Hypo Real Estate: Ex-Managern drohen Haftstrafen
zuletzt aktualisiert: 22.12.2008 - 10:21München (RPO). Die Luft für die ehemaligen Hypo-Real-Estate-Manager wird dünn. Der ehemaligen Führungsspitze des schwer angeschlagenen Immobilienfinanzierers drohen hohe Schadenersatzzahlungen oder sogar Haftstrafen.
Die Staatsanwaltschaft werfe der Bank vor, in der sich verschärfenden Finanzkrise die Strategie nicht geändert und dadurch Firmenvermögen veruntreut zu haben, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Die Ermittler lasteten Ex-HRE-Chef Georg Funke und weiteren Top-Manager die Verletzung von insgesamt sieben Vorschriften des Aktiengesetzes, des Strafgesetzbuches und des Wertpapierhandelsgesetzes an.
Neben Untreue werde den Managern vorgeworfen, die Notlage der Bank verschleiert, Aktionäre und Öffentlichkeit getäuscht und so den Aktienkurs an der Börse manipuliert zu haben. Den Managern drohten demnach im schlimmsten Fall neben hohen Schadenersatzforderungen der HRE Geldstrafen und bis zu fünf Jahre Haft.
Der Aufsichtsrat reagierte auf die Ermittlungen gegen die zwischen November 2007 und September 2008 amtierenden Vorstände. Fristlos wurden laut HRE dem amtierenden Finanzvorstand Markus Fell und dem Vorstand für das Gewerbe-Immobiliengeschäft Frank Lamby gekündigt. Auch die Verträge mit dem zurückgetretenen Vorstandsvorsitzenden Georg Funke und dem ehemaligen Vorstand für das Staatsfinanzierungsgeschäft, Bo Heide-Ottosen, wurden aufgehoben.
HRE baut Konzern radikal um
Die HRE plant währenddessen ein radikales Umstrukturierungsprogramm, mit dem sie wieder in ruhigeres Fahrwasser kommen will. Wie die Bank am Wochenende mitteilte, soll in den nächsten Jahren der Konzern zum Immobilien- und Staatsfinanzierer auf Pfandbriefbasis umgebaut werden. Dazu sei geplant, die Zahl der Beschäftigten bis 2013 um mehr als die Hälfte auf 800 zu kürzen sowie Geschäftsbereiche neu zu ordnen. "Mit den jetzt getroffenen Entscheidungen schaffen wir seitens des Unternehmens notwendige Grundlagen für die mittelfristige Rückkehr der Gruppe als aktiver Marktteilnehmer", sagte Vorstandsvorsitzender Axel Wieandt.
Seinen Angaben zufolge gibt es zu den geplanten Anpassungen keine Alternative. Im Vordergrund stünden ein diszipliniertes Management der Bilanz, der Kosten und Risiken sowie die konsequente Umsetzung der Restrukturierung. Diese seien Voraussetzung für bereits vom Staat erhaltene sowie für weitere Unterstützung aus dem Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin). Die Gespräche mit dem SoFFin über weitreichende Unterstützungsmaßnahmen dauerten an, hieß es weiter.
Nach HRE-Angaben soll die Reduzierung der Mitarbeiterzahl von 1800 auf rund 800 ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen. Ein Drittel der Stellen falle im Inland weg. Infolge des Umbaus sollen bis 2011 die Hypo Real Estate Bank International und die Depfa Bank mit der Hypo Real Estate Bank AG zusammengelegt werden. Die Gewerbliche Immobilienfinanzierung werde sich neben Deutschland auf die wichtigen europäischen Märkte und die der USA konzentrieren, das Geschäft im Bereich Öffentlicher Sektor werde beschränkt. Infrastruktur-Finanzierungen will der Konzern zukünftig nicht mehr anbieten. Auch würden nicht zum neuen Geschäftsmodell passende Aktivitäten eingestellt.
Der massiv angeschlagene Konzern war seit Ende September nur durch mehrfach aufgestockte milliardenschwere Staatsbürgschaften und Notfallkredite vor dem Zusammenbruch bewahrt worden. Die HRE war vor allem durch ihre erst 2007 übernommene irische Tochter Depfa in Bedrängnis geraten. Diese hatte an den Geldmärkten nicht mehr genügend kurzfristige Kredite erhalten. Die Depfa Bank soll auch nach dem Umbau erhalten bleiben. Zwar bleibe sie nicht von den Personalmaßnahmen verschont, eine Schließung in Dublin sei jedoch "nicht Gegenstand der Planungen", hieß es.
400 Millionen Euro für den Umbau
Die Kosten für die Neuausrichtung und Restrukturierung beziffert der Konzern mit rund 400 Millionen Euro. Rund zwei Drittel davon würden "voraussichtlich" im vierten Quartal verbucht, hieß es. Durch die Neustrukturierung sollen bis 2011 die jährlichen Kosten um rund 200 Millionen Euro sinken. Bis 2013 sollen jährlich weitere 50 Millionen Euro eingespart werden.
Mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr teilte der Konzern mit, dass die HRE dieses mit einem Verlust beenden werde. Die internationalen Kredit- und Immobilienmärkte hätten sich im vierten Quartal weiter eingetrübt, weshalb "weitere erhebliche Ergebnisbelastungen" zu erwarten seien.
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