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Konten in Liechtenstein: Ermittlungen gegen 966 deutsche Bankkunden

zuletzt aktualisiert: 24.09.2008 - 18:35

Rostock (RPO). Die Staatsanwaltschaft Rostock hat eine Kundenliste der Liechtensteinischen Landesbank ausgewertet und ermittelt nun wegen Steuerhinterziehung gegen 966 deutsche Bankkunden.

Ermittlungen gegen 966 deutsche Bankkunden wegen Steuerhinterziehung eingeleitet.  Foto: KEYSTONE, AP
Ermittlungen gegen 966 deutsche Bankkunden wegen Steuerhinterziehung eingeleitet. Foto: KEYSTONE, AP

Die Ermittlungen wurden im Zusammenhang mit dem Rostocker Prozess um die Erpressung der Liechtensteiner Landesbank (LLB) eingeleitet. Der Hauptangeklagte in diesem Prozess hatte dem Gericht 200 LLB-Kontobelege überlassen, wie die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte. Diese wurden von der Staatsanwaltschaft Rostock dann ausgewertet wurden. 

Die Einlagen bewegten sich zwischen 200.000 Euro und einstelligen Millionenbeträgen. Insgesamt verfügten die ermittelten Bankkunden über ein Anlagevolumen von mehr als einer Milliarde Euro.

Mit dieser Datenflut gelangten weitaus mehr mutmaßliche Steuersünder ins Visier der Fahnder, als bei den Ermittlungen im Zusammenhang mit Schwarzkonten von Bundesbürgern bei der Liechtensteiner LGT-Bank zu Jahresbeginn. In beiden Fällen hatten Angestellte heimlich Kontendaten ausspioniert und an Mittelsmänner verkaufen wollen. Im LGT-Fall, der inzwischen federführend von der Staatsanwaltschaft Bochum bearbeitet wird, wird gegen etwa 200 Konteninhaber ermittelt, darunter Ex-Postchef Klaus Zumwinkel.

Angeklagter wollte selbst Geld eintreiben

Mit den gestohlenen Kontendaten hatten die in Rostock Angeklagten offenbar zunächst selbst versucht, Geld von Kunden oder Bank einzutreiben. Dafür hatte der Hauptbeschuldigte sogar einen Anwalt zu Rate gezogen. Er habe nur zeigen wollen, dass brisante Kundendaten nicht sicher seien, hatte der Angeklagte, ein vorbestrafter Gewaltverbrecher, vor Gericht gesagt.

Von Kunden hatten die Angeklagten mehrere 100.000 Euro, von der Bank insgesamt zwölf Millionen Euro verlangt, die in ersten Raten auch gezahlt wurden. Auch dem Fiskus hatten die Beschuldigten das Datenpaket angeboten. Sie waren aber erstaunt, dass der nicht umgehend reagierte. Mit der Aushändigung der Daten vor Gericht erhoffte sich der Hauptangeklagte offenbar eine Strafmilderung, die von der Staatsanwaltschaft bereits abgelehnt wurde.

Adressen von exakt 966 deutschen Anlegern ermittelt

In den vergangenen Wochen waren fast drei Dutzend Beamte damit befasst, die Kontendaten den Inhabern zuzuordnen. Dadurch waren den Angaben zufolge Adressen und Einlagen von exakt 966 deutschen Anlegern ermittelt worden, die ihr Geld zwischen 1999 und 2003 auf der Liechtensteiner Bank für sich arbeiten lassen hatten. Da sie in der Regel ihre Einkünfte nicht erklärt haben, müssen sie mit Anzeigen wegen Steuerhinterziehung rechnen.

Die Ermittlungsverfahren seien inzwischen an die Staatsanwaltschaften der zuständigen Regionen übergeben worden, in denen die mutmaßlichen Steuersünder wohnen. So bearbeitet München 220 Verfahren, Stuttgart 171 Verfahren und Karlsruhe 86 Verfahren wegen Steuerhinterziehung. Lediglich in Mecklenburg-Vorpommern und in Sachsen-Anhalt gab es laut Ermittlungen keine LLB-Kunden, deren Daten jetzt aufgetaucht sind. Zwei Verfahren sind in Thüringen, drei in Sachsen und vier in Brandenburg anhängig.

Quelle: afp2

 
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