselrolle bei der Privatisierungsdebatte gespielt. Für die Gewerkschaften sei der Wechsel des Arbeitnehmervertreters ein Schlag ins Gesicht. „Hansen hat doch längst für den Konzern gearbeitet.” Der SPD-Politiker Niels Annen kritisierte den Personalwechsel als „anrüchig”. Auch die Transnet-Basisinitiative „Bahn von unten”, die der Privatisierung kritisch gegenübersteht, zeigte sich verärgert: „Hansen hat die Gewerkschaft als Karrieresprungbrett missbraucht”, sagte ein Sprecher.

Aus Konzernkreisen ist zu hören, dass SPD-Chef Kurt Beck und der Bahn-Aufsichtsratsvorsitzende Werner Müller (Evonik-Chef) die Berufung Hansens vorangetrieben hätten. Auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee soll eingeweiht worden sein. In den Verhandlungen mit der Union soll der Wechsel des Arbeitnehmervertreters Hansen in den Bahn-Vorstand die Bedingung der SPD für eine Zustimmung zur Teil-Privatisierung gewesen sein.

Hansen wies alle Vorwürfe zurück: „Mir vorzuhalten, ich hätte in den vergangenen Monaten meine Position geändert, um an einen Posten zu kommen, ist abwegig”, sagte er. Er wolle das neue Amt nutzen, um das vereinbarte Beschäftigungsbündnis „im Sinne der Beschäftigten und des Unternehmens” umzusetzen. Sein Nachfolger an der Transnet-Spitze soll der bisherige Stellvertreter Alexander Kirchner werden.

Der Bundestag brachte gestern die Teil-Privatisierung der Bahn auf den Weg. Das Konzept sieht vor, privates Kapital in Höhe von 24,9 Prozent an den Bereichen Verkehr und Logistik zu beteiligen. Dafür werden der Güter-, Fern- und Regionalverkehr sowie die dazugehörenden Dienstleistungen zu einer Gesellschaft zusammengefasst. Die Infrastruktur bleibt in Bundesbesitz.

Quelle: RP

 
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