62-Jähriger wegen skandalöser Firmenpleite angeklagt: Enron-Gründer Lay stellt sich dem FBI
zuletzt aktualisiert: 08.07.2004 - 16:07Houston (rpo). Der Gründer des vor zweieinhalb Jahren zusammengebrochenen US-Energieriesen Enron, Kenneth Lay, hat sich am Donnerstag im texanischen Houston freiwillig der Justiz gestellt. Gegen den 62-Jährigen war formell Anklage erhoben worden.
Der 62-Jährige beteuert allerdings seine Unschuld. Wie ein AFP-Reporter vor Ort beobachtete, betrat der frühere Wahlkampfhelfer von US-Präsident George W. Bush das Gebäude der Bundespolizei FBI. Er wurde dann von Beamten in Handschellen zum Gericht gefahren, in dem ihm seine Anklage verlesen wurde. Lay beteuerte in einer Erklärung, er habe von den Manipulationen in seiner Firma nichts gewusst. Der Konzern hatte seine desaströse Lage lang verschleiert.
Nach Informationen des US-Fernsehsender CNBC enthält die Anklageschrift gegen Lay elf Punkte, darunter die des Betrugs und der Falschaussage. Wegen der Affäre sind bereits rund 45 Verdächtige straf- und zivilrechtlich belangt worden. Angeklagt ist seit Februar auch Lays Nachfolger an der Konzernspitze, Jeffrey Skilling. Lay war seinerseits am Mittwoch über die gegen ihn erhobene Anklage informiert worden. Er hatte daraufhin angekündigt, dass er sich am folgenden Morgen ausliefern werde. "Ich habe nichts Falsches getan", betonte er zugleich. "Die Anklage ist nicht gerechtfertigt."
Lays Verteidigung argumentiert, der Konzerngründer sei durch den damaligen Finanzchef Andrew Fastow hintergangen worden. Fastow gilt als der Architekt des komplizierten Systems der Schuldenverschleierung bei Enron. Der frühere Finanzchef des Konzerns, der im Gegenzug für eine relativ milde Haftstrafe von zehn Jahren seine Kooperation bei der Aufklärung des Skandals zugesagt hatte, ermöglichte offenbar mit seinen Aussagen die Anklagen gegen Lay und Skilling.
Die Anklagebehörden standen nach den zweieinhalbjährigen Ermittlungen unter erheblichem Druck, auch den langjährigen Ex-Konzernchef Lay vor Gericht zu bringen. Der Enron-Gründer war vormals ein enger Berater Bushs und spendete großzügig für dessen Präsidentschaftskampagne 2000. Bush nannte ihn früher "Kenny Boy". Enron stand am Anfang einer langen Serie von Firmenskandalen, die die US-Wirtschaft erschütterten. Der texanische Energieversorger bescherte den USA nach dem Telefonkonzern WorldCom die zweitgröße Firmenpleite ihrer Geschichte.
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