Der Fall Nonnenmacher: "Endlich Ruhe im Karton"
zuletzt aktualisiert: 08.11.2010 - 17:13Hamburg (RPO). Der umstrittene HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher gilt vielen Deutschen als Sinnbild des verantwortungslosen Managers. Jetzt soll er Medienberichten zufolge seinen Job verlieren. Die Landesregierungen von Hamburg und Schleswig-Holstein sind sich demnach einig, "Dr. No" abzuberufen. Das Ziel ist formuliert: Bei der Krisenbank soll endlich Ruhe herrschen.
"Spiegel Online" berichtete am Montag, die Landesregierungen von Hamburg und Schleswig-Holstein seien sich über die Abberufung des Bankmanagers einig und wollten Aufsichtsratchef Hilmar Kopper offiziell beauftragen, einen Nachfolger zu finden. Sollte sich der langjährige Chef der Deutschen Bank weigern, wollten die beiden Länder Nonnenmachers Rauswurf in einer außerordentlichen Hauptversammlung durchboxen.
"Der Aufsichtsratsvorsitzende soll gebeten werden, eine Lösung ohne Herrn Nonnenmacher zu finden", sagte der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Kubicki, dessen Partei in Kiel mit der CDU regiert, am Montag. "Ziel ist, dass bei der HSH endlich Ruhe im Karton ist."
Auch Kopper geht auf Distanz
Die Landesregierungen dementierten lediglich, dass es bereits eine Festlegung gebe. Diesbezüglich sei der Bericht unzutreffend, sagte ein Sprecher der Kieler Staatskanzlei. Eine Sprecherin der Hamburger Senatskanzlei sagte, sie könne den Bericht "jetzt" nicht bestätigen.
Am Dienstag beraten die beiden Landeskabinette über die Zukunft von "Dr. No", wie der habilitierte Mathematiker Nonnenmacher in Bankenkreisen genannt wird. Sie hatten sich unzufrieden mit der Aufklärung von Bespitzelungsvorwürfen durch die Bank gezeigt.
Kopper hatte Nonnenmacher lange Zeit den Rücken gestärkt, zuletzt aber Distanz erkennen lassen: Sollte er erfahren, dass Nonnenmacher etwas getan habe, das aktienrechtlich zu beanstanden wäre, werde er "sofort die Konsequenzen ziehen", hatte Kopper jüngst gesagt. Am Montag wollte sich Kopper nach Auskunft seines Büros nicht äußern.
Grüne stellten Bedingungen
Auch auf Seiten der Anteilseigner hat der umstrittene Bankchef zuletzt an Rückhalt verloren. Teile der beiden Landesregierungen haben öffentlich seine Abberufung gefordert. Die in Hamburg mit der CDU regierenden Grünen hatten sogar das Fortbestehen der Regierung von Nonnenmachers Rauswurf abhängig gemacht.
Die Landesregierungen hatten die Bank auch aufgefordert, alle Verträge vorzulegen, die mit der Sicherheitsfirma Prevent abgeschlossen wurden. Dem kam die Bank laut "Spiegel Online" nur teilweise nach - ein allein von Nonnenmacher unterschriebenes Dokument habe gefehlt. Dies hätten die beiden kleineren Koalitionspartner - in Hamburg die Grünen und Kiel die FDP - als Täuschungsmanöver gewertet.
Die Bank schweigt
Die Bank selbst äußerte sich dazu nicht. Ein Sprecher sagte lediglich, Entscheidungen über eine Abberufung Nonnenmachers seien dem Institut nicht bekannt. Nonnenmacher selbst wurde am Montag erneut vom Kieler Untersuchungsausschuss über das HSH-Debakel vernommen. Dabei wies er in einer persönlichen Erklärung erneut Vorwürfe als absurd zurück, die Bank habe Politiker ausspähen lassen.
Die Regierungschefs von Hamburg und Schleswig-Holstein haben das Verhältnis zu Nonnenmacher als "erheblich strapaziert" bezeichnet. Sie suchen seit wenigen Wochen intensiv nach Wegen, um sich von dem Manager zu trennen. Zunächst hatten sie Kreisen zufolge versucht, eine Lösung ohne millionenschwere Abfindung zu finden.
Vertrag läuft noch bis 2012
Nonnenmachers Vertrag läuft bis Oktober 2012. Als Chef einer Bank, die mit Staatshilfen gerettet wurde, ist sein Gehalt auf 500.000 Euro im Jahr gedeckelt. Ihm war im Februar 2009 eine millionenschwere Halteprämie gezahlt worden, obwohl die Bank damals massiv Personal abbaute. Dies hatte die Wogen in der Öffentlichkeit hochschlagen lassen.
Nonnenmacher steht seit Monaten im Kreuzfeuer der Kritik - zunächst wegen umstrittener Finanzgeschäfte, die vorübergehend die Existenz der Bank bedrohten, und nun wegen der Spitzelaffäre, in der mehrere Staatsanwaltschaften ermitteln. Dabei geht es um den Vorwurf, dass missliebigen Managern fingierte Beweismittel untergeschoben worden sein sollen, um sie loszuwerden.
Die Landeseigner vermuten, dass auch Politiker ausgespäht wurden. Die Sicherheitsfirma Prevent hat dies bestritten. Die beiden Länder hatten die HSH mit drei Milliarden Euro vor dem Aus gerettet und sie zudem mit einer Staatsgarantie über zehn Milliarden Euro ausgestattet. Sie halten seither 85,5 Prozent an dem Institut.
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