| 21.40 Uhr

Geplatzter EADS-Deal
EU droht USA mit Sanktionen

Das EADS-Tankflugzeug im Einsatz
Das EADS-Tankflugzeug im Einsatz FOTO: AFP
Paris (RP). Der europäische Luftfahrt-Konzern EADS zieht sich aus dem Rennen um einen Milliarden-Auftrag in den USA zurück, weil das Pentagon den US-Konkurrenten Boeing bevorzugt. Brüderle warf den USA Protektionismus vor. Die EU-Kommission reagierte mit scharfer Kritik und droht den USA nun mit höheren Hürden für künftige Rüstungsprojekte. Von Karin Finkenzeller und Birgit Marschall

Der europäische Luftfahrtkonzern EADS hat keine Chance mehr auf den Milliardenauftrag für das neue Tankflugzeug der US-Streitkräfte. Das US-Unternehmen Northrop Grumman, das sich zusammen mit EADS um den 35 Milliarden Dollar schweren Auftrag beworben hatte, zog sich aus dem Rennen zurück. Grund für die Entscheidung seien unfaire Wettbewerbsbedingungen, erklärte Northrop.

Als einziger Bewerber um den Auftrag bleibt damit Boeing übrig. Die Richtlinien der Neuausschreibung des Pentagons favorisierten von vornherein den Konkurrenten Boeing, und sein Unternehmen rechne sich mit seinem Angebot keine Chancen aus, erklärte Northrop-Chef Wes Bush. Sich weiter um den Auftrag zu bemühen, sei unverantwortlich gegenüber den Aktionären. Offiziell Protest einlegen wolle das Unternehmen aber nicht.

EADS hatte etwa die Hälfte des Auftrages stemmen und zunächst 179 Tankflugzeuge auf der Basis des Großraumtransporters A330 liefern wollen. Die militärische Ausrüstung sollte Northrop Grumman übernehmen und General Electric die Triebwerke liefern. 2008 hatte das US-Verteidigungsministerium den Partnern bereits den Zuschlag erteilt. Eine Sensation, denn der Auftrag brach das seit fast 50 Jahren bestehende Monopol des US-Rivalen Boeing bei der Lieferung von Transportflugzeugen für die heimische Armee.

Doch Boeing legte Beschwerde ein und erzwang eine Neuausschreibung. Diese bevorzuge nun eindeutig das kleinere und weniger leistungsfähige Tankflugzeug von Boeing, klagt Airbus. Die EU-Kommission reagierte mit scharfer Kritik und droht den USA nun mit höheren Hürden für künftige Rüstungsprojekte. Wenn das Pentagon bei der Ausschreibung von Tankflugzeugen für die US-Luftwaffe den amerikanischen Hersteller Boeing bevorzugt habe, könnte das Folgen für Rüstungsgeschäfte mit den USA haben, erklärte die Kommission am Dienstag in Brüssel.

Die Bundesregierung warf den USA Protektionismus vor. Boeing sei durch die US-Regierung "deutlich bevorzugt” worden, sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). "Als einziger Anbieter erhält Boeing wirtschaftliche und finanzielle Vorteile, ohne dass die US-Luftwaffe das beste Produkt erhalten würde”, so Brüderle. Durch ihre Entscheidung offenbare die US-Regierung "Anzeichen von Protektionismus”.

Der Luftfahrtkoordinator der Bundesregierung, Staatssekretär Peter Hintze (CDU), forderte die US-Regierung auf, ihr Auschreibungsverfahren zu überdenken. "Ich sehe eine winzige Restchance, dass die US-Administration dieses Signal erkennt und sich das Verfahren noch einmal anschaut”, sagte Hintze. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) reagierte empört: "Der BDI verurteilt jede Form von protektionistischen Tendenzen”, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf.

Quelle: RP
 
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