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Hauptversammlung
Eon-Aktionäre wollen Aufspaltung zustimmen

Eon-Aktionäre wollen Aufspaltung zustimmen
Eon-Chef Johannes Teyssen am Mittwoch in Essen. FOTO: dpa, ve nic
Essen. Eon-Chef Teyssen hat sich zur Hauptversammlung am Mittwoch einen zweiten Anzug mitgebracht. Doch das war nicht nötig. Tumulte wie bei RWE bleiben aus. Die meisten Aktionäre halten die Aufspaltung für alternativlos – und Uniper noch nicht für lebensfähig. Von Antje Höning

Eon-Chef Johannes Teyssen war vorbereitet: Zur Hauptversammlung heute in die Essener Grugahalle hatte er einen zweiten Anzug mitgebracht, falls Aktionäre aus Protest gegen die Unternehmenspolitik die Torten fliegen lassen. Doch dazu kam es nicht. Vor der Halle blieb es friedlich, nur eine Hand voll Demonstranten entrollte stumm Plakate wie "Wer zahlt die Atommüll-Zeche?". Und auch im Saal blieb es ruhig. Ganz anders als beim Konkurrenten RWE vor einigen Wochen, als es drinnen und draußen lautstarke Tumulte gab.

Und auch bei der zentralen Frage der Hauptversammlung, ob die Aktionäre einer Abspaltung der Kraftwerkstochter Uniper zustimmen, gab es wenig Gegenwind. Teyssen war fast überrascht, dass es erstmals seit langem nicht einen einzigen Gegenantrag gab. Zudem hatten alle Stimmrechtsberater schon vor der Hauptversammlung den Großaktionären Zustimmung empfohlen. Folglich lautete der am häufigsten gesprochene Satz in Essen: "Die Aufspaltung ist alternativlos."

Eon hat seine Problemgeschäfte wie Kohle- und Gaskraftwerke, das Russland- und Brasilien-Geschäft bereits in die Uniper abgespalten. Im Herbst will Eon seinen Aktionären gut 53 Prozent der Uniper-Aktien ins Portfolio legen und so an die Börse bringen. Mittelfristig will Eon sich ganz von Uniper und den 14.000 Mitarbeitern trennen. Die neue Eon behält die lukrativen Zukunftsgeschäfte Netze, Ökostrom und Vertrieb mit 43.000 Mitarbeitern.

Teyssen warb eindringlich für die Abspaltung: "Mit der größten Transaktion in der jüngeren europäischen Industriegeschichte schaffen wir heute nichts weniger als eine neue Eon, die sich mit jeder Faser der Energiezukunft verschrieben hat", sagte der 56-Jährige. Zugleich gebe man die Uniper auf einen guten Weg. Eon sei schon heute die Nummer zwei auf der Welt bei Offshore-Wind und solle eins der führenden Unternehmen der neuen Energiewelt werden. Unipers große Chance sei, dass sichere Stromversorgung auch in Zeiten der Energiewende ein belastbares Geschäftsmodell sei. Genau das bezweifelten einige Aktionäre.

Risiken von Uniper: "Uniper erscheint derzeit operativ nicht lebensfähig, sagen Sie uns, wann sich das ändert", forderte Hans-Martin Buhlmann von der Aktionärsvereinigung VIP den Vorstand auf.

"Uniper ist eine riskante Wette auf steigende Strompreise und kommende Kapazitätsmärkte", sagte Thomas Hechtfischer von der Aktionärsvereinigung DSW. Davon sei aber nichts zu sehen. "Wer soll die neue Aktie kaufen, wer braucht noch Uniper?"

In der Tat wäre Uniper schon fast vor dem Start die Luft ausgegangen. Eon hatte der Tochter bereits die Beteiligung an der Gas-Pipeline Nord Stream I für rund eine Milliarde Euro verkauft, um die Uniper-Bilanz zu stärken. Dadurch kann Uniper wenigstens mit einer passablen Bonitätsnote (BBBminus und damit Investment Grade) starten.

Risiken von Eon: Entgegen ersten Planungen muss ausgerechnet die neue grüne Eon die Atomkraft behalten, da der Bundeswirtschaftsminister mit einem Nachhaftungsgesetz droht. "Das ist ein Neustart mit angezogener Handbremse", sagte Alexander Elsmann von der Schutzvereinigung SdK.

"Die Atomkraftwerke sind ein Klotz am Bein der neuen Eon", kritisierte Thomas Deser von der Fondsgesellschaft Union Investment. Sie konterkarierten die grüne Wachstumsstory. Teyssen bekräftigte, man werde auf den Staat bei den Haftungsfragen zugehen. "Das Kapitel Kernenergie kann so friedlich zum Abschluss gebracht werden." Der Staat will nach dem Plan der Atomkommission die Haftung für das Endlager übernehmen, wenn die Konzerne ihm dafür ihre Rückstellungen samt Risikoprämie überweisen.

Wer macht es besser - Eon oder RWE? Da waren sich die Aktionäre einig. "Mir gefällt der Eon-Plan besser. Eon verkauft die Vergangenheit, RWE die Zukunft", sagte Thomas Hechtfischer. Auch RWE will sich aufspalten, bringt aber die Ökostrom-Tochter an die Börse und behält selbst die malade Kohlestrom-Erzeugung.

Vor 16 Jahren hatten die Aktionäre die Fusion von Veba und Viag zu Eon beschlossen, damals fand die Hauptversammlung in Düsseldorf statt und dauerte bis nach 22 Uhr. Nun ist dieser integrierte Energiekonzern schon wieder passe´. Wenn die Aktionäre den Weg für die Aufspaltung frei gemacht haben, soll die Uniper-Aktie – je nach Ärger mit möglichen Klagen - zwischen August und Dezember an die Börse gehen. Damit ist Eon als Kraftwerkskonzern Geschichte.

 

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