Düsseldorfer Energiekonzern: Eon meldet Massenentlassungen an
VON ANTJE HÖNING - zuletzt aktualisiert: 12.01.2012 - 06:50Düsseldorf (RP). Der Konzern hat bei der Arbeitsagentur München die Entlassung der ersten 350 Mitarbeiter angemeldet. Nun muss der Ausschuss für Massenentlassungen zustimmen. Zugleich investiert Eon 350 Millionen Euro, um größter privater Versorger in Brasilien zu werden.
Wenn ein deutsches Unternehmen eine größere Anzahl von Mitarbeitern entlassen will, muss es dies nach dem Kündigungsschutzgesetz rechtzeitig bei der örtlichen Arbeitsagentur anmelden. Das gilt auch für den Eon-Konzern, der einst der wertvollste Konzern im Dax war. Er macht nun ernst mit dem geplanten Abbau von 11.000 Stellen weltweit und reichte bei der Arbeitsagentur München die erste so genannte Anzeige auf Massenentlassung ein: Demnach soll bei der Eon Energie, die das nationale Geschäft steuert, zum 30. Juni 2012 über 350 Mitarbeitern gekündigt werden, wie unsere Redaktion aus Konzernkreisen erfuhr.
Eon bestätigte die Anzeige. "Die Anzeige bei der Agentur für Arbeit erfolgte aus rein formalrechtlichen Gründen im Zusammenhang mit einer bei Eon Energie laufenden Initiative, die den Mitarbeitern ein freiwilliges Ausscheiden ermöglicht", sagte der Konzern-Sprecher.
Entsetzen in der Belegschaft
In der Belegschaft ist man gleichwohl entsetzt. "Massenentlassungen passen doch nicht zu einem Konzern, der für 2011 einen Gewinn von neun Milliarden Euro erwartet", sagt ein Gewerkschaftsvertreter. Zugleich fürchtet man, dass München der Anfang einer Reihe von Massenentlassungen an anderen Standorten ist. Eon hatte betriebsbedingte Kündigungen ausdrücklich nicht ausgeschlossen.
Nun muss der Massenentlassungs-Ausschuss der Behörde, in dem Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften vertreten sind, den Kündigungen zustimmen. Zugleich bekommt die Arbeitsagentur so die Chance, rechtzeitig arbeitsmarktpolitische Instrumente einzusetzen. Zu denen zählt auch eine Transfergesellschaft. Eon will in Deutschland bis zu 2500 Mitarbeiter in eine Transfergesellschaft schicken, die nach Informationen aus Konzernkreisen auch aus Mitteln der Bundesagentur für Arbeit finanziert werden soll. Eine Transfergesellschaft ist ein Unternehmen, in das Mitarbeiter für eine begrenzte Zeit zum alten Lohn versetzt werden. Ziel ist es, die Mitarbeiter an einen neuen Arbeitgeber zu vermitteln. Gelingt dies nicht, werden die Mitarbeiter arbeitslos. Die Gewerkschaften lehnen eine Transfergesellschaft für Eon ab.
Eon hatte im November den Abbau von 6000 Stellen in Deutschland angekündigt. Unter anderem sollen in Düsseldorf bis zu 1000 Stellen wegfallen (davon in der Zentrale 450), in München bis zu 1500 und in Hannover bis zu 1000. Die Verhandlungen mit den Gewerkschaften laufen seit Monaten.
Immerhin kommt Eon-Chef Johannes Teyssen bei der internationalen Expansion voran, die er vor zwei Jahren angekündigt hatte. Nachdem Eon 2011 im Übernahmekampf um den portugiesischen Versorgers EdP einem chinesischen Investor unterlegen war, konnte Teyssen gestern Vollzug im fünftgrößten Land der Welt melden: Eon erwirbt für 350 Millionen Euro zehn Prozent am brasilianischen Versorger MPX, der dem Milliardär Eike Batista gehört. Zusammen mit MPX gründet Eon nun ein Gemeinschaftsunternehmen, das vor dem Bau vieler Kohle- und Gaskraftwerke sowie Windanlagen steht. Es soll künftig 20 Prozent des brasilianischen Stroms liefern und größter privater Versorger in Brasilien werden. Teyssen sprach von einem "Meilenstein". Batista betonte: "Für uns ist es eine Traumhochzeit." Eon will in Brasilien, Indien und der Türkei expandieren, um unabhängiger vom deutschen Energiemarkt zu werden.
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