Postbranche: Erste Massenentlassung wegen Mindestlohns
zuletzt aktualisiert: 04.12.2007Düsseldorf (RP). Wenige Tage nach Einführung des Mindestlohns durch die große Koalition stehen Massenentlassungen unmittelbar bevor. Der private Postzusteller PIN, der mehrheitlich zum Springer-Konzern gehört, wird in einem ersten Schritt kurzfristig weit über 1000 Stellen abbauen. Das erfuhr unsere Redaktion aus informierten Kreisen. Betroffen von den Entlassungen sind vor allem Niedersachsen und Bayern.
Der Mehrheitseigner Springer schließt sogar die gesamte Schließung seiner Tochter PIN nicht mehr aus. Er prüfe alle Optionen vom Verkauf bis zur Geschäftsaufgabe, sagte Unternehmenschef Mathias Döpfner der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Springer hält erst seit Sommer die Mehrheit an PIN und hatte dafür 510 Millionen Euro bezahlt. „Die privaten Dienstleister können sich die mit einem Mindestlohn von 9,80 Euro verbundenen Lohnsteigerungen von mehr als 30 Prozent nicht leisten“, sagte der Springer-Chef. Wettbewerb gegen die Deutsche Post sei unter diesen Umständen nicht möglich.
Auch für die Post-Konkurrenten TNT und die Hermes Logistik Gruppe hat die Einführung des Mindestlohns Konsequenzen. Die beiden Unternehmen wollen kein gemeinsames Angebot an Briefzustellungen mehr für Privatkunden und kleine Unternehmen bereitstellen. Zugleich hat Hermes seine Pläne, die 13 500 Paketannahmestellen zu Briefzentren umzubauen, erst einmal eingefroren. Erst im August hatte der Paket-Versender angekündigt, groß ins Briefgeschäft einzusteigen. Jetzt legen Hermes und TNT das Angebot an Universaldienstleistungen im Post-Bereich erst einmal auf Eis.
In der vergangenen Woche hatten sich Verdi und die Deutsche Post auf einen Mindestlohn für Postangestellte zwischen acht und 9,80 Euro verständigt. Diese Untergrenze erklärte die Koalition in Berlin für allgemeinverbindlich. Der in den Konkurrenzbetrieben der Post übliche Durchschnittslohn liegt bei 7,33 Euro.
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