Gegen Commerzbank: Erste Schadensersatzklage im Borussia-Skandal
zuletzt aktualisiert: 22.04.2005 - 12:36Düsseldorf (rpo). Im Finanzskandal um den börsennotierten Fußballverein Borussia Dortmund gerät die Commerzbank unter Beschuss. Die Berliner Anwaltskanzlei Kälberer & Tittel reichte beim Landgericht Düsseldorf die erste Schadensersatzklage gegen die Bank und ihre Tochter Commerz Fonds Beteiligungsgesellschaft (CFB) ein. Die Anwälte rechnen damit, dass zahlreiche weitere Klagen folgen.
Das Haftungsvolumen könne bis zu 50 Millionen Euro erreichen, erklärte die Anwaltskanzlei am Freitag. Die Bank habe im Prospekt für den den CFB-Fond 144, der das Westfalenstadion kaufte, die katastrophale Höhe der Verluste des Vereins im operativen Geschäft verschwiegen und sei damit verantwortlich für die Verluste der Anleger bei dem Beinahe-Konkurs des Vereins vor wenigen Wochen, hieß es in einer am Freitag veröffentlichten Erklärung der Anwälte. Ein Gerichtssprecher bestätigte den Eingang der Klage.
Rechtsanwalt Dietmar Kälberer betonte, die Klage richte sich ausdrücklich nicht gegen den Verein selbst. Borussia Dortmund habe unter dem Finanzdebakel ohnehin schon genug gelitten. Ziel sei es vielmehr, die Initiatoren und Profiteure des Fonds zu belangen. Die Anteilseigner des Fonds, der dem BVB das Westfalenstadion abgekauft hatte, hatten vor einigen Wochen einem erheblichen Forderungsverzicht zustimmen müssen, um eine Insolvenz des hochverschuldeten BVB abzuwenden.
Konkret geht es in der ersten Schadenersatzklage "nur" um gut 20.000 Euro. Doch sehen die auf Prospekthaftungsklagen spezialisierten Anwaltskanzleien Kälberer & Tittel, Gieschen und Ahrens, die sich in diesem Fall zu einer Kooperation zusammengeschlossen haben, darin nur den Anfang einer Massenverfahrens. Insgesamt seien 5.800 Anleger geschädigt worden. Das Haftungsvolumen betrage bis zu 50 Millionen Euro, erklärten die Anwälte.
Anwälte sehen gravierende Prospektmängel
Die Kleinanleger seien mit einem Prospekt zur Zeichnung von Beteiligungen veranlasst worden, in dem die wirtschaftliche Situation des BVB deutlich beschönigt dargestellt worden sei. "Auf Grund der verschwiegenen hohen operativen Verluste ist die Darstellung von Borussia Dortmund als eines der wirtschaftlich erfolgreichsten Fußballunternehmen in Deutschland nicht nur eine besonders krasse Irreführung der Anleger, sondern ein zu Schadenersatz verpflichtender Prospektmangel", betonte Kälberer.
Den Anwälten zufolge hätte Borussia Dortmund ohne den Verkauf der Marken "goool" und "Borussia Park" in der Saison 2000/2001 einen Verlust von rund 36,5 Millionen Euro ausweisen müssen. In der Saison 2001/2002 wären es ohne den Verkauf von 32 Prozent des Kommanditanteils an der Westfalenstadion Dortmund GmbH & Co. KG 21,5 Millionen Euro gewesen. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2002/2003 wäre laut Kälberer ohne ähnliche Geschäfte ein Verlust von rund 19 Millionen Euro auszuweisen gewesen. Dennoch sei der Verein im Prospekt als "eines der sportlich und wirtschaftlich erfolgreichsten Fußballunternehmen in Deutschland" dargestellt worden.
"Die Anleger wurden bewusst getäuscht", sagte Rechtsanwalt Jens-Peter Gieschen. Gleiches gelte für das jetzt vorgelegte Sanierungskonzept. Die Verantwortlichen aus dem Verein, Banken und Fondsgesellschaften spielten offensichtlich auf Zeit, um sich in die Verjährung zu retten. Die Ansprüche verjähren Gieschen zufolge zum 17.August 2005.
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