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Herabstufungen der Kreditwürdigkeit: EU knöpft sich Ratingagenturen vor

zuletzt aktualisiert: 01.10.2010 - 11:47

Brüssel (RPO). Die Idee, Ratingagenturen für ungerechtfertigte Herabstufungen der Kreditwürdigkeit von Staaten zu bestrafen, stößt in der EU auf Skepsis. Die Agenturen hätten zwar in der Vergangenheit Fehler gemacht, sie zu bestrafen sei aber schwierig, sagte der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank Ewald Nowotny am Freitag vor dem Treffen der EU-Finanzminister und Notenbankchefs in Brüssel.

Auch der polnische Finanzminister Jacek Rostowski äußerte sich skeptisch. "Das ist für mich eine völlig abstrakte Idee - sollen wir die Agenturen auch bestrafen, wenn sie zu optimistisch sind?"

Vertreter der drei großen amerikanischen Agenturen Moody's, Standard & Poor's und Fitch sollen den Finanzministern bei der Tagung Rede und Antwort über ihre Entscheidungen stehen. Moody's hatte am Vortag wie schon länger zuvor die beiden anderen Agenturen Spanien wegen schlechter Wachstumsaussichten die Bestnote entzogen.

Der belgische Finanzminister Didier Reynders, der die Idee in dieser Woche auf einer Konferenz in Brüssel ins Gespräch brachte, ruderte zurück. "Ich sage nicht, dass wir in diese Richtung gehen müssen, aber wir brauchen mehr Regulierung", sagte der amtierende EU-Ratsvorsitzende. Vor Kurzem hatte er gefordert, die Agenturen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, wenn sich ihre Einschätzung nach einigen Wochen als falsch herausstellen würde.

Regulierung der Ratingagenturen

Viele Politiker waren erbost, dass die Agenturen mitten in der Euro-Schuldenkrise Portugal und Spanien schlechtere Noten für ihre Staatsanleihen gaben, obwohl die Länder unter dem Eindruck der Krise eilig Sparprogramme auflegten. In der Bankenkrise war den Agenturen vorgeworfen worden, zu spät auf die schwache Kreditwürdigkeit von Emittenten mit Herabstufungen reagiert zu haben. Eine Regulierung der Ratingagenturen war das erste, was die EU als Konsequenz der Krise in Angriff nahm und bereits beschlossen hat. Doch nach den Erfahrungen in der Euro-Krise soll das Gesetz im kommenden Jahr verschärft werden.

In einem Diskussionspapier für die Minister wird die Frage aufgeworfen, ob Ratings für Staatsschuldner überhaupt notwendig sind, da alle dafür genutzten Informationen öffentlich bekannt seien. Zumindest aber müssten die Agenturen besser über den Zeitpunkt und die Gründe von Ratingänderungen informieren. Die EU-Staaten könnten außerdem verabreden, die Agenturen nicht mehr für die Benotung zu bezahlen.

In der Regel werden die Kreditwächter von den Emittenten der zu bewertenden Finanzpapiere entlohnt, so dass ein Anreiz besteht, die Lage zu beschönigen. In dem Papier wird die Frage aufgeworfen, ob per Regulierung andere Vergütungsmodelle durchgesetzt werden könnten.

Quelle: RTR/nbe

 
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