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Stefan Ortseifen
  Foto: Reuters pool, APN
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Prozess wegen Untreue: Ex-IKB-Chef: Ich bin unschuldig

VON GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 16.03.2010 - 20:51

Düsseldorf (RP). Stefan Ortseifen hat am ersten Prozesstag alle Vorwürfe zurückgewiesen. Die Verantwortung aus seiner Sicht hat vor allem die Deutsche Bank. Doch das Gericht sieht offenbar Anhaltspunkte für strafbares Verhalten bei Ortseifen.

Mehr als zweieinhalb Jahre lang hat Stefan Ortseifen geschwiegen ­ zwei Jahre, sieben Monate und zwei Wochen. So lange ist es her, dass der 59-jährige Manager seinen Platz als Chef der Mittelstandsbank IKB geräumt hat. Jetzt redet er in großem Stil. Mehr als drei Stunden waren es gestern, mindestens genau so lange dürfte es nächsten Donnerstag dauern. Aus Ortseifens Sicht gibt es viel zu sagen. Der frühere Vorstandssprecher ist der Kursmanipulation und der Untreue zu Lasten seines früheren Arbeitgebers angeklagt. Er weist alle Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück, und er sagt wie viele vor ihm, dass der Zusammenbruch ganzer Finanzmärkte für niemanden absehbar gewesen sei.

Der wahre Schuldige am IKB-Desaster sitzt aus Ortseifens Sicht in Frankfurt/Main: Die Deutsche Bank fror am 27. Juli 2007 alle Handelslinien mit der Mittelstandsbank ein. Dies habe zu einem „unermesslichen Reputationsschaden für die IKB” geführt. „Und es war ein Fanal für die anderen Banken”, ergänzt Ortseifen. Im Klartext: Wenn die Deutsche Bank nicht mehr will, lassen wir am besten auch die Finger von der IKB. Als Konsequenz habe sich die Bank am Kapitalmarkt kein Geld mehr besorgen können. Die Folgen sind bekannt: Die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), damals Großaktionär der IKB, der Bund und die gesamte Bankbranche mussten mit Milliarden einstehen, um das Düsseldorfer Institut vor dem Kollaps zu bewahren.

Minutiös hat Ortseifen gestern sein Bemühen geschildert, genau diesen Kollaps zu verhindern. Er spricht über jede Menge Telefongespräche, Vorstands- und Aufsichtsratssitzungen, er referiert eineinhalb Stunden über Verbriefungen von Krediten, über die Funktionsweise von Zweckgesellschaften und darüber, dass bis 20. Juli 2007 aus den Urteilen der Rating-Agenturen deutlich geworden sei, dass die Risiken für die IKB minimal gewesen seien. An dem Tag erschien die ominöse Pressemitteilung der Bank, aus der die Staatsanwaltschaft ihren Vorwurf der Marktmanipulation ableitet.

Denn in der Mitteilung stand, dass die IKB höchstens mit einem einstelligen Millionenbetrag betroffen sei von veränderten Urteilen der Rating-Agenturen über die Werthaltigkeit der Kreditbündel. Auch die Vorsitzende Richterin Brigitte Koppenhöfer hält es nach vorläufiger Einschätzung für möglich, dass die Pressemitteilung die Lage der Bank „verharmlost” haben könnte und so Anleger in die Irre geführt wurden. Dazu will das Gericht einen Sachverständigen hören.

Ortseifen sieht sich zu Unrecht auf der Anklagebank: „Rein rechtlich bin ich unschuldig”, auch wenn ich die existenzielle Krise der IKB und die Folgen für die Mitarbeiter natürlich sehr bedaure”. Er will auch keine Schuld auf andere abschieben, sagt er mehrfach. Tatsache sei, dass die IKB bis Juli 2007 weder ein Ertrags- noch ein Liquiditätsproblem gehabt.

Das Verhalten der Deutschen Bank sei nicht nachvollziehbar gewesen. „Die haben ohne Vorwarnung gehandelt”, sagt Ortseifen. Er habe am 27. Juli noch zweimal mit dem zuständigen Deutsche-Bank-Vorstand Jürgen Fitschen telefoniert, der ihm zugesagt habe, alles zu prüfen und ihn, Ortseifen, wieder anzurufen. "Doch dieser Anruf ist nie zustande gekommen."

Quelle: RP

 
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