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Eon-Kernmarke geht nach Essen
Düsseldorf verliert erneut einen Dax-Riesen

Diese Arten der Stromerzeugung gibt es
Diese Arten der Stromerzeugung gibt es FOTO: dpa, Robert Schlesinger
Düsseldorf. Die Landeshauptstadt verliert erneut einen Dax-Riesen: Die Eon SE verlagert nach der Aufspaltung ihre Zentrale nach Essen. Düsseldorf wird Sitz der Firma Uniper, der künftig die Kraftwerke gehören. Von Antje Höning und Denisa Richters

Deutschlands größter Energiekonzern verlagert seine Konzernzentrale von Düsseldorf nach Essen. Die im Dax notierte Eon SE (für Societas Europaea, europäische Aktiengesellschaft) wird künftig von der Ruhrgebiets-Stadt aus geführt. "Die Eon wird ihre Aktivitäten vollständig auf den Standort im Essener Süden konzentrieren", teilte der Konzern nach einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrates mit.

Damit verliert die Landeshauptstadt binnen weniger Jahre ihren dritten Dax-Konzern: 2010 hatte schon ThyssenKrupp die Zentrale nach Essen verlegt; die Metro AG war 2012 in den M-Dax abgestiegen. Zugleich zieht Eon damit in die Stadt des Rivalen RWE, so dass Essen nun zwei Energie-Schwergewichte hat. Düsseldorf hat nur noch einen Dax-Konzern: Den Markenartikelhersteller Henkel.

Die Verlagerung erfolgt im Zuge der im Herbst angekündigten Aufspaltung von Eon in eine moderne, grüne Gesellschaft, die den Namen Eon fortführt, und in eine neue Gesellschaft, in die der Konzern seine problematischen Geschäfte (Kraftwerke, Atommeiler, Brasilien und Russland) überführt. Die neue Gesellschaft soll den Namen Uniper tragen, wie der Aufsichtsrat beschloss. Uniper leitet sich von "Unique Performance" ab und soll die "einzigartige Leistungsfähigkeit" des neuen Unternehmens unterstreichen, wie Eon erläuterte.

Düsseldorf bekommt immerhin die Zentrale von Uniper, die in das Eon-Gebäude im Düsseldorfer Hafen ziehen wird. Eon begründet die Verlagerung damit, dass so die Belastungen für die Mitarbeiter durch längere oder neue Arbeitswege so gering wie möglich gehalten würden. Zudem habe man nur so den vorhandenen Gebäudebestand sinnvoll nutzen können. Unterm Strich sei dies die beste Lösung für alle Mitarbeiter in NRW.

Immerhin soll Düsseldorf, was die Zahl der Arbeitsplätze angeht, zu den Gewinner-Standorten zählen. Derzeit sind hier rund 1500 Mitarbeiter beschäftigt. Nach der kompletten Aufspaltung sollen es rund 2000 sein, weil Mitarbeiter aus anderen Standorten wie Essen und Hannover in die Landeshauptstadt kommen. Essen wird dagegen leicht an Stellen verlieren.

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel bedauert den Weggang. "Natürlich ist es schade, dass Eon SE nach Essen gehen will. Es ist ein Dax-Konzern, kein unbedeutender, mit einem großen Namen, ich habe selbst dort gearbeitet. Deshalb bedauere ich es auch persönlich." Er sei sich aber sicher, dass das neue Unternehmen ebenfalls ein Schwergewicht der Energiewirtschaft sein werde, zudem werde Düsseldorf Arbeitsplätze gewinnen.

Die Landesregierung, die stets an einem starken Ruhrgebiet interessiert ist, zeigte sich zufrieden. "Wir begrüßen die klare Entscheidung des Unternehmens zugunsten des Standorts NRW, Düsseldorf und Essen sind jeweils eine gute Heimat für die Unternehmen. Klarheit in diesen viele Mitarbeiter betreffenden Fragen ist wichtig", sagte Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD).

Mit der Aufspaltung reagiert Eon auf die schwere Branchenkrise. Die Atommeiler müssen vom Netz, wegen des Ökostrom-Booms sind die Strompreise gefallen, so dass immer mehr Kohle- und Gaskraftwerke rote Zahlen schreiben. Eon fuhr 2014 einen Verlust von 3,2 Milliarden Euro ein. Mit der Aufspaltung will der Konzern sich besser auf die grüne und die schwarze Energiewelt einstellen.

Zugleich beschloss der Aufsichtsrat die Neuordnung des Führungspersonals. Johannes Teyssen (55) bleibt (wie berichtet) auch nach der Aufspaltung Chef der Eon SE. Die neue Gesellschaft Uniper wird künftig von Klaus Schäfer (47) geführt, der seit 20 Jahren in verschiedenen Funktionen bei dem Energieriesen tätig ist und derzeit noch Finanzvorstand ist.

"Es ist gut, dass wir für Uniper ein anerkannt starkes Führungsteam benennen können", sagte Aufsichtsrats-Chef Werner Wenning. Damit könne das Unternehmen optimal aufgestellt werden, um am 1. Januar zu starten.

Quelle: RP
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