Acht Euro mehr im Monat: Erste Kassen erheben Zusatzbeiträge
zuletzt aktualisiert: 21.01.2010 - 19:07Berlin (RPO). Millionen Krankenversicherten müssen in den kommenden Wochen mit Zusatzbeiträge rechnen. Einem Zeitungsbericht nach plant rund ein Dutzend Kassen wegen ihrer angespannten Finanzlage schon in diesem Quartal einen Zusatzbeitrag von acht Euro monatlich zu erheben. Schon zuvor hatte die AOK Rheinland gegenüber unserer Redaktion vor einer Kostenexplosion gewarnt.
Von den konkreten Plänen für Zusatzbeiträge berichtete am Donnerstag die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und beruft sich dabei auf Kassenkreise. Dem Bundesversicherungsamt lägen nach Angaben einer Sprecherin bislang drei entsprechende Anträge vor, mit weiteren sei zu rechnen. Wie das Blatt berichtet wollen sich die Kassen mit diesem Schritt abstimmen, um die vermutlich negativen Reaktionen der Öffentlichkeit besser überstehen zu können.
Beim Bundesversicherungsamt liegen derzeit Anträge von drei Kassen, die sich den Zusatzbeitrag genehmigen lassen wollen. In Kassenkreisen wird damit gerechnet, dass in der ersten Runde rund zwölf Millionen Versicherte von dem Zusatzbeitrag betroffen sein werden. Bislang erhebt nur die kleine Gemeinsame Betriebskrankenkasse Köln (GBK) den Zusatzbeitrag von acht Euro.
Die AOK Rheinland-Hamburg warnt bereits zuvor vor einer Kostenexplosion, weil die Hausärzte in Nordrhein ihr Honorar für Kassenpatienten mehr als verdoppeln wollen. "Wir sind in das neue Jahr ohne Zusatzbeitrag gegangen. Das werden wir 2010 auch durchhalten, wenn es nicht zu extrem teuren Hausarztverträgen kommt", sagte AOK-Chef Wilfried Jacobs unserer Redaktion.
Während die AOK Zusatzbeiträge zu vermeiden hofft, bereiten derzeit neben der DAK einige Betriebskrankenkassen Zusatzbeiträge vor. Sie dürfen von den Versicherten bis zu acht Euro im Monat ohne Einkommensprüfung nehmen.
"Die Vier-Milliarden-Lücke im Gesundheitssystem wird dazu führen, dass die Mehrheit der Krankenkassen diesen Zusatzbeitrag noch in diesem Jahr erheben müssen", sagte die Chefin der Barmer GEK, Birgit Fischer, unserer Redaktion. Für ihre Kasse betonte sie: "Wir sind froh, dass wir im Augenblick nicht darüber reden müssen."
Aufgrund der klammen Finanzlage zahlreicher gesetzlicher Krankenkassen kündigte Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) indes Ausgabenbegrenzungen an. Die Regierung werde sich jeden Bereich im Gesundheitswesen ansehen "und prüfen, ob dort effizient mit Versichertengeldern umgegangen wird oder nicht", sagte Rösler am Donnerstag.
Die diskutierten Zusatzbeiträge zeigten, dass es nicht ausreiche, nur Geld in das System hineinzugeben. Vielmehr müsse, so Rößler, das System insgesamt verbessert werden. Die Rationierung von Leistungen lehnte der Minister allerdings ab.
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