| 13.54 Uhr

Anonymer offener Brief
Eurowings-Mitarbeiter warnen Air-Berlin-Kollegen

Pilot schimpft über "gierige Manager" und "blinde Politiker"
Berlin/Düsseldorf. Sollte sich die Echtheit bestätigen, wäre dies ein einmaliger Vorgang in der Luftfahrtbranche: Mitarbeiter der Lufthansa-Tochter Eurowings warnen offenbar in einem offenen Brief an Air-Berlin-Kollegen vor ihren eigenen Jobs.

In dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, werden schlechte Bezahlung und Sozialleistungen angeprangert. Unter anderem heißt es in dem Schreiben, viele Mitarbeiter von Eurowings Europe wären bereit, "sofort zu Ryanair zu wechseln". Der irische Billigflieger wird immer wieder für seine Arbeitsbedingungen kritisiert.

Bei Eurowings gebe es "keinerlei Altersvorsorge" und eine Kündigungsfrist seitens des Arbeitgebers von 15 Tagen, heißt es. Außerdem beruhe der Urlaubsanspruch auf dem "gesetzlichen Mindestniveau" und einen Rentenanspruch gebe es zum Teil erst nach acht Jahren Einzahlung in das örtliche Sozialsystem.

"[...] Des weiteren beinhalten unsere Verträge zahlreiche Highlights, wie eine Begrenzung der Kostenerstattung fürs Medical (muss in der Freizeit gemacht werden) auf unüblich niedrige 150€, die komplette Verweigerung die Mitarbeiter über eine LoL abzusichern, keinerlei Altersvorsorge, eine Kündigungsfrist seitens des Arbeitgebers von 15 (!) Tagen, Urlaubsanspruch beruhend auf dem gesetzlichen Mindestniveau des Landes,
nur 8 OFF Tage pro Monat, ein quasi nicht vorhandenes Requestsystem, Rentenanspruch teilweise erst nach 8 Jahren Einzahlung in das örtliche Sozialsystem, etc., etc. Dies sind im Einzelnen vielleicht Kleinigkeiten, in der Summe zeichnen sie aber ein trauriges Bild. Die Bedingungen werden auf ein Minimum beschränkt und es wird sich jeglicher sozialer Verantwortung entzogen. [...]"

Die Eurowings-Mitarbeiter wollten den Brief nach eigenem Bekunden dazu nutzen, den Air-Berlin-Mitarbeitern, die wegen der Insolvenz der Airline möglicherweise eine Bewerbung bei Eurowings erwägen, einen Einblick zu geben. Das Schreiben ist anonym, seine Echtheit ist zunächst nicht eindeutig gesichert.

"[...] Der Arbeitgeber treibt dieses Spiel allerdings noch weiter und versucht immer die jeweils nach Landesrecht maximal schlechtest möglichen Konditionen zu etablieren.. Wenn ein Mitarbeiter der Eurowings Europe Station Palma, sei es Kabine oder Cockpit, krank ist, bekommt er an diesen Tagen kein Geld. Wir reden hier nicht nur von Zulagen (Legs) bzw. Überstunden die an einem Krankheitstag nicht verdient werden, sondern von Abzügen beim Grundgehalt. Bei einer Grippe, bei der der Mitarbeiter beispielsweise zwei Wochen krank im Bett liegt, bekommt er 40% vom Monatsgehalt abgezogen. Hierbei reden wir nicht über Peanuts. Zwei Wochen krank bedeuten teilweise 2000€ weniger in einem solchen Monat.

Dieses Thema wurde seitens der Mitarbeiter schon sehr oft angemahnt und uns ist völlig unklar wie eine Flight Safety Abteilung der Lufthansa so etwas mitmachen kann. Aber es wird gemacht und das seit Monaten. Unsere Geschäftsleitung hält solche Konditionen und Praktiken für 'marktgerecht', wir empfinden es als dunkelsten Frühkapitalismus.

Den Kunden verkauft man es als sicher, denn sie fliegen ja mit der Lufthansa Gruppe in den Urlaub. Sie sind im Glauben eine maximal sichere Airline gewählt zu haben. Auf dem Papier mag dies auch richtig sein, aber was der Kunde tatsächlich erhält, ist eine Crew bei der man nicht sicher davon auszugehen kann, dass niemand Krank zum Dienst erscheint. Die Flugsicherheit wird somit derart vorsätzlich aufs Spiel gesetzt,
dass es fast schon kriminell ist. [...]"

Eurowings-Chef Robert Jahn sprach in der "Bild"-Zeitung von "falschen Behauptungen", die "in hohem Maße geschäftsschädigend" seien. Zudem würden die Air-Berlin-Mitarbeiter für die Durchsetzung eigener Interessen instrumentalisiert.

Air Berlin ist insolvent. Ein Großteil soll von der Lufthansa übernommen werden, die eine Reihe von Mitarbeitern bei Eurowings einstellen will.

(felt/AFP)
 
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