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Um 0,75 Prozent: Europäische Zentralbank senkt Leitzinsen deutlich

zuletzt aktualisiert: 04.12.2008 - 16:04

London (RPO). Die Senkung des Leitzinses durch die Europäische Zentralbank (EZB) um 0,75 Prozentpunkte fällt überraschend deutlich aus. Verbraucher müssen sich auf sinkende Zinsen für Tages- und Festgeld einstellen. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos begrüßt die Senkung.

Damit liegt der Zinssatz nun bei 2,5 Prozent. Bei niedrigeren Leitzinsen werden Kredite für Verbraucher und Firmen billiger, aber auch die Zinsen auf Spareinlagen sinken.

Details zur Entscheidung der EZB wollte ihr Präsident Jean-Claude Trichet am Nachmittag auf eine Pressekonferenz in Brüssel erläutern. Trichet, hatte bereits bei der letzten Zinssenkung am 6. November angedeutet, dass die Zinsen angesichts der schlechten Wirtschaftsaussichten weiter reduziert würden. Ökonomen hatten eine Zinssenkung nur um 50 Basispunkte für wahrscheinlicher gehalten.

Die EZB hatte ihren Leitzins erst im November um 50 Basispunkte auf 3,25 Prozent gesenkt. Es war die zweite Zinssenkung um diesen Betrag seit Oktober. Anfang des Jahres hatte der Leitzins noch bei 4,00 Prozent gelegen.

Was die Leitzinssenkung für Verbraucher bedeutet

Nach der drastischen Leitzinssenkung der müssen sich Verbraucher nach Einschätzung von Anlageexperten auf sinkende Zinsen für Tages- und Festgeld einstellen. Bei fallenden Leitzinsen sinkt die Verzinsung von Sparguthaben. Dagegen werden Darlehen und Kredite für Verbraucher günstiger. Bei vielen deutschen Banken werde es in den kommenden Wochen "zu deutlichen Zinssenkungen kommen", sagte Finanzexperte Horst Biallo vom Verbraucherportal biallo.de.

Bereits in den vergangenen Wochen hätten viele Institute ihre Konditionen nach unten korrigiert. Nach der neuerlichen Zinssenkung der EZB werde sich dieser Trend weiter fortsetzen. Die Europäische Zentralbank senkte am Mittwoch den Leitzins für die Eurozone in einem drastischen Schritt um 0,75 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent.

Angesichts sinkender Zinsen lohne sich für Anleger derzeit vor allem beim Festgeld mit mehrmonatiger Laufzeit ein Vergleich unterschiedlicher Anbieter, sagte der Chef der Frankfurter Finanzberatung FMH, Max Herbst. Während beim Großteil der Banken und Sparkassen die Zinsen schon deutlich gesunken seien, gebe es bei einer Reihe von Anbietern nach wie vor hohe Zinssätze von teils über fünf Prozent - etwa bei den Banken mehrerer deutscher Autokonzerne. Da viele dieser Hochzinsanbieter der deutschen Einlagesicherung angehörten, müssten sich Anleger auch trotz der Finanzkrise keine Sorgen um ihr Geld machen müssten.

Auf mittlere Sicht sei aber bei allen Anbietern mit niedrigeren Festgeldzinsen zu rechnen, sagte Finanzexperte Biallo. "Verbraucher, die sich noch hohe Zinsen sichern wollen, sollten sich deshalb überlegen, ihr Geld jetzt in Festgeld zu investieren".

Neben dem Festgeld würden sich auch die Konditionen für Tagesgeld verschlechtern, sagte Finanzexperte Herbst. Allerdings sei der Zinsrückgang für Anleger hier derzeit noch nicht so stark spürbar. Grund dafür sei, dass die Banken sich wegen der Finanzkrise momentan kaum Geld untereinander leihen und deswegen nach wie vor stark auf die Einlagen der Verbraucher angewiesen sind.

Für Kreditnehmer zeige sich nach den Zinssenkungen der EZB in den vergangenen Wochen derzeit ein gemischtes Bild, sagte Herbst. Die Zinsen für Hypotheken seien schon deutlich nach unten gegangen - bei einer zehnjährigen Finanzierung etwa um einen halben Prozentpunkt auf 4,7 Prozent. Bei Ratenkrediten für den Kauf von Konsumgütern dagegen habe sich bislang "gar nichts getan". Verbraucher müssten hier eher noch mit steigenden Zinsen rechnen. "Die Banken haben mit Blick auf die Konjunktur Angst vor Kreditausfällen durch Arbeitslosigkeit", sagte Herbst.

Wirtschaftsminister Glos begrüßt die Senkung

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat die Entscheidung der Europäischen Zentralbank begrüßt, den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent zu senken. Damit sende die EZB "ein positives und vertrauensförderndes Signal an die Finanzmärkte und an die Wirtschaft", sagte Glos am Donnerstag. Er betrachte den Schritt als konsequente Fortsetzung der auf Stabilität im Euro-Raum ausgerichteten Politik der EZB.

Quelle: AP

 
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