Vorwürfe wegen Insiderhandel: Ex-EADS-Chef: Köpferrollen möglich
zuletzt aktualisiert: 02.04.2008 - 12:47Paris/Hamburg (RPO). Der frühere EADS-Co-Chef Noël Forgeard weist Vorwürfe der französischen Börsenaufsicht zurück, mit Insiderwissen massiv Aktien verkauft zu haben. "Ich bin unschuldig", beteuert der Manager. Allerdings hält er weitere personelle Konsequenzen durchaus für möglich.
Die Börsenaufsicht sieht ihren Verdacht nach 18-monatigen Ermittlungen bestätigt. und kündigte am Dienstag ein Sanktionsverfahren an. "Ich bin genau wie die anderen 16 Verdächtigten unschuldig", sagte Forgeard der Zeitung "Le Parisien".
Allerdings räumte er ein, aus heutiger Sicht sei der Aktienverkauf vor der Bekanntgabe der Lieferverzögerungen beim Superjumbo A380 und dem folgenden Kurssturz ein Fehler gewesen. "Ich denke, es wäre besser gewesen, das nicht zu tun", zitierte ihn die Zeitung. Forgeard musste im Juli 2006 seinen Hut nehmen.
Bisher sei er das einzige Opfer der Insideraffäre, sagte er. "Vielleicht wird es weitere geben." Zu den von der AMF beschuldigten Personen soll Berichten zufolge auch der derzeitige Airbus-Chef Thomas Enders gehören, der vor Bekanntgabe der A380-Pannen zwei umfangreiche Aktienpakete verkaufte.
Der Vizechef von Airbus-France, Jean-Marc Thomas, zeigt sich indes besorgt über das Sanktionsverfahren der AMF: In der heiklen Phase, in der sich das Unternehmen befinde, trage dies "nicht zur Stabilisierung bei", sagte er am Dienstagabend in einer Senatsanhörung. Er verwies auf die Anfechtung des US-Tankerdeals durch den US-Konkurrenten Boeing und die Schwierigkeiten bei der Umstrukturierung. "Das ist nicht der beste Moment für mögliche Störungen im Inneren von Airbus und EADS."
Probleme beim A350
Unterdesse bringt der vorerst geplatzte Verkauf der drei deutschen Airbus-Werke den Flugzeughersteller nach Einschätzung des Betriebsrates in Schwierigkeiten. "Es ist zu befürchten, dass der Zeitplan für den neuen Langstreckenjet A350 nicht eingehalten werden kann", sagte der stellvertretende Gesamtbetriebsrats-Vorsitzende Thomas Busch der "Zeit" (Donnerstagsausgabe). Es lägen bereits 370 Bestellungen vor. Einen Teil der notwendigen Investitionen für den Baubeginn sollten die neuen Investoren tragen. "Dem Unternehmen läuft die Zeit davon."
Airbus-Sprecher Tore Prang wies die Einschätzung zurück, beim Prestigeprogramm drohe ein Verzug. "Der A350 ist nicht verzögert", sagte Tore Prang. Der Flugzeugbauer will die ersten Maschine 2013 ausliefern.
Der Betriebsrat kritisierte auch die Bedingungen für den Verkauf der Werke, nachdem der Bremer Bieter OHB/MT Aerospace in der vergangenen Woche sein Angebot zurückgezogen hatte. "Die neuen Investoren sollen Dollar-Risiken übernehmen und zusätzliche Kosten für die Neuentwicklungen (des A350) übernehmen", sagte Busch der "Zeit". Im Konzern sei von 700 Millionen Euro die Rede. "Das können Mittelständler wie OHB nicht stemmen".
Nach dem Ausstieg der Bremer Gruppe will der Airbus-Mutterkonzern EADS die Werke Nordenham, Varel und Augsburg in einer neuen Tochtergesellschaft ausgliedern. Medienberichte, die bundeseigene KfW und ein Fonds der Vereinigten Arabischen Emirate wollten sich mit 40 Prozent an der Gesellschaft beteiligen, bezeichnete Airbus abermals als Spekulation.
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